So fährt sich das Solarauto von Sono Motors

Das Münchner Startup hat ein E-Auto erfunden, das mit Solarpanelen bestückt ist. 2019 soll die Produktion starten. Wir haben den Sion schon jetzt in Berlin getestet.

Wer in Berlin Startups aus den Bereichen Energie und Mobilität sucht, findet sie in Schöneberg. Auf dem Euref-Campus soll die Energieversorgung und Mobilität von Morgen erprobt werden. Es überrascht also es nicht, dass auch Sono Motors an diesem Oktoberwochenende hier Halt gemacht hat. Das Mobility-Startup aus München stellt hier sein erstes Fahrzeug vor, den Sion. Das Besondere: Es ist überall mit Solarpanelen bestückt, mehr als sieben Quadratmeter Panele decken Türen, Dach und Heck ab. Wenn die Sonne scheint, sollen die das Elektro-Auto zusätzlich mit Strom versorgen und die laut Herstellerangaben 250 Kilometer Reichweite des Fahrzeuges um bis zu 30 Kilometern erhöhen.

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NGIN Mobility hat das Fahrzeug getestet. Allerdings: nicht unter realen Bedingungen. Die Testfahrt ist begrenzt auf eine kurze Runde über das Gelände des Schöneberger Campus. Das sei wegen der Versicherung nicht anders möglich, sagt Tourmanagerin Anne-Sophie Scharrer.

Wer einsteigt, sieht nichts Ungewöhnliches. Das Armaturenbrett macht noch einen provisorischen Eindruck, ebenso wie der riesige rote Notfallknopf, mit dem bei einem möglichen Unfall sofort die Stromversorgung unterbrochen werden könne, wie Tourmanagerin Scharrer auf Nachfrage erklärt. Bei den späteren Serienmodellen werde der nicht mehr zu finden sein, auch die Optik solle noch verbessert werden.

Starten lässt sich das Auto leicht: Hebel umlegen, Startknopf drücken, Gas geben – und schon geht es los. Wie jedes Elektroauto zieht der Sion schnell an. Viel Platz zum Beschleunigen ist bei der Testfahrt allerdings nicht: Nach rund 100 Metern ist Schluss, mehr Platz gibt es auf dem Euref-Campus nicht. Auch kann der Sion nicht schneller als 140 Kilometer pro Stunde fahren. Das mache aufgrund des sehr hohen Energierverbrauchs auch keinen Sinn, so Scharrer.

Viele der Innenteile sind baugleich zu jenen im Elektroauto BMW i3. Das ist das Prinzip des Münchner Startups. Die Gründer setzen bewusst auf bereits erprobte Bauteile, die nicht neu entwickelt und getestet werden müssen, sondern nur geringfügige Anpassungen brauchen. So sei es ihnen möglich, die vergleichsweise kurzen Produktionszyklen einzuhalten, erklärt Mitgründer Laurin Hahn. Auch erkläre sich so der für ein E-Auto vergleichsweise niedrige Preis: 20.000 Euro inklusive Batterie soll der Sion später kosten. Auf ein ähnliches Konzept setzen auch die Aachener Elektromobilitätsschmieden Streetscooter und e.Go.

Zwei Besonderheiten hat der Sion neben den Solarpanelen aber noch: Im Innenraum befindet sich grünes Moos. Das soll Feinstaub aus der Luft filtern, wie Mitgründer Jona Christians im Interview mit NGIN Mobility erklärt (siehe Video). Außerdem verfügt der Sion über ein selbst entwickeltes Infotainmentsystem. Darüber sollen die Autobesitzer das Fahrzeug teilen können, wenn sie es selbst gerade nicht brauchen. Ohne Schlüsselübergabe ließe sich das Fahrzeug dann verleihen und nebenher Geld verdienen. Die Sharing-Lösung wurde in Zusammenarbeit mit dem Berliner Startup Getaway entwickelt.

Gegründet wurde Sono Motors im Jahr 2016 von Navina Pernsteiner, Jona Christians und Laurin Hahn. Das Test-Modell haben die drei Gründer durch eine Crowdfunding-Aktion finanziert. In diesem Jahr sind mehrere mittelständische Investoren bei dem Münchner Startup eingestiegen, darunter auch der Gründer des Energiedienstleisters Juwi sowie die Böllinger Gruppe. Die Höhe der Finanzierung wollen die Gründer nicht verraten.

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Noch bis Ende des Monats ist das Team auf Europatour. Bis zu 7.000 Menschen sollen bis dahin das Auto testweise gefahren sein – so die Hoffnung der Gründer.

Foto: Jana Kugoth für NGIN Mobility
Video: Marco Weimer / Jana Kugoth

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