Über die Zukunft der Schrauber

Wie steht es in Zeiten von E-Autos um die Zukunft der klassischen Autowerkstatt? Haben die KFZ-Mechaniker künftig überhaupt noch zu tun? Wir haben ein Berliner Original besucht.

Zur Begrüßung reicht Peter Pulkow den Unterarm – seine Hände sind mit Öl beschmiert. Kurz vor dem Treffen hat er noch an einem Auto geschraubt. Mit seinen 54 Jahren ist er ein typischer KFZ-Mechaniker der alten Schule. Junge Leute kommen kaum nach. „Die wollen den Beruf nicht mehr machen”, sagt er. Wahrscheinlich, weil sie die harte Arbeit abschreckt. Und sie damit nicht reich werden. „Die denken, dass sie berühmt werden, wenn sie Schminktipps im Internet geben. ” Pulkow lacht. Er hasst neue Technik nicht, er ist nur Realist. „Vielleicht schule ich noch mal um. “ Für ein paar Sekunden bleibt er still. Dann muss Peter Pulkow erneut laut lachen. Ein Scherz – er nimmt seine Kunden und Kollegen gerne auf den Arm.

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Hilfe im Internet

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Seit 25 Jahren ist Pulkow sein eigener Chef. Hätte er sich den Entwicklungen im Automobilbereich verschlossen, würde es seine Werkstatt in Berlin-Mitte inzwischen wohl nicht mehr geben. „Auch die Kundschaft hat sich verändert”, sagt er. Früher war Mitte ein Arbeiterviertel. Er ist dort groß geworden. Heute sind die Kunden wohlhabender, fahren moderne Autos, mit komplexer Technik und Schaltplänen, nach denen der KFZ-Mechaniker das Internet durchforsten muss. Das bedeute aber nicht, dass die Leute auch mehr Geld ausgeben würden. „In der Regel ist es sogar andersrum”, sagt Pulkow. „Sie zahlen einmal viel Geld, wollen dann aber keins mehr für eine Reparatur oder Wartung ausgeben.“

Werkstatt muss Wohnungen weichen

Vor 25 Jahren hätten sie noch darauf geachtet, dass ihr Fahrzeug 15 Jahre durchhalte, so Pulkow. Jetzt behielten sie ihren Wagen vielleicht fünf oder sechs Jahre. Das liege aber nicht nur an den Kunden, sondern auch an der Technik, etwa modernen Motoren, die deutlich teurer in der Herstellung seien, aber nur ein Drittel so lange hielten. „Es sind Teile auf dem Markt, die sind scheiße“, kommentiert Pulkow diese Entwicklung. Er müsse sich anpassen, bei den Kunden und der Technik, und tue das gerne, sagt er. Aber wenn das Internet im Büro mal wieder ausfalle, schimpfe er trotzdem. Drei Mitarbeiter arbeiten in seiner Werkstatt, eine Mitarbeiterin im Büro. Mitte ist das Vorzeigeviertel der Hauptstadt – oder ein „Schickimicki-Bezirk”, wie Pulkow ihn nennt.

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Früher gab es in seiner Straße viele Werkstätten, wenige sind übrig geblieben. Und auch Peter Pulkow muss bald ausziehen, um nach mehr als zwei Jahrzehnten für teure Eigentumswohnungen Platz zu machen. Der Schrauber bleibt gelassen, so ist das eben. Solange er seinen Traumberuf ausüben könne und über die Runden komme, sei er zufrieden.

Ein Herz für Autos und Motorräder

Peter Pulkow kommt nicht aus einer Schrauber-Familie. Der Vater ist Ingenieur, die Mutter Ärztin. Er selbst wollte erst Werkzeugmacher werden, habe sich aber immer schon für Autos interessiert. Und Motorräder. Etwa 20 habe er gesammelt und umgebaut. Besonders liebt er die italienischen, die seien am schönsten. Eine Harley Davidson steht gerade in seiner Werkstatt. Daran tüftelt er ab und zu nach Feierabend herum. Oft sind es mehr als acht Stunden täglich, dann steht er auch mal zwölf oder dreizehn Stunden am Tag und schraubt an den Autos der Kunden. „90 Prozent sind Stammkunden”, betont Pulkow.

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