Wasserdrohnen: Die neuen Trendspielzeuge

Warum müssen Drohnen immer fliegen? Tauchen ist genau so gut. Doch welche Wasserdrohnen-Modelle gibt es auf dem Markt? Und was kann man damit anstellen?

Flugdrohnen sind mittlerweile ein Massenprodukt, Copter-Rennen ein wachsender Sport. Während gefühlt das 500ste Modell der – alle doch sehr ähnlichen – Flieger auf den Markt kommt, gibt es mittlerweile auch Geräte für ein anderes Element: Wasser. Startups und Tüftler haben bereits einige H2O-Drohnen entwickelt. Doch welche Modelle gibt es auf dem Markt? Und was haben sie drauf?

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Das Foto-U-Boot

HD-Videos und 16-Megapixel-Kamera. Damit wartet die Unterwasserdrohne Gladius auf. Das Indiegogo-Projekt erhielt knapp eine halbe Million Dollar von rund 600 Fans. Das 16-fache des angestrebten Werts. Mittlerweile soll die Entwicklung abgeschlossen sein und die gelbe Drohne mit zwei Propellern als Antrieb ausgeliefert werden.

Bis zu 100 Meter tief soll das kleine U-Boot tauchen können. Dreieinhalb Stunden schafft der Akku bei einer Geschwindigkeit von maximal sieben Kilometer pro Stunde. Steuern lässt sich der Gladius über eine App. Damit das Signal das Gefährt auch unter Wasser erreicht, schleppt es eine Wlan-Boje hinter sich her, die an der Wasseroberfläche Handysignale empfängt und diese über ein Kabel an die gelbe Tauch-Drohne weiterleitet. Bei Indiegogo kostete der Gladius 600 Dollar, später soll er im Handel für 1.400 Dollar zu haben sein. 

Das Schnellboot

Anzeige
Wenn die Parrot Hydrofoil ihre Endgeschwindigkeit erreicht hat, soll sie eigentlich kein Wasser mehr direkt unter dem Kiel haben. Das Drohnen-Modell orientiert sich an Tragflügelbooten mit Stützflächen unter dem Bug, die das Boot bei erhöhter Geschwindigkeit aus dem Wasser drücken. So reduziert sich der Wasserwiderstand und die Geschwindigkeit steigt.

Auf dieses Prinzip setzt auch die Parrot Hydrofoil. Angetrieben wird das Boot durch eine aufstellbare Flugdrohne, die auf dem Boot festgeschnallt ist. Seitenstabilisatoren und weitere Tragflächen drücken die Drohne bei rund zehn Kilometer pro Stunde aus dem Wasser. Gesteuert wird das Drohnen-Boot via App und Bluetooth. Offiziell kostet die Drohne knapp 150 Euro.

Die schwimmende Birne

Ziphius, lateinisch für Schnabelwahl, heißt ein Drohnen-Modell aus Portugal. Tatsächlich sieht das Gerät jedoch eher aus wie eine schwimmende Birne, soll aber eine schwenkbare Kamera und zwei Außenbord-Motoren besitzen, die auf bis zu zehn Kilometer pro Stunde beschleunigen. Via Wlan kann das mit einem Raspberry-Pi-Rechner ausgerüstete Wassergefährt gesteuert werden. Tauchgänge sind jedoch nicht eingeplant.

Gestartet war das Projekt mit einer Kickstarter-Kampagne, 125.000 Dollar kamen von Fans zusammen. Seitdem ist es ruhiger geworden um das Team. Aufgrund von finanziellen Problemen versuchte das Startup sogar, Anteile an der Euronext-Börse zu Geld zu machen: ohne großen Erfolg. Heute rangiert die Aktie bei einem Ramschkurs von fünf Cent. Ob die angekündigten Birnen-Drohnen jemals auf dem Markt erscheinen, ist mehr als unsicher. Bei Kickstarter war die Drohne ursprünglich für knapp 200 Dollar zu haben.

Der Open-Source-Taucher

Scheinbar besser finanziell aufgestellt ist das Kickstarter-Projekt Fathom One. Knapp 200.000 Dollar nahmen die Tüftler ein und versprachen, noch in diesem Jahr zu liefern. Bisher wollen sie den Termin auch einhalten.



Fathom One ist eine weiße U-Boot-Drohne im Flugzeug-Stil, die via Wlan gesteuert wird. Um auch in größere Tiefen vorstoßen zu können, sitzt der Wifi-Empfänger in einer Boje, die die Fathom One an einer Leine hinter sich herzieht und die an der Wasseroberfläche schwimmt. So kann das U-Boot rund 45 Meter tief tauchen. Von anderen U-Boot-Drohnen unterscheidet sich die Fathom One durch seinen modularen Open-Source-Aufbau. Teile wie die Antriebspropeller, Sensoren, Beleuchtung oder Kameras können ausgetauscht werden. Der Mini-U-Jet ist für knapp 800 Dollar zu haben.

Der Angler-Fisch

Manche nennen es Sport, doch für die Meisten ist Angeln keine sonderlich fordernde Disziplin. Wer sich beim Karpfen-Ärgern noch immer zu viel zu verausgaben meint, kann seine Köder mit dem Powerray nun quasi ins Fischmaul stopfen lassen: Die U-Boot-Drohne erinnert bei ihrem Äußeren an die Tiefsee-Anglerfische. Neben hochauflösenden 4K-UHD-Kameras verfügt die Drohne über einen kleinen Greifarm, an dem sich Schnur und Köder der Angel befestigen lassen. So kann der Powerray den Wurm direkt vor dem Fischmaul abliefern.

Anzeige
Damit er die erhoffte Beute auch findet, besitzt der Powerray ein Echolot und kann Daten über die Bodenbeschaffenheit und die Wassertemperatur senden. Kleine Lampen am Vorderteil der Drohne sorgen dafür, dass die Fische den Köder auch finden. Den finalen Fisch-Biss kann der Angler dann via Virtual-Reality-Headset oder Tablet miterleben. Allzu tief darf der Tiefseerochen aber nicht hinab: Nach 30 Metern ist Schluss. Gesteuert wird – wie schon beim Fathom One – via Wlan und eine Überwasser-Boje. Kostenpunkt für den High-Tech-Angler: ab 1.600 Euro aufwärts.

Das Yellow Submarine

Auf Selfie-Videos von Hobby-Tauchern hat es hingegen die U-Boot-Drohne iBubble abgesehen. Das gelbe Fahrzeug verfügt über eine frontale Plexiglas-Halbkugel und acht Kameras, die jede Bewegung von selbstverliebten Unterwasser-Pionieren einfangen sollen. Damit sich der Taucher nicht um die Drohne kümmern muss, folgt sie ihrem Besitzer wie ein Hund – dank einer Unterwasser-Lokalisierungs-Technologie, wie das Unternehmen wirbt.

Ursprünglich stammt das Projekt aus Frankreich. Bei Indiegogo sammelte iBubble 220.000 Dollar ein. Im Sommer 2018 sollen die ersten Drohnen ausgeliefert werden. Später sollen sie für einen stolzen Preis von 2.600 Dollar über den Ladentisch gehen.

Die Rettungsboje

Zwar gehen die Drohnen, die das Rote Kreuz derzeit auf Usedom einsetzt, nicht wirklich schwimmen. Doch auch ihr Einsatzgebiet ist die See, wo sie in Not geratene Schwimmer oder Surfer retten sollen. Der fliegenden Robo-Helfer der Rettungskräfte trägt dabei kleine, aufblasbare Rettungsbojen des Berliner Startups Restube mit sich. Finden die Drohnen einen Menschen, der zu ertrinken droht, lassen sie ihre Päckchen fallen. Diese blasen sich selbst auf und halten Schwimmer danach über Wasser, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Bild: Fathom One, Ziphius, iBubble, Powervision; Montage: Gründerszene

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain