Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Warum der Berlkönig seinen Nutzen erst noch beweisen muss

Der Rufbus der Berliner Verkehrsbetriebe legt eine Bilanz vor. Botschaft an die Politik: Nutzer wünschen sich ein größeres Geschäftsgebiet. Doch das ist ein Problem.

750.000 Fahrten haben die Vans von Berlkönig, einem Joint Venture der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und ViaVan, bereits absolviert. Die App wurde über 230.000 Mal heruntergeladen, 140.000 Registrierungen folgten. Das teilt die BVG in einer Broschüre mit.

Nutzer bestellen mit ihrem Smartphone einen Wagen und werden an einer der 5000 virtuellen Haltestelle abgeholt, die in der App angezeigt werden. Unterwegs können weitere Fahrgäste mit einem ähnlichen Ziel zusteigen. Die Passagiere werden auch wieder an virtuellen Haltestellen abgesetzt.

Die Anzahl der geteilten Fahrten mit mehreren Kunden an Bord liegt bei 77 Prozent. Knapp die Hälfte der Touren sind gebündelt – also mit Fahrgästen aus verschiedenen Buchungen (44 Prozent, jeweils Stand Juni). In der Rushhour sind diese Werte deutlich höher: bis zu 97 Prozent bei geteilten und 75 bei gebündelten Fahrten.

Weniger Individualverkehr durch Sharing 

Der Nutzen von Sharing- und Poolingdiensten ist umstritten und wegen des geringen Anteils an der gesamten urbanen Mobilität kaum messbar. 74 Prozent der befragten Nutzer mit eigenem Pkw gaben an, sie könnten sich vorstellen, diesen aufzugeben. Allerdings ist nicht überliefert, was „vorstellen“ konkret bedeutet und wann dies gegebenenfalls der Fall sein könnte. Überhaupt fehlt in der Bilanz die Angabe, ob Berlkönig Fußmärsche, Fahrrad-, BVG-, Taxifahrten oder den privaten Pkw ersetzt.

64 Prozent der befragten Autofahrer sagten auch, sie würden seltener mit dem eigenen Auto fahren, wenn das Geschäftsgebiet ausgeweitet würde. Dies ist ein Hauptproblem des Berlkönig, der ausschließlich im Ost-Teil der Stadt mit seiner hohen Dichte an gastronomischen, kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen unterwegs ist. Grund dafür ist die Experimentierklausel des Personenbeförderungsgesetzes, unter der die Berlkönige derzeit fahren dürfen. Der Berliner Senat hatte vor dem Start zwei Pooling-Experimente erlaubt (und eines, Moia von Volkswagen, abgelehnt): Neben Berlkönig im Osten erhielt Clevershuttle mit einer vollelektrischen Flotte eine Lizenz für vier Jahre. 

„Wir werden uns zwischen Parkplätzen und Parks entscheiden müssen“

U-Bahn, Leihräder und Mietautos in einem: Was die Berliner Verkehrsbetriebe und das Startup Trafi mit ihrer neuen App vorhaben, erklärt BVG-Vorstand Henrik Haenecke im Interview.

Spannend sind hier zwei Szenarien: einerseits die Erweiterung des Geschäftsgebiets auf die komplette Innenstadt, andererseits Fahrten an den Stadtrand und ins Umland. Insbesondere Letzteres könnte den Nutzwert des neuen Verkehrsmittels als Pendler-Shuttle zwischen den Wohngebieten an der Peripherie und den Endstationen der U-Bahn beweisen und auch dort ein Geschäftsmodell sein. Die Erweiterung auf das ganze Stadtgebiet würde zeigen, ob der Service auch in Gebieten mit einem weniger hippen Publikum funktioniert. 

Service hilft Rollstuhlfahrern

Den disruptivsten Effekt hat das Angebot bislang bei der Behindertenbeförderung. Fünf Berlkönige sind mit Rollstuhl-Rampen ausgestattet. „Üblicherweise muss ich mit Rollstuhl einen Fahrdienst drei Tage im Voraus bestellen“, wird Inklusionsaktivist Raul Krauthausen in der Broschüre zitiert. „Der Berlkönig erlaubt es mir, am Leben spontan teilzunehmen.“ Die durchschnittliche Wartezeit auf einen barrierefreien Van wird mit 21 Minuten angegeben.

Aktuell sind nach BVG-Angaben 156 Vans im Einsatz, 50 Prozent davon mit E-Antrieb. Bis Ende nächsten Jahres soll die komplette Flotte elektrisch unterwegs sein, teilte das Unternehmen mit. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkartenabbuchung oder mit Gutscheinen, die mit Bargeld erhältlich sind. Der Fahrpreis liegt mit 1,50 Euro pro Kilometer über dem Tarif der BVG, aber unter dem eines Taxis. Im Durchschnitt kostet eine Fahrt 5,62 Euro.

Volkswagen steigt in Berlin mit 1.500 E-Golfs ins Carsharing-Geschäft ein

Mit einer großen Flotte startet Volkswagen in der Hauptstadt – und will sich so gegen die mächtige Konkurrenz von Car2go und Drivenow behaupten.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Bild: BVG

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain