Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Diese Drohne soll 60 Kilogramm schwere Lasten tragen

Ein bayrisches Traditionsunternehmen beteiligt sich an einem Startup für Multicopter, die Güter in entlegene Gegenden bringen sollen. Doch die Pläne reichen noch weiter.

Die ersten Testflüge hat der Senkrechtstarter bereits absolviert: Auf Unternehmensvideos erhebt sich die VTOL (Vertical Take-Off and Landing) genannte Flugdrohne leicht schwankend vom Firmengelände im bayrischen Altmühltal. Sie schwebt eine Weile und landet danach wieder sanft auf dem Boden. Die sechs Rotoren tragen eine Last von 60 Kilogramm und können die Maschine zwei Stunden lang in der Luft halten.

Ausgestattet ist das Fluggerät mit einem Hybridantrieb: „Eine Gasturbine erzeugt den Strom, der die Motoren in Bewegung hält“, sagt Felix Arnold, Gründer und Geschäftsführer der BEE appliance GmbH in Beilngries. Nur eine kleine Batterie dient als Pufferspeicher. „Diese Konstruktion spart gegenüber einem rein batterieelektrischen Antrieb Gewicht, erlaubt eine höhere Nutzlast und verlängert die Reichweite“, sagt der Gründer. Mit einem rein batterieelektrischen Antrieb sei das technisch nicht möglich: Entweder fehlt am Ende die Nutzlast oder die Reichweite.

Der Multicopter könnt ein der Landwirtschaft eingesetzt werden, um Felder zu beobachten und zu düngen.

Der Multicopter könnte in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um Felder zu beobachten und zu düngen.

Familienunternehmen als Partner

Partner und Investor des Startups ist das 1948 gegründete Familienunternehmen Biersack mit 150 Beschäftigten. Die Firma beliefert die Automobil- und die Flugzeugindustrie mit Bauteilen. Per Zufall stieß Dominik Biersack, der das Unternehmen in dritter Generation zusammen mit seinem Cousin Michael Biersack leitet, auf das Startup.

Biersack und Arnold vereinbarten Anfang 2018 die Kooperation. Seitdem ist das Startup auf dem Firmengelände des Zulieferers aktiv und entwickelt dort die Cargo-Drohne. Für den Flugzeug-Zulieferer Biersack ist die Kooperation eine Wette auf die Zukunft. Lasten-Drohnen und Flugtaxis seien der Megatrend der Branche, heißt es. Umgekehrt profitiert Bee Appliance von der Maschinenbau-Kompetenz des Mittelständlers.

Ersatz für Hubschrauber

„Wir können uns die verschiedensten Anwendungsszenarien für unsere Multicopter vorstellen: von der Exploration über den Einsatz auf Baustellen bis zur Landwirtschaft“, sagt Arnold – also Bereiche, in denen man heute mit Hubschraubern arbeitet. „Mit dem Multicopter lassen sich die operativen Kosten minimieren“, sagt der Gründer.

Einsatzgebiete sieht er vor allem im Ausland – „wo die Infrastruktur nicht so ausgebaut ist wie bei uns“. Urban Air Mobility ist auch ein Thema. „Doch dieser Prozess wird Zeit brauchen.“

Die Vermarktung des Multicopter wird das Startup nicht aus eigener Kraft stemmen. Bee Appliance strebt die Kooperation mit Industrieunternehmen an, welche über einen Marktzugang verfügen. „Wir sind in Gesprächen mit mehreren Unternehmen“, erläutert der Gründer. „Der nächste Schritt ist ein Multicopter mit 200 Kilogramm Nutzlast“, sagt Arnold. Das könne dann auch für den Personentransport eingesetzt werden.

Der VoloCity von Volocopter soll in Metropolen als Flugtaxi eingesetzt werden.

Der VoloCity von Volocopter soll in Metropolen als Flugtaxi eingesetzt werden.

Neue Studie von Volocopter

Für solche Aufgaben entwickeln zahlreiche Unternehmen VTOLs. Am weitesten dürfte die Entwicklung des Volocopter vorangeschritten sein, der mehr als 1000 Testflüge absolviert hat. Das Unternehmen hat in dieser Woche eine Designstudie für den VoloCity vorgestellt, welche die Flugtaxi-Anforderungen der europäischen Luftfahrtbehörde Easa erfüllt. Hierbei handelt es sich um die vierte Generation von elektrisch angetriebenen VTOLs des deutschen Anbieters. Das von Daimler finanzierte Startup plant seinen Erstflug in Deutschland für den 14. September. Im Ausland hat der Multicopter bereits mehrere öffentliche Testflüge absolviert, etwa in Dubai im Jahr 2017 und während der CES in Las Vegas im vergangenen Jahr. Mitbewerber wie Airbus/Audi und Lilium sind noch in der Testphase.

Volocopter will im vierten Quartal 2019 in Singapur fliegen und erstmals seine Start- und Landestation VoloPort gemeinsam mit seinem Partner Skyports ausstellen.

Die deutsche Verkehrspolitik setzt die falschen Akzente

Teure Züge, verstopfte Straßen und kein politischer Antrieb für die wirklich wichtigen Technologien. So wird das nichts mit dem Weltmarktführer für die Mobilitätswende.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Fotos: Bee Appliance / Volocopter

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain