So denken die Gründer von Auto1 über Börsengang und Kundenärger

Die Gründer des Unicorns Auto1 haben sich erstmals in einem Interview geäußert. Warum sie nicht an die Börse gehen wollen und wie sie Kundenbeschwerden wahrnehmen.

Unter Investoren ist das Berliner Startup Auto1 längst ein gern gesehener Gast. Mit einer Bewertung von derzeit rund 2,5 Milliarden Euro kaum verwunderlich. Zuletzt nahm das bald 3.000 Mitarbeiter große Unternehmen, das unter anderem den Online-Autohändler Wirkaufendeinauto.de betreibt, stolze 360 Millionen Euro von Target Global, Princeville Global und Baillie Gifford ein. Namen, die sich sehen lassen können.

Das Unternehmen, das europaweit mit 35.000 Partner-Händlern vernetzt sein soll, hat sich bislang gegenüber der Öffentlichkeit sehr bedeckt gehalten. Nun haben sich die beiden Gründer Hakan Koç und Christian Bertermann erstmalig in einem Interview mit dem Handelsblatt zu ihrem Unicorn eingehender geäußert.

Zum möglichen Börsengang:

Das vor fünf Jahren gegründete Startup wird bereits als Kandidat für den Börsengang gehandelt. Doch davon will Koç vorerst nichts wissen: „Ein Börsengang ist nicht geplant.“ Ein Börsengang sei für Auto1 lediglich eine Finanzierungsmaßnahme, erklärt Mitgründer Bertermann. Solange man sich weiterhin problemlos privat finanzieren könne, sei dies keine Option.

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Zur Profitabilität und nächsten Finanzierungsrunde:

Nach der letzten 360-Millionen-Runde hat das Unternehmen offenbar vorerst noch genügend Puffer. „In einigen unserer Kernmärkte, wie etwa hier in Deutschland, arbeiten wir bereits profitabel“, so Koç. Es komme auf das Expansionstempo im Ausland an, wann wieder Kapital benötigt werde. Das derzeit in 30 europäischen Ländern aktive Startup wolle mit Bedacht in neue Märkte eintreten. Mehr Details zu anstehenden Runden und Expansionen wollten die Gründer noch nicht verraten. Nur so viel: „Das Marktvolumen im Gebrauchtwagenhandel, das in Europa auf insgesamt 350 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt wird, bietet jedenfalls viel Potenzial“, sagt Bertermann. Der Marktanteil soll mittel- bis langfristig auf zehn Prozent gesteigert werden.

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Zu den Umsätzen:

330.000 Autos sollen seit Jahresbeginn schon umgeschlagen worden sein, verrät Koç. „2016 haben wir einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro erreicht. Das entsprach einem Wachstum von 100 Prozent gegenüber 2015.“ Dass für dieses Jahr vielleicht schon die Drei-Milliarden-Euro-Grenze bei den Erlösen erreicht werde, schließt Bertermann auf Nachfrage vom Handelsblatt nicht aus. Das Wachstum von Auto1 ziehe weiterhin an, ergänzt der Gründer.

Wie Auto1 mit der Kritik der Kunden umgeht:

Im Netz häufen sich die Kundenbeschwerden über die Auto1-Plattform Wirkaufendeinauto.de. Häufigster Kritikpunkt: Der online geschätzte Ankaufspreis stimme am Ende nicht mit dem überein, was Auto1 nach der Untersuchung tatsächlich zu zahlen bereit. Von „Ärger“ seitens der Kunden zu sprechen, sei aus Sicht von Gründer Koç übertrieben formuliert. Stattdessen versucht er die Wogen zu glätten. „Wenn unser Ankaufsangebot tatsächlich deutlich unter dem zunächst genannten Preis liegt, dann springt natürlich auch schon mal ein Kunde wieder ab. Unser täglicher Anspruch ist es aber, für unsere Kunden den aktuell bestmöglichen Marktpreis zu erreichen – indem wir genau den Handelspartner in unserem Netzwerk finden, der das Fahrzeug besonders stark nachfragt.“

Anstatt genauer auf die Kritik am eigenen Unternehmen einzugehen, verteilt er im im nächsten Atemzug einen Seitenhieb an die Wettbewerber Autoscout oder mobile.de. Während sich Auto1 um die ganzen behördlichen Angelegenheiten wie die Abmelden des Autos kümmere, garantierte die Konkurrenz weder einen „Preis noch den Vertragsabschluss.“

Bild: Auto1

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