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IPO, Fusion und Series B – Lukasz Gadowski über seine Pläne für Circ

Berichten zufolge hatte Circ Probleme. Kann das Roller-Startup von Seriengründer Lukasz Gadowski mit der Konkurrenz mithalten? Gründerszene hat den Unternehmer getroffen.

Im vergangenen Sommer überschwemmten elektrische Tretroller die Straßen deutscher Großstädte. Einer der Anbieter war Circ, die Neugründung des Team-Europe-Kopfes Lukasz Gadowski. Das Startup stellte Hunderte Leute ein. Dann berichteten Medien von Massenentlassungen, Problemen bei der Investorensuche und Fusionsgerüchten. Bei einem Treffen mit Gründerszene äußert sich Lukasz Gadowski nun zu diesen Themen – und spricht von seinen Plänen für seine orangefarbenen Scooter. 

„Im Prinzip haben wir nach dem Peak im Sommer zu schnell hochskaliert“, sagt er. Daher habe das Startup im Herbst Leute entlassen – häufig noch während der Probezeit. Weiter will sich der Gründer zu den Kündigungen nicht äußern. Dem Manager Magazin (Paywall) zufolge wurden vor allem Mitarbeiter aus den Bereichen Marketing, HR und Kundendienst entlassen. Techcrunch spricht von rund 50 Personen. 

Das „Stärken-Schwächen-Profil“ der Manager habe nicht gepasst  

Nur die überraschend gleichzeitigen Abgänge seiner Gründungsmitglieder Boris Mittermüller und Carlos Bhola kommentiert der Chef. Bei COO Mittermüller habe das „Stärken-Schwächen-Profil nicht zur Aufgabe gepasst.“ Der ehemalige Geschäftsführer schreibt auf Nachfrage von Gründerszene, dass er das Unternehmen freiwillig verlassen habe, um „ein deutlich attraktiveres Angebot anzunehmen“. Auch persönliche Konflikte mit Gadowski scheinen eine Rolle gespielt zu haben.

Co-Investor Carlos Bhola will sich gegenüber Gründerszene nicht zu seinem Austritt äußern. Gadowski sagt, der Finanzier lebe hauptsächlich in den USA. „Er kann nicht laufend hier sein. Und wir sind noch nicht in den USA.“ Obendrein seien die Stärken des Mitgründers nicht komplementär genug zu denen des Team-Europe-Chefs gewesen. Von drei Gründern blieb im Herbst nur noch Gadowski übrig. Sein geschrumpftes Management hat er im Dezember daher um den ehemaligen Coup-Manager Felix Genze aufgefüllt. Eine der wenigen Neueinstellungen.

Im Winter nicht einmal halb so viele Nutzer

Aktuell beschäftigt Circ „ein paar Hundert“ Angestellte. Basierend auf Linkedin-Daten sollen rund 350 Leute weltweit für die Berliner arbeiten. Im September ­– also vor der Kündigungswelle – sollen es 100 Personen mehr gewesen sein. „Im Winter braucht man nicht so viele Mitarbeiter“, begründet Gadowski die Entlassungen. Bei Glatteis, Regen und Kälte steigen Nutzer seltener auf die Tretroller als bei schönem Wetter. Im Winter sei die Zahl der Nutzer gegenüber dem Sommer um 50 bis 80 Prozent zurückgegangen. Laut Gadowski ähnlich wie anfangs prognostiziert. 

„E-Scooter sind nicht das Allheilmittel“ – aber was soll danach kommen?

Acht Anbieter konkurrieren auf dem deutschen E-Tretroller-Markt. Doch nicht alle werden überleben. Der Circ-Deutschlandchef erklärt, wie seine Firma es schaffen will.

In Deutschland stehen die Circ-Roller in zehn Städten. Weltweit ist das Berliner Startup in etwa 40 Städten vertreten – mit insgesamt 20.000 Fahrzeugen. „In Deutschland stehen weniger als die Hälfte“, so der Gründer. Genaue Zahlen will er nicht nennen.

Die Flotte soll in diesem Jahr nach und nach gegen neue Modelle ausgetauscht werden, bei denen Wechselakkus verbaut sind. Aktuell hat jeder zehnte Tretroller eine abnehmbare Batterie. Circ teste nun Containerlösungen für das Aufladen der Batterien. In den Innenstädten sollen demnach Frachtbehälter verteilt werden, die Platz für die Ladeinfrastruktur bieten.

Der Berliner Wettbewerber Tier ist da schon weiter.

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