Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

BVG stellt neue Universal-App für Scooter, Carsharing und Bahnen vor

Alle Verkehrsmittel in einer App? In Berlin soll das nun möglich sein. Das Startup Trafi und die BVG bringen unterschiedliche Mobilitätsangebote zusammen.

Jelbi heißt die neue App für integrierte Mobilität in Berlin. 25 verschiedene Mobilitätsunternehmen und die Berliner Verkehrsbetriebe BVG mit mehr als einer Milliarde Nutzern jährlich bieten ihre Dienste in der App gemeinsam an. Die Software stammt vom Mobilitäts-Startup Trafi aus Vilnius in Litauen

Partner der App sind die S-Bahn, der Verkehrsverbund VBB, die Bikesharing-Dienste Call a Bike, Donkey Republic, Jump (Uber), Lime, Mobike und Deezer Nextbike, die Carsharing-Unternehmen Cambio, DB Flinkster, Greenwheels, Miles, mobileeee, Stadtmobil und Ubeeqo, der E-Roller-Sharer Emmy, die Ridepoolingdienste Clevershuttle und ViaVan (Berlkönig) sowie Taxi Berlin. Auch die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag ist mit von der Partie: An Knotenpunkten des Nahverkehrs entstehen Mobilitätshubs, wo Sharing-Fahrzeuge geparkt und geladen werden können. Die Gewobag stellt Flächen für die Hubs zur Verfügung: an der Gitschiner Straße, dem Jakob-Kaiser-Platz und der Landsberger Allee.

Gründerszene und NGIN Mobility sprachen mit Christof Schminke, dem Managing Director für Deutschland von Trafi, über die Kooperation mit einem der größten Verkehrsunternehmen in Europa und über die Zukunft der urbanen Mobilität. Die App wird in wenigen Monaten zur Verfügung stehen.

Was bietet die neue Verkehrs-App Jelbi, die Sie heute in Berlin gemeinsam mit der BVG und zahlreichen Mobilitätspartnern vorstellen?

Jelbi [von berlinisch: gelb, die Farbe der BVG] ist eine multimodale App. Nutzer können alle Verkehrsmittel, die es in Berlin gibt, in einer Anwendung nutzen: Fahrräder, Scooter, Busse und Bahnen, Carsharing und Taxi. Bislang musste man sich bei jeder einzelnen App anmelden, den Führerschein checken und die Kreditkarte eingeben.

Was bedeutet das für die Nutzer?

Mit Jelbi haben Kunden den Vorteil, dass es nur noch ein Zahlungsprofil gibt und dass nur einmal der Führerschein geprüft wird. Ich sehe zum Beispiel ein Fahrrad, ich kann es buchen, bezahlen und los fahren und muss nicht mehr zwischen verschiedenen Apps hin und her springen. Das ist ein Riesenschritt für die Berliner.

Wie schwer war es, die Mobilitätsunternehmen von dieser Idee zu überzeugen?

Die Bereitschaft der zehn bis 15 Mobilitätsanbieter war recht groß, weil die BVG der Integrator ist und auch das Ticketing zur Verfügung stellt. Sie werden sukzessive in das Angebot integriert.

Welche Rolle spielt dein Startup Trafi dabei?

Wir sind ein Software- und Technologieanbieter und helfen Städten, multimodale Mobilität umzusetzen. Das ist unser Geschäftsmodell. Wir haben im Oktober den Vertrag geschlossen und werden die App im Frühsommer launchen. Es geht so schnell, weil wir über ein fertiges Produkt verfügen, das an die Bedürfnisse der BVG angepasst wurde.

Verlieren die Mobilitätsanbieter mit solch einer App nicht ihre Kunden an die BVG?

Wenn ein Kunde das erste Mal ein Carsharing oder ein Fahrrad nutzt, dann werden die Kundendaten mit dem Mobilitätsanbieter geteilt, wenn der Kunde damit einverstanden ist. Der Mobilitätsanbieter profitiert davon, dass ihm die BVG zusätzliche Kunden bringt und dass man sich den Kunden teilt.

Die App Jelbi zeigt an, welche Verkehrsmittel verfügbar sind. Sie lassen sich mit wenigen Klicks buchen und bezahlen.

Jelbi zeigt an, welche Verkehrsmittel verfügbar sind. Sie lassen sich über die App buchen und bezahlen.

Ist geplant, in der App Jelbi weitere Angebote einzubinden?

Die BVG hat alle Mobilitätsanbieter in der Stadt angesprochen. Es war ein sehr transparenter Prozess, an dem sich jeder Anbieter beteiligen konnte.

Wem gehören denn die Daten?

Wir unterliegen der europäischen Datenschutzrichtlinie DSGVO. Die Daten liegen verschlüsselt auf Servern in Deutschland und gehören zunächst der BVG. Wir unterscheiden zwischen den personenbezogenen Daten, die zum Bezahlen oder zur Autorisierung benötigt werden, damit sich nicht ein 13-Jähriger ein Carsharing-Auto mietet. Die zweite Ebene, die davon getrennt ist, sind aggregierte anonymisierte Mobilitätsdaten, mit denen man Bewegungsmuster erkennen kann. Natürlich werden diese Daten verschlüsselt übertragen.

Kann die App denn nachvollziehen, wo ein Kunde ein-, um- und ausgestiegen ist?

Nein, wir können die Daten nicht auf eine Person zurückführen. Wir können aber sagen, welchen Bewegungsmustern bestimmte Gruppen von Personen folgen. Es ist ganz wichtig, solche Muster zu erkennen – also welche Mobilitätsmodes wo und zu welchen Zeiten genutzt werden. Denn daraus lernen wir Bedarfe oder Überangebote zu erkennen.


Wie sich Menschen in den Metropolen der Zukunft bewegen

2050 werden 70 Prozent der Menschen in Mega-Citys leben. Das stellt die Mobilität vor neue Herausforderungen. Wie kann das funktionieren?

Wird der Zugang zu den Mobilitätsdiensten in Berlin exklusiv über die App Jelbi erfolgen oder können Nutzer auch weiter die Apps einzelner Anbieter nutzen?

Es wird die Jelbi-App geben und es wird weiterhin die Anwendungen der Partner geben.

In Berlin ist der ÖPNV-Anbieter der Namengeber der App. Sind auch andere Modelle denkbar?

In Europa sind die Städte und ihre Verkehrsunternehmen in der Pole-Position, weil sie stark sind, über viele Kunden verfügen und das Rückgrat der urbanen Mobilität darstellen. Ich wage zu bezweifeln, dass ein privater Mobilitätsanbieter es geschafft hätte, mit vielen Mobilitätsdienstleistern an den Start zu gehen. In den USA ist das anders, wo der öffentliche Nahverkehr nicht diese Bedeutung hat. Grundsätzlich ist es uns als Unternehmen egal, ob wir mit der BVG kooperieren, mit Volkswagen oder mit Lyft. Es ist großartig zu sehen, dass Städte das selber organisieren können und dass das so schnell geht.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Bilder: Trafi/BVG

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain