Studien zu Ubers Gunsten: Wie sich das Startup in Fachzeitschriften eingeschleust haben soll

Uber versucht sein angeknackstes Image aufzupolieren. Offenbar hilft das Unternehmen dabei auch mit bezahlten Studien nach – ohne diese kenntlich zu machen.

Uber kommt nicht zur Ruhe. Erst wurden Vorwürfe wegen sexueller Belästigung im Unternehmen laut, nach Monaten des Chaos musste der Gründer Travis Kalanick seinen Posten räumen. Am Freitag verlor das der Ridesharing-Dienst dann auch noch vorerst seine Fahrlizenz für London. Uber gibt sich mittlerweile offen gegenüber Kritik und versucht sein Image aufzupolieren. Doch dabei ist das US-Startup offenbar etwas zu weit gegangen. Das legt ein aktueller Bericht aus dem Handelsblatt nun nahe.

Demnach betreibe das US-Unternehmen seit Jahren Lobbyarbeit in der Wissenschaft, um bezahlte Studien in branchenrelevante Publikationen einzuschleusen. Mit dem Ziel, „das Unternehmen als sehr guten Arbeitgeber erscheinen“ zu lassen, heißt es in dem Medienbericht. Uber hatte sich immer wieder Kritik eingefangen, die Arbeitsmarktsituation zu verschärfen und Dumpinglöhne zu fördern. Die Forscher seien zu „wohlgefälligen“ Forschungsergebnisse gekommen, die ein positiveres Bild von Uber zeichnen.

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So kommen die Wissenschaftler beispielsweise zu dem Ergebnis, dass die Lohnkürzungen bei Uber und die damit einhergehenden Einnahmeverluste für die Fahrer sich durch eine höhere Auslastung wieder ausgleichen würden. Die Studie wurde durch Forschungsgelder von Uber finanziert. Während Taxifahrer in der Vergangenheit auf die Straße gegangen sind, um mitunter gegen Ubers Preispolitik zu demonstrieren, bekommt das Unternehmen von der Wissenschaft Rückendeckung. Unter den Forschern, die Studiengelder von Uber annehmen, befinden sich hochkarätige Wissenschaftler von der Princeton University und dem MIT.

Wie Uber PR in die Wissenschaft einschleust

Wirtschaftsprofessor Alan B. Krueger an der Princeton University macht daraus auch kein Geheimnis. Sein Statement: „Viele wichtige Studien wären ohne Ubers Beteiligung nicht möglich.“ Andere gehen weniger offen damit um – so auch in Deutschland. Der frühere Chef der Monopolkommission, Justus Haucap, soll 2015 mit Koautoren eine positiv gezeichnete Studie zu den Mobilitätsmärkten herausgegeben haben, die Uber in einem guten Licht erscheinen ließ. Dass es sich um eine Auftragsarbeit des US-Unternehmens gehandelt habe, sei darin „versehentlich“ nicht offengelegt worden, zitiert das Handelsblatt Haucap.

Update vom 25.09.2017: Uber Deutschland bestreitet gegenüber Gründerszene, dass der Nachweis zur Studie nicht erbracht worden sei. Demnach habe das Unternehmen im Februar 2015 eine offizielle Pressemitteilung veröffentlicht, in der die Zusammenarbeit zwischen Uber und dem Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE Consult) kenntlich gemacht worden sei. Justus Haucap war als Co-Autor an der Studie beteiligt. Ein Pressesprecher von Uber betont, dass man vollkommen transparent vorgegangen sei. Handelsblatt-Redakteur Norbert Häring verwies in seinem Artikel auf eine Publikation von Haucap zur gleichen Studie, in der die Zusammenarbeit mit Uber nicht gekennzeichnet worden sei. 

Insgesamt kritisiert der Handelsblatt-Redakteur Norbert Häring die enge Verquickung zwischen Uber-Mitarbeitern und Professoren: Bei den finanzierten Studien hätte das Startup den Top-Ökonomen oft einen Koautor aus dem Unternehmen zur Seite gestellt. Auch die guten Kontakte zu den Top-Ökonomen sieht Häring problematisch: „So könnten aus Texten an der Grenze zur Unternehmens-PR scheinbar objektive wissenschaftliche Erkenntnisse werden.“ Selbst wenn die Studien wissenschaftlich sauber seien – „was durchaus nicht immer unumstritten ist“ – könnte Uber entscheiden, wem es die exklusiven Daten gebe. 

Dass es durchaus auch kritische Studien zu dem Taxivermittler gibt, zeigt eine Untersuchung des New Yorker Forschungsinstituts Data & Society aus dem Jahr 2015. Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass Uber die Fahrer durch vermehrte Anfragen über die App kontrolliert werden und mehr unter Druck geraten.

Bild: Getty Images /EOFFROY VAN DER HASSELT; Dieser Artikel erschien zuerst am 25.09.2017 um 13:47 Uhr und wurde nachträglich angepasst.

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