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Falsche Strategie bei der Digitalisierung – Warum VW Chef Müller gehen muss

Die VW AG baut ihre Konzernspitze um. Der bisherige CEO Matthias Müller muss gehen, sein Nachfolger wird Herbert Diess.

Nicht mal drei Jahre war Matthias Müller Vorstandschef der VW AG. Als „Feuerwehrmann“ nach der Ablösung von Martin Winterkorn im Spätherbst 2015 von Porsche geholt, sollte Müller den durch den Dieselskandal taumelnden Konzern von Grund auf neu organisieren. Was nach 20 Jahren eher patriarchalischer Managementführung und Winterkorn und dessen Vorgänger Ferdinand Piëch keine leichte Aufgabe war. Doch offenbar reichten die Bemühungen von Müller nicht aus. In einer am Dienstag veröffentlichten ad hoc Meldung deutet VW den Konzernumbau an. Die endgültige Entscheidung soll am Freitag in einer Aufsichtsratssitzung der VW AG fallen. 

Müllers Nachfolger wird dem Vernehmen nach Herbert Diess. Der ist bisher Chef der Automarke VW und hat sich dort viel Vertrauen erarbeitet. Diess kam erst im Juli 2015 von BMW zu Volkswagen, ist also in Sachen Dieselskandal eher unbelastet. Dazu kommt, dass Diess die Marke VW in den letzten knapp drei Jahren stark modernisiert und vor allem das USA-Geschäft mit neuen Modellen vor dem großen Einbruch bewahrt hat. Quellen bei BMW bestätigen auch, dass Diess seit einigen Wochen aktiv Führungskräfte beim Konkurrenten aus München abwirbt.

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Dass VW aber gerade jetzt plant, den Vorstandsvorsitzenden auswechselt, ist zumindest eine kleine Überraschung. Müller hat in seiner kurzen Zeit als CEO den Konzern auf E-Mobilität getrimmt, viel Geld in die Digitalisierung gesteckt und seit drei Jahren den Prügelknaben gegeben. Dabei hat er nicht immer eine ganz glückliche Figur abgegeben, aber immerhin hat er den Dieselskandal ganz gut abgefedert.

Mangelnde Investmentstrategie

Unumstritten war Müller trotzdem nicht. Zum einen leistete er sich einige PR-Patzer. So bestritt er in einem desaströsen Interview Anfang 2016, dass VW die US-Behörden jemals belogen habe, was einfach nicht stimmte. Zum anderen sorgen manche Investments des Konzerns für hochgezogene Augenbrauen. So investierte VW rund 300 Millionen Dollar in das israelische Unternehmen Gett, bekam dafür aber nicht mal einen Posten im Vorstand. Ein halbes Jahr später launchte man dann mit viel Getöse die Marke Moia, die genau das macht, was Gett schon anbietet.

Während der Kurs in Sachen E-Mobilität relativ klar ist, wirkt die Investitionspolitik in Startups unter Müller eher undurchsichtig. Neben der Beteiligung bei Gett investierte VW nur in vier weitere Unternehmen, darunter Navistar. Über die Tochter Audi stieg man bei Here ein. Zwar unterhält man in Dresden den Ideation Hub und hat mit der neuen Plattform „Volkswagen We“ ein digitalen Hub für die Kunden erstellt, aber größere und medienwirksame Übernahmen blieben bisher aus. Während Daimler sich ein Portfolio an Dienstleistungen im Mobilitätssektor zusammenkaufte, wollte man bei VW wohl eher alles im eignen Haus erledigen.

Mag sein, dass der schleppende Umbau des Gesamtkonzerns für interne Kritik an Müller gesorgt hat. Herbert Diess muss aber jetzt erst einmal beweisen, dass er die Digitalisierung wirklich verstanden hat.

Bild: VW AG

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