Wie Startups den Auto-Leasingmarkt auf den Kopf stellen

Leasing ist ein Milliardengeschäft, das kurz vor der Digitalisierung steht. Startups erhöhen den Druck auf die großen Player, die ihrerseits mit Angeboten reagieren.

Die Zeiten, in denen man einem Autohersteller den kompletten Kaufpreis für einen Wagen überweist, sind bald vorbei. Schon jetzt beträgt die Leasing-Quote beim Neuwagenverkauf rund 70 Prozent. Was zum einen an den gestiegenen Preisen der Hersteller liegt, andererseits sind Leasingangebote für die Kunden oft praktischer, weil sie nach wenigen Jahren wieder in einem Neuwagen sitzen können. Da sich die Innovationszyklen bei den Herstellern beschleunigt haben und Käufer gerne mit Autos fahren, die mit der neusten Technoloigie ausgestattet sind, zieht die Leasingquote weiter an. Mittlerweile werden pro Jahr rund 30 Milliarden Euro auf dem Markt umgesetzt.

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Wie die Autoindustrie am Leasing verdient

Einen großen Teil des Geschäfts schöpft die Automobilbranche selber ab. So gehört die Hausbank von VW mit ihrer Bilanzquote von 56 Milliarden Euro zu den größten Banken in Deutschland – und das Leasinggeschäft bringt gute Umsätze. Immerhin befinden sich dort 2,2 Millionen Kundenfinanzierungsverträge in der Schublade. Die Daimler Bank oder die BMW Bank sind mit jeweils rund 22 Milliarden Euro ebenfalls keine kleinen Player auf dem Markt.

Aber auch Startups haben erkannt, dass sich auf dem bisher eher konservativ geführten Markt viel Geld verdienen lässt. Die Kölner Easy Car Pay GmbH gibt es es seit 2015. Gründer und Geschäftsführer Jan Hardorp war vorher bei McKinsey und kennt den Markt der Autovermittlung gut. Über seine Plattform kann man einen Wagen sofort bar kaufen oder sich einen Sofortkredit geben lassen. Das von privaten Investoren getragene Unternehmen verdient sein Geld über eine Provision, die beim Kauf erhoben wird.

Welche Startups schon im Leasinggeschäft aktiv sind

Auch im Bereich der Geschäftswagen tut sich einiges. Vehiculum hat sich auf Flottenmanager spezialisiert, die nach Leasingfahrzeugen suchen. Das ebenfalls 2015 gegründete Startup hat laut einiger Aussage Leasingverträge im Wert von 150 Millionen Euro vermittelt und setzt auch auf alle gängigen großen Hersteller. Einen vergleichbaren Auto-Leasing-Preisvergleich bietet auch Firmen-KFZ.de an, die vor Kurzem ihre Seed-Finanzierung abgeschlossen haben.

Beide Startups setzen auf die Digitalisierung klassischer Leasingverträge. Dafür wird es weiter einen Markt geben, doch die Hersteller selber haben schon damit begonnen, die Rahmenbedingungen für die Verträge zu verändern. Denn der Kunde will offenbar noch flexibler sein und sich nicht mehr Jahre an ein Fahrzeug binden.

Wie die Autobauer reagieren

Den meisten Hersteller ist klar, dass der reine Besitz eines Autos ein Auslaufmodell ist. Daimler CEO Dieter Zetsche meinte auf der IAA im letzten September, dass man sich auf flexiblere Verkaufsmodelle einstellen müsse, weil der Kunde für verschiedene Einsatzzwecke gerne das jeweils passende Auto hätte. Weil die Verfügbarkeit von Carsharing-Autos eingeschränkt sein kann, denken viele Hersteller über eine Premium-Version der bekannten Leasingmodelle nach. Der Kunde zahlt wie bei einem Abo einen gewisse Summe und hat damit immer garantiert ein Auto vor der Tür. Egal, ob er ein Cabrio oder einen Kombi benötigt.

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Porsche setzt seit wenigen Wochen auf ein neues Konzept. In den USA kann man einen „Porsche On-Demand“ Service bestellen. Für knapp 2000 Dollar pro Monat hat man Zugriff auf verschiedene Porsche-Modelle, die man je nach Bedarf bestellen kann. Etwas ähnliches bietet auch Cadillac in den USA an.

Diese Idee macht sich mittlerweile auch auf dem freien Neu- und Gebrauchtwagenmarkt breit. Das US-Startup Fair.com ist zwar noch gar nicht auf dem Markt, hat sich aber Branchenkreisen zufolge bereits eine dreistellige Millionensumme von BMW iVentures, Mercedes und der Penske Automotive Group gesichert. Fair bietet einerseits an, dass man die gesamte Abwicklung des Kaufs über die eigene App abwickeln kann, zum anderen kann der Kunde sein Auto jederzeit innerhalb von fünf Tagen wieder zurückgeben.

Die Beispiele zeigen, dass auf dem Leasingmarkt für Neu- und Gebrauchtwagen die Digitalisierung erst gerade los geht. Am Ende sollen, so die Idee, günstigere Preise bei noch kürzeren Laufzeiten heraus kommen. Eine Mischung aus Carsharing und Mietmodell soll die Umsätze der Industrie weiter beflügeln.

Bild: Getty Images / Jason Hawkes

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