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US-Startup will 250 E-Scooter-Tankstellen in Deutschland aufstellen

Mit festen Dockingstationen für E-Tretroller will Charge das Parkchaos bändigen und den Ladeprozess zu verbessern. Das Team besteht aus Ex-Mitarbeitern anderer Scooter-Startups.

Die Einführung von E-Scootern im deutschen Straßenverkehr sorgt seit Monaten für Diskussionen – vor allem das Parkchaos auf dem Bürgersteig erhitzt die Gemüter. Das US-Startup Charge will dafür nun eine Lösung gefunden haben.

Ihre Idee: E-Scooter sollen zukünftig nicht mehr frei herumstehen, sondern an festen Ladestationen abgestellt werden. „Wir sind die Tankstelle der Zukunft. Schon heute gibt es rund eine Million Mikromobilitäts-Fahrzeuge auf der Straße und der Markt wächst schnell“, sagt Charge-Gründer Andrew Fox im Gespräch mit Business Insider.

Charge ist ein Anbieter von Ladetechnik. Zum Portfolio des Startups gehören fest installierte Dockingstationen, an denen bis zu acht Fahrzeuge gleichzeitig laden können. Darüber hinaus bietet das Startup sogenannte „Charging Hubs“ mit rund 70 Ladestationen an, die in Form von abschließbaren Containern an zentralen Punkten im Stadtgebiet aufgestellt werden können.

Erste Stationen für E-Scooter ab Dezember in Berlin

Ab Dezember 2019 will Charge die ersten Ladepunkte in Deutschland aufstellen. Zunächst in Berlin, später auch in weiteren Städten. Insgesamt wolle man deutschlandweit zehn Container und 250 Dockingstationen auf privaten und öffentlichen Flächen errichten.

„Im europäischen Markt sehen wir das größte Potenzial, weil die Rad- und Gehwege hier anders gebaut sind als in den USA“, sagt Fox. Neben Berlin wolle man im Dezember auch Paris und Lyon anvisieren. Im nächsten Jahr sollen dann an die 20 weitere europäische Städte folgen. Bisher kann Charge allerdings nur ein Pilotprojekt in der US-Stadt Atlanta vorweisen.

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Dockingstationen sollen Kosten senken

Die Stationen sollen zum einen die Städte entlasten und zum anderen die Arbeit der E-Scooter-Firmen einfacher machen. Das Aufladen der Fahrzeuge und der Transport zum Ladezentrum gelten als größter Kostenfaktor der Sharingdienste. Die Analysten von McKinsey gehen davon aus, dass das Aufladen rund 60 Prozent der Ausgaben ausmacht. Charge verspricht, diese Kosten um bis zu 30 Prozent zu senken.

Das Geschäftsmodell des jungen Startups ist allerdings fragil: Denn auch die Anbieter selbst arbeiten seit Monaten mit Hochdruck an neuen Ladelösungen. So haben die deutschen Sharingdienste Tier und Circ kürzlich neue E-Scooter vorgestellt, die mit austauschbaren Akkus auskommen – das macht das Problem mit dem Transport zum Ladezentrum hinfällig.

Charge arbeitet nach eigener Aussage bereits an Wechselstationen für austauschbare Akkus, um auf die Entwicklung zu reagieren.

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Team besteht aus Ex-Mitarbeitern von Lime

Bisher hat das Startup nach eigener Aussage Startkapital in Höhe von 2,5 Millionen Euro eingesammelt. Die ersten Umsätze sollen durch Partnerschaften mit den großen E-Scooter-Startups fließen, die pro Ladevorgang eine Gebühr zahlen.

Die nötigen Kontakte zu den E-Scooter-Firmen hat Andrew Fox jedenfalls: Der Charge-Gründer war selbst einer der ersten Investoren bei Lime. Um sich hat er zudem eine Schar von E-Scooter-Veteranen versammelt. Zu seinem Team gehören unter anderem Caen Contee, früherer Marketingchef bei Lime, und Noa Khamallah, der erst bei Lime und dann beim schwedischen Anbieter Voi für die globale Strategie zuständig war.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.
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Bild: Charge

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