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Emissionsfreier Wasserstoffzug von Alstom feiert Premiere in Berlin

Kein Dieselgestank, keine Oberleitungen, kein Lärm – der Zug mit Brennstoffzelle fährt emissionsfrei auf nicht elektrifizierten Strecken.

Als sich der blaue Triebwagen auf dem Bahnhof Basdorf bei Berlin in Bewegung setzt, entweichen dem Schienenfahrzeug nur einige Wasserdampfschwaden. Der Zug des Bahnkonzerns Alstom wird von einer Brennstoffzelle angetrieben. Sie wandelt Wasserstoff in elektrische Energie um.

Jens Sprotte, Geschäftsführer für urbanen Verkehr und Infrastruktur des Konzerns, kann sich nach eigener Aussage vor Anfragen nach dem neuen Fahrzeug kaum retten. „Das Interesse ist riesengroß“, sagt er. Bahnunternehmen, Städte und Landkreise wollen den Zug und seine Zukunftstechnologie kennen lernen. Ihnen sitzen die neuen EU-Grenzwerte für das Treibhausgas Kohlendioxid im Nacken.

Roadshow für die Brennstoffzelle

Deshalb hat sich Sprotte für eine Roadshow entschieden. Seit Wochen tingelt Alstom mit seinem Vorserienfahrzeug durch sechs deutsche Bundesländer. Mit einer Fahrt nach Berlin erlebte die Aktion ihren Höhepunkt. Überall gab es selbst an kleinen Haltepunkten einen großen Bahnhof. Zwei brandenburgische Landesminister, zwei Landräte, Abgeordnete und Bürgermeister standen auf der Plattform, um sich einen direkten Eindruck zu verschaffen.


Zukunftstechnologie Wasserstoff – was taugt die Brennstoffzelle?

Kaum ein Trend der Mobilität wird so kontrovers diskutiert wie die Brennstoffzelle. Wir haben die wichtigsten Argumente und Gegenargumente zusammengestellt.

Die Dieseldebatte hat das Interesse an der umweltfreundlichen Brennstoffzellentechnologie angeheizt, sagt Sprotte. Dafür spricht auch eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Danach wollen 90 europäische Städte in den kommenden fünf Jahren 1,8 Milliarden Euro in diese Zukunftstechnologie investieren

Zuverlässiger als Dieselzüge

Zwei dieser Hightech-Züge fahren seit September 2018 in Niedersachen im Linieneinsatz. Sie haben bereits 20.000 Kilometer weitgehend störungsfrei zurückgelegt. Ihre Verfügbarkeit liegt bei 90 Prozent – das ist mehr als Dieselzüge erreichen, sagt man bei Alstom.

In Brandenburg sollen die Wasserstoffzüge ab 2022 auf einer neuen Strecke fahren, die Berlin mit dem Naherholungsgebiet Schorfheide direkt verbindet. Ziel ist es, die im Volksmund „Heidekrautbahn“ genannte Strecke elektrisch auszubauen, aber ohne Oberleitung, was die Kosten senkt und ein zeitraubendes Planfeststellungsverfahren vermeidet.

Regionale Windkraft liefert Bahnstrom

„Wir wollen kleine Wirtschaftskreisläufe in Gang setzen und sind auch bereit, dafür zusätzliche Kosten zu übernehmen“, beschreibt die brandenburgische Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) den Ansatz, der im Fachjargon „Sektorkopplung“ genannt wird. Die Bahn, Windkrafterzeuger Enertrag und Alstom haben sich dazu zusammengetan.

„Die Zeit ruft nach neuen Lösungen“, sagt Detlef Bröcker, Vorstand der privaten Niederbarnimer Eisenbahn, die die neue Strecke bedienen wird. Der Wasserstoff soll durch Elektrolyse aus Windkraftanlagen gewonnen werden, die sich in der Region in großer Zahl drehen. An einer Wasserstofftankstelle sollen ab 2022 nicht nur Züge, sondern auch kommunale Fahrzeuge wie Busse oder Müllautos tanken können.


Dem Wasserstoff gehört die Zukunft der Elektromobilität

Fast geräuschlos und emissionsfrei gleitet der GLC F-Cell durch der Verkehr. Nur der Verdichter summt. So klingt die Zukunft der Mobilität. Gedanken nach einer Fahrt.

„Dieser Ansatz bringt auch den Energiesektor nach vorn“, sagt Jens Sprotte. Denn bislang fehlen die Hochspannungsleitungen quer durch Deutschland, die den im Überfluss vorhandenen Windstrom zum Verbraucher transportieren können.

Fahrgäste lobten nach dem Ende der emissionsfreien Fahrt den Komfort. Der Zug rollt ohne die sonst üblichen Vibrationen eines Dieselmotors über die Schienen. Auch den Lokführern gefällt’s: Der Wasserstoffzug beschleunigt viel schneller als ein Verbrenner.

 

Der bis zu 140 Stundenkilometer schnelle Wasserstoffzug Coradia iLint für 150 Passagiere legt mit einer Tankfüllung von 440 Kilogramm Wasserstoff 1000 Kilometer zurück. Damit soll der Zug eine höhere Energieeffizienz als ein vergleichbarer Dieselzug aufweisen. Die Tanks werden mit einem Druck von 350 bar innerhalb von 15 Minuten betankt. Die Brennstoffzelle auf dem Dach stammt vom Spezialisten Hydogenics aus Kanada, der Zug von Alstom aus Salzgitter. Zum Preis will sich der Hersteller nicht äußern. Er dürfte über dem Preis eines Diesel- und unter dem Preis eines Batteriezuges liegen. „Die Anschaffung hat sich in acht bis zehn Jahren amortisiert“, heißt es.

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Bild: Alstom

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