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VDA-Geschäftsführer: „Das Vertrauen in die Branche ist erschüttert“

Kay Lindemann unterwegs mit einem E-Roller des Startups Unu

Der Geschäftsführer des VDA hat es nicht leicht. Die Autoindustrie steht in der Dauerkritik, dabei sollte es jetzt um die Zukunft gehen. Ein Gespräch über Vertrauen, E-Roller und neue Verbandsmitglieder.


Ein Sommertag in Berlin. Im Stadtteil Mitte, unweit des Regierungsviertels, treffen wir Kay Lindemann, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Mit dabei: ein Elektroroller. Wir wollen wissen: Wie macht sich der Chef der deutschen Autolobby auf einem elektrischen Zweirad? Hinter dem 45-Jährigen liegen turbulente Wochen. Ende Juli tauchte der Vorwurf auf, die deutschen Autobauer hätten sich bei Kosten, Technik und Zulieferern abgesprochen und damit den Wettbewerb außer Kraft gesetzt, vor wenigen Tagen fand der Dieselgipfel in Berlin statt.

Herr Lindemann, jetzt mal ehrlich: Sind Sie zuvor schon einmal auf einen E-Roller gestiegen?

Ja, allerdings nur ein einziges Mal. Ein Freund von mir besitzt einen E-Roller, den ich einmal testen durfte. Tatsächlich bin ich begeisterter Rollerfahrer und besitze eine Vespa mit Verbrennungsmotor.

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Er steigt auf. Zwar hängen seine Knie fast unter dem Lenker. Doch das scheint den VDA-Geschäftsführer nicht zu stören. Im Anschluss setzen wir das Interview in einem nahegelegenen Restaurant fort – bei alkoholfreiem Craft-Bier.

Und, Herr Lindemann – wie wars?

Super! Vor allem das geräuschlose Dahingleiten gefällt mir. Das ist in der Stadt ein großer Vorteil – vor allem für die in den umliegenden Häusern wohnenden und arbeitenden Menschen. Ich selbst empfinde übermäßigen Straßenlärm von lauten Fahrzeugen oft als störend.

Wann ist E-Mobilität Ihrer Meinung nach sinnvoll?

Aus ökologischer Sicht ab dem Zeitpunkt, zu dem die Energie in Deutschland vollständig aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird. Solange der Strom für die E-Autos aus Kohle oder Erdöl stammt, ist der Einsatz von E-Fahrzeugen nicht zwingend sinnvoll. Zumal sich die Umweltbilanz von Benzinern und Dieselfahrzeugen in den nächsten Jahren noch weiter verbessern wird.

Bislang dümpeln die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen hierzulande vor sich hin. Sogar die Kanzlerin ist zurückgerudert und hat ihr Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 aufgegeben. Ihnen gefällt nicht, dass die EU per E-Autoquote die Autohersteller dazu verpflichtet, ihren Absatz von elektrischen Antrieben zu erhöhen. Warum?

Wir wollen für Kunden die Wahlfreiheit erhalten: Elektrische Antriebe werden dann angenommen, wenn sie überzeugen. Dazu müssen die Reichweiten steigen, noch mehr Fahrzeugmodelle und vor allem Ladestationen angeboten werden. Planwirtschaftliche Instrumente können Begeisterung und Überzeugung der Kunden nicht ersetzen.

Bis vor wenigen Jahren genoss die deutsche Autobranche einen ausgezeichneten Ruf. Wie erleben Sie die Situation seit Bekanntwerden der Dieselabgasaffäre vor zwei Jahren?

Die Großwetterlage ist ungemütlicher geworden. Die Vorkommnisse haben zu Verunsicherung geführt, das Vertrauen in die Branche ist erschüttert. Dem müssen wir uns stellen. Aber die Diskussion über unsere Branche ist inzwischen auch stark überhitzt. Im Kielwasser dieser Manipulationen hat eine sehr kritische – aus meiner Sicht aber überzogene – Diskussion um die Branche insgesamt eingesetzt.

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