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Warum der ADAC jetzt deine Mama ersetzen will

Mama ersetzen? Wie bitte?

„Don’t call Mum – call the ADAC“. Mit dieser Kampagne wirbt der Deutsche Automobilclub um Menschen unter 30 Jahren. Top oder Flop? Wir haben den Service getestet.

Carsharing, E-Roller, Fahrrad. Wer will da noch ein eigenes Auto? Mobilität verändert sich, den sogenannten Generationen Y und Z ist das eigene Auto nicht mehr wichtig. Im Gegensatz dazu liegt das Smartphone weiter hoch im Kurs.

Auf diese Entwicklung will der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) reagieren – und hat eine neue Werbeoffensive gestartet. Die soll den 1903 gegründeten Club vom „Pannenhelfer zum digitalen Mobilitätshelfer” machen. Zielgruppe: 15 bis 30-Jährige.

Dazu setzt der ADAC auf Whatsapp. Über den Kurznachrichtendienst kann Jeder Fragen stellen – nicht nur zum Thema Mobilität. Sondern auch zum Wetter, Style oder Rezepten. Das Motto: „Don’t call Mum, call the ADAC.“ Anstelle der Eltern sollen junge Menschen also ihre Fragen ins Smartphone tippen – und schnell eine Antwort bekommen. „Wir wollen jungen Menschen das Gefühl zu geben, mit dem ADAC einen kompetenten, witzigen, vor allem aber überraschenden Ansprechpartner zu haben”, wirbt der ADAC-Kommunikationschef. Der Service wird laut ADAC zunächst sechs Wochen lang angeboten.

Kann das gelingen? Ich mache den Test.

Zuerst stelle ich den Humor des ADAC auf die Probe – und bekomme eine Minute später eine Antwort.

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Okay. Eine Reaktion, die dem Chatpartner auf der anderen Seite etwas Zeit verschafft, denke ich. Wenige Minuten später kommt noch eine zweite Nachricht hinterher:

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Elegant gelöst, finde ich. Nicht brüllend komisch, aber doch kreativ. Auf zur zweiten Testfrage, dieses Mal geht es um ein tatsächliches Hilfegesuch. Ich schreibe: „Vielleicht könnt ihr mir noch ganz praktisch helfen: Was schenke ich einer Freundin zum 30., die ,nichts´ will?“

Bevor ich darauf eine Antwort bekomme, ploppt diese Nachricht auf:

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Offenbar gilt die Vorgabe, bei Reisethemen auf den ADAC-Service hinzuweisen. Den Hinweis ignoriere ich. Die Frage nach den Hobbys meiner Freundin allerdings – die hätte tatsächlich meine Mutter stellen können. Na gut. Ob die Antwort auch die gleiche wie bei Mama ist?

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Ein Buch. Zum 30. Geburtstag. Die Antwort ist tatsächlich die gleiche wie die meiner Mutter. Und der Titel des Buches? Platz 3 auf der Spiegel-Online-Bestseller-Liste. Nicht sehr originell. Da habe ich bei der Suche nach einem Geschenk bereits selbst nachgeschaut.

Mein Chatpartner fragt weiter, ob meine Freundin gerne koche, dann sei doch auch ein besonderes Kochbuch eine gute Idee. Naja.

Trotzdem: Vielleicht kennt der ADAC ja etwas Ausgefallenes. Ich frage nach:

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Eine andere Idee? Her damit!

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München? Da liegt der ADAC völlig falsch. Irgendwie auch beruhigend, dass er nicht weiß, von wo aus ich schreibe.

Doch die Alternative zum Buch-Geschenk klingt interessant. Ich frage nach einem ähnlichen Angebot in Köln.

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Mit dem Tipp bin ich zufrieden. Nicht super originell, aber ein guter Hinweis. Allerdings: Das Frage-Antwort-Spiel hat mich 30 Minuten gekostet. Eine Google-Recherche wäre wohl schneller gewesen. Und hätte mir neben dem Hinweis auf Buch und Krimi-Dinner noch andere Geschenkideen geliefert.

Mein Fazit: Wer Langweile hat, ist bei dem ADAC-Whatsapp-Service gut aufgehoben. Da hinter dem Dienst laut ADAC tatsächlich 20 „echte Menschen” sitzen, dürften die Antworten bunt ausfallen. Wirklichen originell waren sie in meinem Fall aber nicht, und zeitsparend auch nicht. Gleichzeitig hat der ADAC viel über mich gelernt, kennt jetzt meine Handynummer – und hat eines seiner Produkte platziert. Das hinterlässt ein mulmiges Gefühl.

Hinter der Aktion steht übrigens Rckt, eine aus Rocket Internet hervorgegangene Werbeagentur. Geworben wird für den Whatsapp-Kanal über Facebook- und Instagram-Werbung, auf Festivals und mit Youtube-Videos. Das Ziel: Die Kampagne soll viral gehen. Ob das gelingt, wird sich zeigen.

Bilder: Getty Images / SuperStock; Gründerszene

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