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Ausgerechnet die deutsche Autostadt stagniert bei den Ladesäulen

Die Zahl der Ladestationen für E-Autos ist stark gestiegen. Auffällig ist, dass der Ausbau regional unterschiedlich verläuft. Vor allem eine Gegend überrascht negativ.

Die Zahl der Ladestellen für Elektroautos hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen, allerdings sind sie keineswegs gleichmäßig über Deutschland verteilt. Vielmehr geht die Schere zwischen wenigen Metropolen mit vielen öffentlichen Ladesäulen und Bundesländern, in denen die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge nur schleppend ausgebaut wird, immer stärker auseinander.

Laut neuesten Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es bei den deutschen Städten inzwischen ein Trio, das sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die meisten Ladestellen liefert. Ende Juli lag Hamburg mit 948 Ladepunkten nur noch ganz knapp vor München mit 945, Berlin landete mit 933 Lademöglichkeiten auf dem dritten Rang. Noch vor zwei Jahren sah das Bild hingegen völlig anders aus. Mitte 2017 lag Hamburg mit 774 Ladepunkten noch klar in Führung, es folgten Berlin mit 628, auf Rang drei lag damals noch Stuttgart mit 402 Ladestellen.

München rangierte damals abgeschlagen mit nur 224 Ladepunkten auf dem vierten Platz. Doch in den vergangenen 24 Monaten haben sich die Städte extrem unterschiedlich entwickelt. Während München die Zahl seiner Ladepunkte mehr als vervierfacht hat, zählt der BDEW heute sogar weniger Ladestellen in Stuttgart als vor zwei Jahren. Demnach sind es heute nur noch 398.

Der Abstand auf die Spitzenplätze ist gewaltig

Die badenwürttembergische Landeshauptstadt rutschte damit auf den vierten Platz ab und droht in Zukunft weiter nach hinten durchgereicht zu werden. Der Abstand auf die Spitzenplätze ist gewaltig, alle drei Kommunen auf den Top-Plätzen haben mehr als doppelt so viele Ladepunkte wie die Auto-Stadt Stuttgart, in der unter anderem Porsche, Daimler und Bosch ihre Zentralen haben.

Die Städte auf den Plätzen sechs bis zehn (Leipzig, Essen, Köln, Ingolstadt und Dortmund) haben allesamt weniger als 200 Ladepunkte und damit nur ein Fünftel der Spitzenreiter. Die Kluft bei der Infrastruktur für Elektromobilität wird tiefer. Das zeigt sich auch beim Vergleich der Bundesländer.

Zwar hat die Zahl der Lademöglichkeiten bundesweit innerhalb eines Jahres deutlich um mehr als 72 Prozent auf nun fast 10.800 zugelegt. Doch das Wachstum ist ungleichmäßig verteilt. Absolut betrachtet liegt Bayern inzwischen mit 4904 Ladepunkten klar auf Platz eins – damit ist fast jede zweite deutsche Lademöglichkeit im Freistaat installiert. Es folgen die weiteren Flächenländer Baden-Württemberg (3404) und Nordrhein-Westfalen (3385). Allerdings lagen in diesen beiden Ländern die Zuwachsraten mit 54,4 Prozent und 43,1 Prozent bereits unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Beim Wachstum ist Hamburg Schlusslicht

Schlusslicht bei der Wachstumsrate war ausgerechnet Hamburg. Die Hansestadt gilt eigentlich als Vorreiter beim Thema Mobilität. Der mit 20,8 Prozent vergleichsweise schwache Zuwachs an neuen Ladestellen beruht allerdings auch darauf, dass Hamburg bereits Ende 2018 mit 785 Ladepunkten ein hohes Niveau erreicht hatte – insbesondere wenn man Fläche und Einwohnerzahl des Stadtstaats zugrunde legt. So ist in Hamburg mit knapp 1900 Einwohnern pro Ladestelle das Verhältnis bundesweit am besten.

Auch Berlin legte zwar lediglich von 743 auf 933 Ladepunkte zu und erreichte dabei mit einer Wachstumsrate von 25,6 Prozent nur den drittletzten Rang beim Zuwachs, steht aber insgesamt nicht schlecht da. Mit knapp 3900 Einwohnern pro Ladepunkt liegt die Hauptstadt im Verhältnis zur Bewohnerzahl immerhin auf Platz vier. Neben Hamburg sind nur Bayern (2700 Einwohner pro Ladestelle) und Baden-Württemberg (3200 Einwohner pro Ladestelle) besser als Berlin.

Brandenburg auf dem vorletzten Platz

Doch es gibt auch Bundesländer, die trotz niedrigem Ausgangsniveau nur langsam zulegen. Bremen konnte sich beispielsweise innerhalb der vergangenen zwölf Monate nur von 91 auf 112 Ladepunkte verbessern. Das Saarland kann als einziges Bundesland noch immer nur eine zweistellige Zahl von Ladestellen vorweisen, auch wenn es nun 89 statt 58 sind. Hohe Zuwachsraten konnten Brandenburg (plus 122,6 Prozent), Schleswig-Holstein (plus 100,8 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (plus 88 Prozent) vorweisen. Doch insbesondere die beiden Flächenländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kommen absolut gesehen noch immer nur auf 276 beziehungsweise 188 Ladepunkte.

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Spitzenreiter Bayern hat damit mehr als 26 Mal so viele Lademöglichkeiten wie Mecklenburg-Vorpommern. Betrachtet man das Verhältnis zur Einwohnerzahl, landet Brandenburg mit 9000 pro Ladestelle auf dem vorletzten Platz, Mecklenburg-Vorpommern wird mit 8500 Einwohnern pro Lademöglichkeit Drittletzter. Schlechter ist das Verhältnis nur ganz im Westen – im Saarland: 11.200 Einwohner müssen sich dort einen Ladepunkt teilen.

Bild: Adam Berry/Getty Images

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