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Deutsche Startups spielen beim autonomen Fahren kaum eine Rolle

Wenn es um die Entwicklung autonomer Fahrzeuge geht, spielen deutsche Autohersteller weit vorne mit. Nur die Software, das Herz der Roboautos, kommt meist aus den USA.

Autonomes Fahren ist der PR-Star unter den neuen Technologien. Und natürlich versucht jeder, sich damit zu schmücken. Egal, ob Audi, Daimler, General Motors, Tesla oder VW – alle behaupten in ihren Broschüren und Werbebotschaften das Unternehmen zu sein, das bei dem Thema die Nase vorne hat. Dass die Autohersteller alle auf einem ähnlichen Niveau unterwegs sind, hat aber auch andere Gründe.

Tatsächlich wird das autonome Fahren vor allem von Startups vorangetrieben. Und die kommen leider nicht aus dem Land, in dem das Automobil entwickelt wurde, sondern hauptsächlich aus den USA. Da wäre zum Beispiel das Unternehmen Aurora. Dessen Gründungsteam besteht aus dem „Who is Who“ der Entwickler aus dem Bereich autonomen Fahren. Neben Chris Urmson, ehemaliger Leiter des Projekts bei Google X (jetzt Waymo) gibt es dort Sterling Anderson, zuvor Chef von Tesla Autopilot und Drew Bagnell, früher bei Uber für das Thema zuständig. Aurora konzentriert sich weniger auf die Entwicklung von Sensoren, als auf die Software. Denn die ist das Herzstück autonomer Fahrzeuge.

Ein weiterer externer Treiber des autonomen Fahrens, der mit vielen Unternehmen zusammenarbeitet, ist die israelische Firma Mobileye. Das Startup wurde vor einiger Zeit für knapp 15 Milliarden Dollar von Intel gekauft. Die Israelis setzen bei ihrer Entwicklung auf eine Kombination von Kamera und Software. Damit haben sie sich eine führende Position erarbeitet und viele Kunden gewonnen. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit BMW und Fiat-Chrysler, mit denen man gemeinsam Lösungen entwickelt. Neuerdings ist auch VW dazu gestoßen. Pikant ist, dass das erste vollautonome Fahrzeug von Volkswagen nicht in Deutschland, sondern in Israel unterwegs sein wird. Denn die Technik dafür kommt von Mobileye.

General Motors hatte sich schon vor einigen Jahren auf dem Startup-Markt bedient und für die damals relativ hohe Summe von einer Milliarde Dollar Cruise Automation gekauft. Das Investment scheint sich auszuzahlen, denn GM gilt in Sachen autonomes Fahren als einer der führenden Hersteller. Nebenbei hat GM eine Beteiligung am Ridesharing-Anbieter Lyft. Der US-Fahrdienst treibt seine Flotte autonomer Testwagen mit einer Software von Aptiv an, der neue Name des irischen Zulieferers Delphi.

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Auffallend an der obigen Aufzählung ist, dass wenig Startups aus Europa oder Deutschland dabei sind, die von dem Boom profitiert haben. Immerhin arbeitet die Forschungsgruppe an der FU Berlin (Dahlem Center for Machine Learning and Robotics) mit einigen Herstellern eng zusammen. Zu nennen ist auch das Startup EasyMile aus Frankreich, die mit neben ihren eigenen Fahrzeugen auch die Technologie für die Autos aus dem PSA-Konzern entwickeln und das aus Ungarn stammende Startup AImotive, das ebenfalls für PSA arbeitet.

Der Mangel an Startups aus Deutschland ist sehr bedauerlich – insbesondere, weil die Autoindustrie hierzulande eine so große Rolle spielt. Dabei wäre sowohl das Know-How als auch das Geld verfügbar gewesen, um den Unternehmen aus den USA und China Konkurrenz zu machen. Es zeigt sich wieder einmal, dass die EU und vor allem Deutschland bei der Startup-Förderung und Entwicklung geschlafen haben. Der Wunsch auf dem Markt von Industrie 4.0 mit neuen Anwendungen den Rest der Welt abzuhängen, ist zumindest bei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge teilweise gescheitert.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

Bild: Volvo

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