Shuttle auf Abruf: Der ADAC fährt jetzt Bus

Vom Pannenhelfer zum Mobilitätsdienstleister: Der ADAC will sich für die Zukunft rüsten. Dazu sucht das Branchenurgestein die Zusammenarbeit mit Startups.

Schon einmal setzte der Allgemeine Deutsche Automobilcub (ADAC) auf Busse. Im Frühjahr 2013 schickte das Urgestein der Automobilbranche gemeinsam mit der Deutschen Post gelbe Fernbusse auf den Markt. Doch das Konzept scheiterte. Ende 2014 stieg der ADAC aus dem Projekt aus, 2016 verkaufte auch die Post ihr Geschäft an den Platzhirsch der Branche, Flixbus.

Jetzt setzt Deutschlands größte Interessenvertretung der Autofahrer wieder auf Busse, allerdings sind diese deutlich kleiner als damals. Gemeinsam mit dem Berliner Mobility-Startup Door2Door will der ADAC künftig sogenannte Shuttle-On-Demand auf die Straße schicken. Ab sofort können sich Berliner jeden Freitag und Samstag von 17 bis 1 Uhr nachts durch das Gebiet des Berliner S-Bahn-Rings fahren lassen.

In der dreimonatigen Testphase ist der Allygator Shuttle kostenlos. Bei Allygator fallen laut Tagesspiegel eigentlich Kosten von fünf Cent pro Kilometer an. Gewinn macht das Unternehmen damit nicht, nur deshalb ist der Service laut Personenbeförderungsgesetz erlaubt. Der ADAC gleiche dem Startup die Kosten für den Zeitraum von drei Monaten aus.

Per App bestellt, holen die Kleinbusse ihre Fahrgäste an einem beliebigen Ort innerhalb des S-Bahn-Ringes ab. Mehrere Reisende mit einer ähnlichen Route werden in einem Fahrzeug gebündelt, ein Algorithmus berechnet die optimale Strecke. So würden Fahrzeuge besser ausgelastet, der Verkehr und Emissionen reduziert, werben die Betreiber.

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Auch Startups mit Shuttles auf Abruf

Neu ist das Angebot nicht. Allygator ist bereits seit 2016 am Wochenende in Berlin unterwegs. Im Zuge der Partnerschaft mit dem ADAC wird die Flotte auf 25 Fahrzeuge aufgestockt, drei davon sind elektrische i3 von BMW. Auch andere Wettbewerber haben in Berlin ähnliche Konzepte auf der Straße. Das Startup Clevershuttle bietet einen Shuttle-Service mit elektrischen Pkw und lizenzierten Fahrern an, die BVG will im Frühjahr gemeinsam mit ViaVan, einem Joint Venture zwischen Mercedes-Benz Vans und Via, den Berlkönig ins Rennen schicken.

Der ADAC will sich mit der Partnerschaft für die neue Mobilitätswelt rüsten, in der Sharing-Konzepte zunehmend eine wichtigere Rolle spielen. Der Automobilclub wolle Erfahrungen sammeln, wie neue Mobilitätsangebote im urbanen Umfeld funktionieren, wie sich Nutzerverhalten entwickelt und welche Ableitungen sich für die individuelle Mobilität insbesondere junger Menschen ergeben, so Alexander Möller, Geschäftsführer des ADAC über die Zusammenarbeit mit Door2Door.

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Schon 2016 kündigte ADAC-Präsident August Makl an, den Club umbauen zu wollen: „Wir arbeiten auf verschiedene Weisen daran, den ADAC zu einer digitalen Mobilitätsplattform zu entwickeln.“ Dabei sollen auch Gründer und Startups neue Geschäftsmodelle entwickeln. Zuletzt wurde ein Camping-Startup aufgesetzt, dass der Automobil-Club über seine Camping GmbH mit einer siebenstelligen Finanzierung ausstattete.

Im Sommer hatte der ADAC zudem mit einer Kampagne um neue, junge Mitglieder unter 30 Jahren geworben. Bei „Don't call Mum, call the ADAC“ sollten junge Menschen per Whatsapp den Club um Rat fragen können. Mittlerweile scheint der Service jedoch wieder eingestellt, Nachrichten bleiben unbeantwortet. Nun folgt also ein neuer Baustein in der Strategie, vom Pannenhelfer zum Mobilitätsanbieter zu werden.

Bild: Door2Door

 

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