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Fahren, schleppen, nett sein – was Fahrer im UPS-Trainingscenter lernen

Das Trainingscenter UPS Integrad – hier lernen Fahrer ihre Arbeit

Seit fast einem Jahr bildet der Logistikkonzern UPS in Köln Paketboten aus. Es ist das einzige Trainingscenter in Europa. Wir haben uns vor Ort umgeschaut.

Kein Schild, kein Hinweis. Nichts deutet darauf hin, dass hier in einem Winkel Kölns eines der weltweit größten Logistikunternehmen seine Mitarbeiter ausbildet. Und doch: Versteckt hinter anderen Gebäuden, Parkplätzen und Umzäunungen liegt das UPS Integrad, Trainingszentrum des Paketdienstes United Parcel Service (UPS). Hier lernen Zusteller, wie sie Pakete ausliefern und sich Kunden gegenüber verhalten sollen.

Der Anfang des 20. Jahrhunderts gegründete Paketdienst aus den USA ist einer der weltweit größten. Er stellt täglich über 20 Millionen Sendungen zu, mit 100.000 Fahrzeugen und einer eigenen Airline. Doch wie viele andere in der Logistikbranche muss sich das Unternehmen derzeit auf einem Markt zurechtfinden, der sich schnell wandelt – auch auf den Druck der vielen Startups hin, die in diesem Bereich starten. Deshalb experimentiert der Konzern nun mit halbautonomen Fahren, Drohnen und 3D-Druck und investiert in junge Unternehmen.

Das einzige Center in Europa

Beim Mitarbeitertraining in Köln überlässt der Konzern auch nichts dem Zufall. Auf insgesamt 4.500 Quadratmetern kommen Fahrer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen, die in dem bisher einzigen Trainingszentrum in Europa ihre Arbeit für den Paketdienst beginnen. In Zukunft sollen auch Zusteller aus anderen europäischen Ländern wie Frankreich hier ausgebildet werden, erzählt Leiter Thomas Scholz, als er über das Gelände führt. Seine Aufgabe ist es, die Neulinge zu betreuen, die hier den Dienst des Paketboten lernen wollen. 

So wie fast jede Woche sind auch heute rund 24 neue UPS-Mitarbeiter auf der Anlage unterwegs, sie sitzen an Computerprogrammen, die Fahrten simulieren, und üben an verschiedenen Lernstationen beispielsweise, wie sie den Lieferwagen richtig füllen oder die Sackkarre benutzen. Das machen sie fünf Tage lang. In dieser Zeit wird ihnen genauestens vorgegeben, wie sie ein- und aussteigen, um den Lieferwagen herum gehen und worauf sie bei diesem vor jeder Fahrt achten müssen.

In der Halle der Anlage, die weiß-grau glänzt und extrem sauber wirkt, stehen vier blank geputzte UPS-Wagen für die Übungen. Die Fahrer sitzen in ihren braunen Uniformen und mit polierten Schuhen nach dem Mittagessen in einem abgedunkelten Raum vor ihren Computern. Softwareprogramme simulieren Fahrten, auf denen mögliche Gefahren auftauchen, die die Mitarbeiter sehen und anklicken müssen. Konzentriert sitzen sie davor, und tippen auf den Bildschirm: Während der Paketwagen durch eine Siedlung fährt, tauchen immer wieder spielende Kinder, parkende Autos, Kreuzungen und ausscherende Fahrzeuge auf, denen sie ausweichen müssen.

Gesunde Mitarbeiter bedeuten weniger Krankentage

Neben der Theorie gibt es auch praktische Übungen. An einer Lernstation üben die Mitarbeiter in Schuhen mit rutschigen Gumminoppen, wie man auf glattem Boden das Hinfallen vermeidet: langsam und vorsichtig gehen, kleine Schritte. Sie sind mit Gurten an einem Eisengestell befestigt, damit nichts passiert, während sie wackelig hin- und herlaufen.

An einem anderen Stopp lernen sie, wie sie ihre Gelenke schonen können, indem sie sich beim Ein- und Aussteigen am Griff neben der Tür festhalten. Das verringert die Last auf den Gelenken. Ein Mitarbeiter arbeite schließlich circa acht Stunden am Tag, erzählt Scholz. Dabei halte er etwa 105 Mal an, um Pakete abzugeben. Das belaste den Körper stark. Gesündere Mitarbeiter bedeuten für das Unternehmen auch weniger Krankheitstage.

Für weitere praktische Erfahrungen sorgen zudem Fahrten mit den Supervisor durch Köln-Westhoven und Übungen auf der Außenanlage, die mit Holzhütten, Laderampe, Straßenschildern und sogar Zebrastreifen für eine realitätsnahe Erfahrung sorgen soll.

Alles soll perfekt sein

„Eine starke Unternehmenskultur ist wie eine gute Erziehung in der Familie“, sagte Deutschland-Chef Frank Sportolari einmal gegenüber der Zeitung Die Welt. Sie mache das Arbeitsleben leichter. Was erst einmal nett klingt, ist auf den zweiten Blick sehr strikt gemeint: UPS gilt als strenger Arbeitgeber. Bart oder Piercings bei den Mitarbeitern? Nicht erlaubt. Baseballkappe verkehrt herum? Auch nicht. 

Auch während der Führung bekommt man schnell den Eindruck, dass alles perfekt und einheitlich sein soll. So betont auch Leiter Scholz immer wieder, wie wichtig Freundlichkeit und der äußere Eindruck seien. Das Verhalten der Mitarbeiter scheint genauestens vom Konzern vorgegeben zu sein. So üben die Mitarbeiter hier auch, wie sie Kunden an der Tür begrüssen sollen. Und an einer Trainingsstation hängt ein silberner Metallkasten mit Schuhputzmaterial. Denn nicht nur die Manieren, auch die Uniform soll tadellos sein.

Im ersten halben Jahr nach der Eröffnung wurden 287 Zusteller ausgebildet, 2017 sollen es insgesamt mehr als doppelt so viele werden. Im Mai kommt noch eine weitere Trainingsstätte in Großbritannien dazu. Durch die Kurse wolle man Überstunden reduzieren und die Effizienz verbessern, sagt der Leiter. Außerdem sollen sie für mehr Sicherheit sorgen: „Unfälle haben wir, aber wir wollen ihnen vorbeugen. Jeder Unfall ist einer zu viel.“

Bilder: Kim Richters / Gründerszene

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