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7 Fragen und Antworten, um das Uber-Milliarden-Chaos zu erklären

In Pittsburgh betreibt Uber sein Technical Center. Dabei im Fokus: die Entwicklung eines selbstfahrenden Fahrzeugs.

2,2 Milliarden Dollar Verlust hat das US-Vorzeige Startup Uber bislang in diesem Jahr vorzuweisen – und eine Bewertung von 68 Milliarden Dollar. Wie kann das sein?

1. Wie steht Uber finanziell da?

Gerade wurden die Ergebnisse des US-Unternehmens für das dritte Quartal bekannt. Demnach standen bei Uber 800 Millionen Dollar Verlust zu Buche, wie das Wall Street Journal unter Berufung auf eingeweihte Kreise sowie der Tech-Branchendienst The Information berichteten. Allein in diesem Jahr hat Uber damit 2,2 Milliarden Dollar verloren. Im Gesamtjahr dürften es rund drei Milliarden Dollar Verlust werden.

2. Wieso gibt die Firma so viel Geld aus?

Zum einen gingen Investitionen etwa in autonomes Fahren, den Essen-Lieferservice UberEats und die aggressive Expansion in neue Märkte ins Geld. Vor allem hatte Uber in China beim Kampf gegen den Konkurrenten Didi Chuxing Federn lassen müssen – und sich dann mit ihm zusammengeschlossen. Unter dem Strich hatte die China-Expansion allein eine Milliarde Dollar im Jahr gekostet. Uber hat es im Mobility-Segment mit vielen Wettbewerbern zu tun: Von den Angeboten vieler boomender Startups bis hin zu den finanzstarken Engagements der großen Autobauer, Googles oder auch Apples.

Grund für die roten Zahlen sei zum anderen aber auch der hohe Aufwand, um Personal anzuwerben: So liefert sich Uber mit Rivalen wie Lyft einen harten Kampf um Fahrer und steht mit Firmen wie Google und Apple im Wettbewerb um Ingenieure.

3. Okay, aber wie viel Umsatz macht Uber eigentlich?

Den Berichten zufolge steigerte Uber den Umsatz vom zweiten auf das dritte Quartal von 1,1 auf 1,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz im gesamten Jahr 2016 könnte sich auf 5,5 Milliarden Dollar belaufen. Zum Vergleich: Der Unterhaltungskonzern Disney setzte im gleichen Zeitraum sieben Milliarden Dollar um.

4. Wie viel ist Uber derzeit wert?

Investoren sollen Uber zuletzt mit 68 Milliarden Dollar bewertet haben. Das ist mehr als der Börsenwert von BMW oder General Motors und entspricht ungefähr der Bewertung von Volkswagen, Europas größtem Autobauer. Zu den wichtigsten Geldgebern Ubers zählen Goldman Sachs, Morgan Stanley oder der saudi-arabische Public Investment Fund.

5. Wirklich?

Das Geschäftsmodell von Uber wird von den Investoren als das nächste große Ding gehandelt. Sie gehen davon aus, dass die Firma von Travis Kalanick eine ähnliche Bedeutung wie Amazon, Facebook oder Google haben wird. Sollten Ubers fahrerlose Elektro-Taxis einmal Pkws, Taxis, Transporter, Busse und innerstädtische Bahnen ersetzen, könnte das Unternehmen riesige Gewinne einfahren. Auf der anderen Seite erwarten viele, dass zahlreiche verschiedene Angebote nebeneinander existieren können, weil Fahrdienste sehr komplex sind.

6. Warum sprechen alle von Uber, aber hier bekommt man gar nichts von dem Unternehmen mit?

Uber hat in Deutschland, aber auch vielen anderen europäischen Ländern – und sogar in Teilen der USA –, mit hohem Widerstand der Taxizentralen einerseits und der Regulierungsbehörden andererseits zu kämpfen. In Deutschland entspricht der Dienst zum Beispiel nicht den Bestimmungen für die Personenbeförderung. Deswegen ist Uber hierzulande nur mit einem sehr eingeschränkten Angebot und nur in Berlin und München aktiv. Nicht zuletzt geht es um die Angst, dass neben Google und Facebook ein weiteres, aus europäischer Sicht zu dominantes Unternehmen entstehen könnte – worauf die Investoren ja gerade ihre Milliardenbewerung bauen.

7. Gab es nicht gerade wieder Kritik, allerdings in Sachen Unfälle?

Zuletzt hatte Uber einräumen müssen, bei seinen autonom fahrenden Fahrzeugen Probleme mit der Erkennung von Radfahrern zu haben. Mit der Stadt San Francisco hatte sich das Unternehmen aus einem ähnlichen Grund angelegt: Uber will keine Genehmigung für den Betrieb autonom fahrender Autos beantragen. Da immer ein Fahrer anwesend sei, handle es sich um assistiertes Fahren, was ohne Lizenz erlaubt ist. Von Bedeutung ist all das vor allem, weil mit der Genehmigung auch die Pflicht einher geht, Unfallsituationen und Zahlen zur Abschaltung der Software offenzulegen. In Pittsburgh, wo andere Gesetze gelten, testet Uber bereits seit einiger Zeit autonom fahrende Taxis.

Bild: Jeff Swensen / Freier Fotograf

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