Das Google Maps für autonome Fahrzeuge

Mithilfe von künstlicher Intelligenz analysiert das Münchner Startup Terraloupe hochaufgelöste Luftbilder. Algorithmen erkennen dann Straßenkurven und Ampeln.

Satellitenbilder von Google Maps können einen guten Überblick verschaffen, sehr detailliert sind sie jedoch nicht. Luftaufnahmen aus Flugzeugen können weitaus gründlicher sein: Auf bis zu zwei Zentimetern genau können Straßenwinkel und Häusern erkannt werden. Wer jedoch all die Ampeln, Bau- und Tankstellen verorten will, braucht viel Zeit, Geduld und Manpower – oder er lässt eine Maschine die Arbeit übernehmen. Genau das versucht das Münchner Startup Terraloupe. Mit künstlicher Intelligenz will das Unternehmen den Prozess deutlich beschleunigen.

Für die Einzeichnung des Straßenverlaufs und die Verortung von Straßenschildern sorgt ein Algorithmus. Die Objekte werden durch eine Deep-Learning-Technologie identifiziert und in die Karte eingetragen, erklärt Gründer Christian Schaub. Google setzt auf eine ähnliche Technologie zur Geo-Erfassung von Städten und Landschaften. Das Startup sieht sich zwar noch längst nicht auf Augenhöhe mit dem Tech-Konzern, doch die eigene Technologie reiche bereits aus, um ein eigenes Geschäftsmodell daraus zu machen, so Terraloupe-Gründer Christian Schaub. Die sehr viel genaueren und für bestimmte Anforderungen entworfenen Karten sind für die Industrie interessant.

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Die detaillierten Karteninformationen können beispielsweise für die Navigation von autonomen Fahrzeugen genutzt werden. Ein selbstständig fahrendes Auto muss nicht nur unmittelbare Hindernisse wahrnehmen, sondern auch über die Verkehrszeichen und -bedingungen Bescheid wissen. „Die Daten über die Verkehrsinfrastruktur sind für Automobil-Hersteller, Zulieferer und Kartendienste interessant“, sagt Schaub.

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Einige große Dax-Unternehmen sollen bereits zu den Kunden des Münchner Unternehmens gehören, verrät der Gründer. Namen möchte er nicht nennen, Umsatzzahlen auch nicht. Nur, dass sich unter den Kunden auch Unternehmen aus der Energie- und Versicherungsbranche befänden. Ein Versicherer sei beispielsweise daran interessiert, ob sich auf einem Haus eine Solaranlage befindet, um eine Gebäudebewertungen vornehmen zu können. Anhand dieser Informationen ließe sich der Versicherungsbeitrag besser ermessen, erklärt Schaub.

Terraloupe wurde 2015 von Manuela Rasthofer, Christian Schaub und Sebastian Gerke gegründet und beschäftigt heute 25 Mitarbeiter. Gründerin Rasthofer kommt aus dem militärischen Bereich, wo sie zuvor Simulationen aus Luftbildern erstellt habe, erzählt Schaub, der zuvor bei Siemens war. Mitgründer Gerke habe wiederum an  Deep-Learning-Algorithmen geforscht. Terraloupe sei nun Deutschlands erstes Unternehmen, das beide Bereiche verknüpfe und solche Algorithmen auf Luftbilder angewendet habe, sagt Schaub. Im Valley und Europa gibt es aber bereits Wettbewerber wie zum Beispiel das österreichische Tensorflight.

Kürzlich hat Terraloupe eine siebenstellige Finanzierung von der Beteiligungsgesellschaft Bayern Kapital erhalten, wie Wiwo-Gründer berichtete. Bei der Seed-Runde im August 2016 bekam das Startup vom selben Investor schon einmal eine hohe sechsstellige Summe. Mit dem Kapital will Terraloupe weitere Entwickler einzustellen und den Algorithmus verbessern, sagt Schaub. „Daneben ist auch der Markteinstieg in den USA anvisiert“, so der Gründer.

Hier eine Beispiel-Karte, die aus zwei Aufnahme-Winkeln erstellt wurde:

201704_Automotive_Viewer_TerraLoupe

Bild: Terraloupe

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