Wie deutsche Unternehmen gegen Drohnen-Spione kämpfen

Technik ist noch ausbaufähig

Aber nicht alles, was Sicherheitsdienstleister in ihren Broschüren versprechen, können sie tatsächlich auch halten. So jedenfalls kommt es der Telekom vor. Als sie ihr Drohnen-Schutzprogramm entwickelte, bestellte sie mehr als 25 nationale und internationale Hersteller zum Probefliegen auf einen Flugplatz südlich von Ulm. Dort überraschte sie die Teilnehmer mit Szenarien, bei denen Drohnen aus verschiedenen Richtungen unter anderem versteckt hinter Fußgängern oder Fahrzeugen auf ihre Ziele zusteuerten.

Das Ergebnis ernüchterte die Spezialisten der Telekom. Viele Dienstleister hatten schon Probleme, eine Drohne zu erkennen. Sie hielten sie für Vögel oder Regentropfen, am Ende lag keine beweissichere Dokumentation vor. Erst ein zweiter Test brachte bessere Ergebnisse.

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Inzwischen bietet die Telekom ihren Kunden einen Baukasten an, aus dem Unternehmen sich je nach Budget und Schutzbedürfnis einen Schutz gegen Drohnen zusammenstellen können. Zu den Partnern gehört Dedrone, die Radargeräte, Frequenzscanner und Hochleistungsmikrofone steuern mehrere Firmen aus dem In- und Ausland bei. Durch die unterschiedlichen Technologien kann das System auch Drohnen erkennen, die ohne Verbindung zu einer Fernbedienung bestimmte Wegpunkte abfliegen. Natürlich nennt auch die Telekom ihre Kunden nicht, mit einer Ausnahme: die Telekom. Sie schützt ihre eigenen Rechenzentren.

Fluggeräte einfach abschießen, ist nicht möglich

Tatsächlich hat jeder Hersteller seine Stärken und Schwächen. Die Lösungen von Dedrone und Rohde & Schwarz erfassen durch ständig aktualisierte Datenbanken, welches Drohnenmodell im Anflug ist. Denn jede Drohne hat eine Art DNA, die unter anderem auf Grundlage der Radiofrequenz erkannt wird. Die Sensoren von Rohde & Schwarz können sogar den Standort des Piloten ausfindig machen, allerdings ist das teuer. Die Reichweiten unterscheiden sich teilweise deutlich: Der Radiofrequenzsensoren von Dedrone reichen derzeit einen Kilometer weit, mit der nächsten Generation soll diese Entfernung mehr als verdoppelt werden. Die hochauflösenden Kameras haben eine Reichweite von bis zu 250 Metern, Mikrofone eine von etwa 70 Metern.

Die meisten Systeme belassen es dabei, einen Drohnenanflug zu erkennen – und verzichten auf eine physische Abwehr. Zum einen ist das Abfangen einer Drohne schwierig, wenn man verhindern will, dass sie einfach vom Himmel fällt und Menschen verletzt. Es gibt zwar zahlreiche Versuche – mit Fangnetzen, die vom Boden abgeschossen werden, oder mit Greifvögeln, die in die Propeller der Drohnen greifen. Doch so richtig gut funktioniert das bisher alles nicht.

Besser klappt es, das Funksignals zwischen dem Piloten und seiner Drohne zu stören, Experten nennen das „Jamming“. Eine Sicherheitsfunktion, die viele Drohnen haben, führt dazu, dass sie entweder direkt landen oder zum Piloten zurückfliegen. In Deutschland ist das Jamming allerdings nur „behördlichen Bedarfsträgern“ wie der Polizei erlaubt. Die Bundesnetzagentur reagiert sehr sensibel auf solche Versuche, den Funk zu stören. Technisch würde es inzwischen funktionieren.

Ein elektromagnetischer Puls soll helfen

Die Firma Rohde & Schwarz etwa hat auf einem Flugplatz vorgeführt, wie man gezielt eine bestimmte Drohne stört. Das Jamming des Herstellers fokussiert sich ausschließlich auf deren Frequenz, sodass etwa Polizeidrohnen in der Nähe nicht gestört sind. Andere Hersteller wie HP Wüst stören breitbandig – und damit auch andere Geräte, die auf Funk angewiesen sind.

Jamming ist wohl eine der Möglichkeiten, mit denen sich künftig Großveranstaltungen vor Terrorangriffen aus der Luft schützen lassen. Denn Drohnen können problemlos mehrere Kilo Sprengstoff transportieren. Manche Hersteller arbeiten deshalb mit Rüstungsunternehmen zusammen.

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Das Drohnenabwehrsystem Guardion etwa ist entstanden, als der damalige US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr Hannover und den G-7-Gipfel auf Schloss Elmau besuchte. Zu diesem System gehören „elektromagnetische Abwehrmaßnahmen“, die in der Branche als „ganz große Keule“ gelten: Ein elektromagnetischer Puls legt die komplette Elektronik des Zielobjekts lahm. Er stoppt selbst Autos.

Großes Interesse der Autoindustrie

Apropos Autos. Auch die Autohersteller haben Hoffnung, dass eines ihrer großen Probleme zu lösen ist. Sie betreiben immensen Aufwand, um das Aussehen neuer Prototypen möglichst lange geheim zu halten – oft vergeblich. Denn auch Paparazzi unternehmen große Anstrengungen, Fotos von Erlkönigen zu machen, die sich teuer verkaufen lassen, zum Beispiel an andere Autohersteller.

Doch nun gibt es einen Schutzschirm, der erkennt, wenn in der Nähe eine Drohnen-Fernsteuerung eingeschaltet wird. Die Funktion kann dem Fahrer Zeit geben, den Prototyp zu stoppen und einen Sichtschutz darüberzuwerfen. Sie könnten ebenso gut dem Werkschutz eines Unternehmens die Zeit geben, die Jalousien in der Vorstandsetage rechtzeitig herunterlassen, oder der Gefängnisleitung zu signalisieren, dass sie die Zelltüren verschließen sollte, weil eine Drohne im Anflug ist.

Die Telekom scheint sich gut gewappnet zu haben, die Welt am Sonntag hat deren Schutzschirm in München getestet. Dort sichert der Konzern sein Rechenzentrum mit Dutzenden Sensoren, die auf dem Dach und an dem Gebäude angebracht sind: Radiofrequenzmesser, die Funk- und WLAN-Verbindungen zwischen Piloten und Drohne erfassen; Multisensoren mit Mikrofonen und hochauflösenden Videokameras. So erfasste die Sicherheitszentrale die Anwesenheit einer Drohne schon, bevor wir unsere Fernbedienung überhaupt mit ihr verbunden hatten. Ein Hochleistungsmikrofon hat die Telekom allerdings nicht installiert. In ihrer Nähe sind einige Rotlicht-Etablissements. Sie wollte den Nachbarschaftsfrieden nicht gefährden.

Dieser Text erschien zuerst in der Welt.

Bild: Gettyimages/Colin Anderson

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