Zurück nach Deutschland – Wie das Carpooling-Startup Wunder den Neustart plant

Weil die Ridesharing-App hierzulande verboten wurde, machte Wunder in Asien weiter. Mit einem neuen Geschäftsmodell kommt das Startup jetzt zurück nach Europa.

In Deutschland läuft Wunder mittlerweile unter dem Radar. Dabei gab es zu Beginn viel Wirbel um das Hamburger Mobility-Startup. Doch dann wurde es still um das Carpooling-Unternehmen. Die Behörden verboten das Konzept, auf dem Weg zur Arbeit oder in die Stadt einen Mitfahrer mitzunehmen. Die Begründung: Wunder verstoße gegen das Personenbeförderungsgesetz. Das war im Jahr 2014.

Seitdem ist viel passiert. Die Idee der App, die Mitfahrgelegenheiten für Privatpersonen vermittelt, setzte Wunder zunächst in Osteuropa um und expandierte später in die Emerging Markets. Mit Erfolg. Blumberg, Cherry und Sixt haben Millionen in das Startup investiert, das nach eigenen Angaben in diesem Jahr in Indien und auf den Philippinen mehr als zwei Millionen Fahrten durchgeführt haben soll.

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Jetzt kommt Wunder mit einem neuen Geschäftsmodell zurück nach Europa. Das Startup entwickelt eine Software für Shuttle-Services, also eine Art Taxi auf Abruf, bei dem sich mehrere Personen ein Fahrzeug teilen. Ein Algorithmus berechnet dabei den günstigsten Weg und stellt sicher, dass sich der Weg für den einzelnen Fahrgast nicht unnötig verlängert. „Grundlage sind dabei die in den Schwellenländern gesammelten Erfahrungen und Daten“, erklärt Wunder-CEO Gunnar Froh im Gespräch mit NGIN Mobility.

Erste Tests mit Mitarbeitern in Hamburg

Seit diesem Sommer laufe ein Test mit eigenen Mitarbeitern in Hamburg, um die Technologie in der Praxis zu erproben, sagt der Wunder-CEO weiter. Selbst betreiben wolle man solch einen Shuttle-Service aber nicht. Die Software soll stattdessen an Städte Gemeinden, Verkehrsunternehmen und Automobilhersteller verkauft werden. Erste Kunden habe das Unternehmen schon, so Froh. Im nächsten Jahr starte in den Städten Turin (Italien) und Barcelona (Spanien) ein Ridesharing-Service, bei dem sich Reisende mit einem ähnlichen Weg ein Fahrzeug teilen. In Deutschland sei Wunder mit möglichen Partnern im Gespräch, bislang allerdings ohne Ergebnis.

Die Konkurrenz ist riesig

Der Markt mit Shuttle-Services nimmt gerade an Fahrt auf, zuletzt hat MyTaxi in Hamburg eine neue Funktion in die App integriert. Die Deutsche Bahn testet seit Kurzem ein ähnliches Angebot für die eigenen Mitarbeiter in Frankfurt am Main und Volkswagen will mit seiner Mobilitätsmarke Moia in Hamburg ab 2018 eigene Shuttles auf die Straße schicken – das Fahrzeug dafür wurde am Montag vorgestellt. Und auch Clevershuttle aus Berlin bündelt Fahrgäste, die einen ähnlichen Weg haben, in einem Fahrzeug.

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Andere Unternehmen wiederum entwickeln die für den Shuttle-Service nötige Technologie nicht selbst, sondern greifen auf „digitale Zulieferer“ zurück. Die Duisburger Verkehrsbetriebe nutzen beispielsweise die Software des Berliner Startups Door2Door, um damit einen Shuttle als Teil des Öffentlichen Nahverkehrs anzubieten. In einigen US-Bundesstaaten setzten eine Handvoll Städte für einen On-Demand-Shuttle-Service bei öffentlichen Bussen auf die Technologie des Startups Via, an dem auch Daimler beteiligt ist. Genau in dieses Segment will auch Wunder stoßen – und sich als digitaler Zulieferer für Shuttle-Software etablieren.

Wird Mobilität irgendwann kostenlos?

Gegen die Konkurrenz sieht sich Wunder gut gewappnet. Immerhin führe man an einem Vormittag in Asien so viele Fahrten durch, wie Door2Door im gesamten letzten Jahr, sagt Gründer Froh selbstbewusst, Wunder habe daher „mehr Erfahrung“.

Geld verdienen will das Hamburger Mobility-Startup mit dem Modell auf dreierlei Art und Weise: Zum einen fällt eine Gebühr für die Installation der Technologie an, zum anderen eine monatliche Service-Fee. Zusätzlich will das Unternehmen eine Kommission für jede über die App gebuchte Fahrt kassieren.

Für die Zukunft hat Wunder große Pläne. Wenn es nach Gründer Froh geht, könnten Fahrpreise für einen Shuttle-Service irgendwann ganz wegfallen. Möglich werde das, indem Werbepartner mit ins Boot geholt würden. Das Konzept erprobt das Startup bereits heute mit seinem Carpooling-Service in den Emerging Markets. „Wenn ein Autobesitzer seinen Mitfahrer beispielsweise bei Starbucks aussteigen lässt, anstatt an seinem direkten Ziel, übernimmt Starbucks einen Teil der Fahrtkosten – und überweist uns 20 Cent.“ Das Modell sei auch bei Shuttles denkbar, sagt Froh. „Das wäre einer von mehreren Wegen, die Fahrt indirekt zu monetarisieren.“ Am Ende entstehte ein „Mobility-based ad network“, in dem geteilte Alltagsmobilität kostenlos genutzt werden könne. Ob sich dieses Konzept auch auf Europa übertragen lässt, wird sich zeigen. 

Bild: Wunder

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