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Ein Startup hat einen Mehrfachstecker für Ladesäulen entwickelt

Aus eins mach sechs: Nach diesem Prinzip wollen drei Gründer mehr Ladepunkte für E-Fahrzeuge in Garagen und Parkhäuser bringen. Volkswagen gefällt das.

Oft kommen auf eine Steckdose mehrere Handybesitzer, die neuen Saft für ihre Geräte benötigen. In solchen Fällen hilft ein Mehrfachstecker. Dieses Prinzip will das Startup ChargeX auf das Laden von E-Autos übertragen.

Die drei Gründer Michael Masnitza, Johannes Engeln und Tobias Wagner haben eine Art Mehrfachstecker für Ladesäulen entwickelt. Bis zu sechs Ladepunkte werden dabei hintereinander geschaltet. Die daran angeschlossenen E-Autos laden nicht alle zeitgleich, sondern nacheinander: Wenn die Batterie eines Fahrzeugs voll ist, stoppt der Ladeprozess. Ein vom Startup entwickelter Algorithmus entscheidet, welches Fahrzeug als nächstes dran ist. Der Vorteil des Systems: Die Installation pro Ladepunkt sei deutlich günstiger als herkömmliche Ladesäulen, so ChargeX-Mitgründer Tobias Wagner im Gespräch mit NGIN Mobility und Gründerszene. Man wolle mit dem eigenen Produkt bis zu 50 Prozent günstiger sein als die Konkurrenz.

Unterstützung durch großen Autobauer und Szenekenner

In einem Autohaus im Norden Münchens ist das ChargeX-System seit einigen Monaten testweise installiert – und funktioniert nach Plan, wie das im Jahr 2017 gegründete Unternehmen angibt. Bis Ende dieses Jahres soll die Zahl der installierten Ladepunkte deutschlandweit auf 300 steigen, so das ehrgeizige Ziel der Gründer, die sich im Gründerverein an der Technischen Hochschule Ingolstadt kennenlernten.

Mit seinem Konzept hat das Startup auch einen großen Autobauer von sich überzeugen können. Volkswagen hat ChargeX für ein halbes Jahr in seinen Inkubator nach Dresden geholt. Zuvor haben sich die Gründer vor allem durch Erspartes und eine Förderung des europäischen Climate-Kic-Accelerators finanziert. Außerdem werde man in Kürze eine erste sechsstellige Finanzierungsrunde bekannt geben, kündigen die Gründer an. Business Angels, darunter Alexander Grots, Gründer des Münchner Startups ProGlove und Juwi-Gründer Matthias Willenbacher, der auch am E-Auto-Startup Sono Motors beteiligt ist, wollen nach Angaben des Startups investieren.

Auch Energieversorger könnten profitieren

Bis zu sechs solcher Ladepunkte könnten laut Angaben des Startups hintereinander geschaltet werden.

Intelligentes Laden entlastet auch die Netze, der sogenannte Tagesschau-Effekt ließe sich vermeiden. So nennen Fachleute das Szenario, das entstehen würde, wenn irgendwann die Zahl der E-Autos steigt und alle Autobesitzer gleichzeitig ihre Fahrzeuge an die Steckdose hängen. In einem solchen Szenario droht ein Blackout, ein Zusammenbruch der Stromversorgung. „Durch das integrierte Lastmanagement können wir gewährleisten, dass die Netzanschlussleistung nicht überschritten wird und teure Spitzen im Stromverbrauch vermieden werden“, sagt Wagner. Das würde den Energieversorgern Milliarden-Kosten für den sonst nötigen Netzausbau ersparen, so eine Studie der Beratung Oliver Wyman.

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ChargeX-Mitgründer Wagner fährt selbst einen elektrischen Renault Zoe. Er glaubt, dass E-Autofahrer irgendwann wie selbstverständlich ihr Fahrzeug nebenbei laden, immer dann, wenn sie es gerade nicht nutzen. „Statt wie heute zur Tankstelle zu fahren, um dort neuen Kraftstoff nachzufüllen, wird das Laden zum Sekundärerlebnis: Man lädt zuhause, beim Arbeitgeber oder während des Einkaufs“, sagt Wagner. Beim Smartphone funktioniere das ja weitestgehend schon heute. Es werde geladen, wenn es nicht in Benutzung ist, beispielsweise nachts, so der Gründer.

Bild: Volkswagen / ChargeX

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