Für Elon Musk geht es um alles

Elon Musk hat am letzten Freitag den Tesla 3 vorgestellt. Das Auto könnte das Schicksal seines Unternehmens entscheiden.

Mindestens 350 Kilometer Reichweite, eine sehr umfangreiche Grundausstattung, ein sehr eigenwilliges und futuristisches Innendesign – und das alles für 35.000 Dollar (plus Steuern). Der neue Tesla 3, den Elon Musk vor dem Wochenende vorgestellt hat, soll das Unternehmen richtig nach vorne bringen. Statt der bisher 100.000 Autos will Musk bis zum Jahr 2020 rund 500.000 Stück verkaufen. Nach der Erweiterung seiner Fabrik sollen es dann später 750.000 Einheiten werden. Damit wäre Tesla weltweit ein ernstzunehmender Hersteller, auch wenn zum Beispiel BMW mit mehr als zwei Millionen verkauften Fahrzeugen noch deutlich größer ist.

Der Tesla 3 ist für den E-Autobauer aus dem Silicon Valley enorm wichtig. Mit ihm will Elon Musk endlich Geld verdienen. Bisher verbrennt sein Unternehmen das Kapital, Geld verdient hat er mit seinen Autos noch keins. Und laut einer Analyse der UBS verliert Tesla mit dem Basismodell rund 3.000 Dollar pro verkauften Auto. Erst Zusatzausstattungen bringen den Gewinn. Laut der Bank liegt der Breakeven für den Tesla 3 bei einem Verkaufspreis von 41.000 Dollar.

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Das jemand einen „nackten“ Tesla 3 kauft, ist nicht wahrscheinlich. Allein mit dem Paket für das autonome Fahren nimmt Tesla rund 8.000 Dollar ein. Der mittlere Verkaufspreis dürfte laut verschiedener Analysen bei rund 45.000 Dollar liegen. Das wäre dann eine Marge, die man bei anderen Herstellern in der oberen Mittelklasse findet. Die Rechnung kann also aufgehen. Sie muss es auch, denn die Börsenbewertung des Unternehmens beruht fast vollständig auf dem versprochenen Wachstum durch den Tesla 3 und weiteren Modellen. Erreicht Musk die Zahlen nicht, dürfte der Börsenkurs des Unternehmens schnell zusammenschmelzen.

Aber ohne Konkurrenz ist Tesla in dem Segment nicht. In Europa gibt es den Renault Zoe, der schon jetzt zu den Verkaufsschlagern im E-Auto-Segment gehört. VW hat den E-Golf, der immerhin 300 Kilometer (Laborwert) Reichweite hat. Für das nächste Jahr hat Nissan eine Neuauflage für seinen Leaf angekündigt. Dessen Reichweite soll bis zu 500 Kilometer betragen und sich preislich im Bereich des Tesla 3 bewegen. Elon Musk ist also nicht mehr alleine auf dem Markt und muss sich auch in Sachen Marketing gegen etablierte Wettbewerber durchsetzen.

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Um so wichtiger dürfte es sein, dass der Tesla 3 auf Anhieb funktioniert. Allerdings wurde die „Beta-Variante“ des Autos übersprungen, um den Wagen schneller auf den Markt zu bekommen, wie es bei Tesla heißt. Das hat die Entwicklungszeit auf schlanke drei Jahre verkürzt. Zum Vergleich: Andere Hersteller benötigen fünf bis sieben Jahre, bis ein nagelneues Auto auf den Markt kommt. Der Grund dafür sind ausgiebige Testfahrten, die unternommen werden, um dem Käufer ein perfekt funktionierendes Fahrzeug zu verkaufen.

Teslas Eile kann Folgen haben. Ein wenig getestetes Auto ist fehleranfälliger und es besteht die Gefahr, dass Rückrufe folgen. Es wäre nicht der erste Rückruf eines Fahrzeugs in der Unternehmensgeschichte, aber vermutlich der folgenschwerste. Denn zum ersten Mal versucht sich Tesla als Großserienhersteller, ohne allerdings die nötigen Erfahrungen damit zu haben.

Der Tesla 3 muss also gleich mehrere Dinge erfüllen. Er muss die versprochenen Stückzahlen liefern, die Kunden müssen kräftig bei der Ausstattung zuschlagen und er darf nicht fehleranfällig sein. Versagt der Tesla 3 auch nur in einer Disziplin, könnte er die Zukunft des Unternehmens gefährden.

Bild: Tesla

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