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Das Coup-Schicksal kann jedes Mobility-Startup treffen

Der Sharing-Anbieter will seinen Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einstellen. Der Fall zeigt: Mobilitäts-Startups konkurrieren in einem hochgradig subventionierten Umfeld.

Es ist eine Meldung, die der Aufbruchstimmung hinsichtlich neuer Mobilitätskonzepte einen großen Dämpfer versetzt: Der E-Roller-Sharing-Dienst Coup hat mitgeteilt, den Betrieb in Berlin, Tübingen und an allen internationalen Standorten ab Mitte Dezember einzustellen zu wollen.

Das Geschäftmodell habe sich schlichtweg nicht gelohnt, heißt es: „Angesichts eines äußerst wettbewerbsintensiven Sharing-Marktes und der hohen Servicekosten wird der weitere Betrieb von Coup langfristig wirtschaftlich nicht machbar sein.“ Insbesondere die Instandhaltung der Fahrzeuge, der Batterietausch und der Kundendienst seien am Ende zu kostenintensiv gewesen, um bei gleichbleibender Qualität Gewinne zu erzielen.

Die Krise bei Coup hatte sich bereits vor Monaten angekündigt: Der E-Roller-Anbieter hatte Ende Februar das Preismodell geändert, was auf den meisten Strecken mit einer Erhöhung von bis zu 110 Prozent einherging – zum Ärger vieler Kunden, die den Anbieter in den sozialen Medien scharf angingen.

Der Fall Coup zeigt das ganze Dilemma von New Mobility

Trotz der Preiserhöhung – oder vielleicht auch gerade deswegen – ist es Coup nicht gelungen, sich im Markt zu halten. Ein Schicksal, das vielen Mobilitäts-Startups – vom E-Scooter bis zum Ridehailing – noch bevorstehen könnte. Denn sie alle teilen das gleiche Problem: Sie sind im Vergleich zu etablierten Verkehrsmitteln teuer.

„Wir haben ein verzerrtes Bild, was Mobilität kostet“, sagt Alexander Jung, Experte für Neue Mobilität bei der Denkfabrik Agora Verkehrswende, zu Business Insider. „Der ÖPNV und auch der Treibstoff für private Pkw sind hochgradig subventioniert. Die Rahmenbedingungen für neue Mobilitätsangebote sind in Deutschland daher extrem schwer.“

Das Autofahren muss teurer werden, damit Startups eine Chance haben

Autofahren in Städten kostet viel zu wenig. Deshalb können sich Konkurrenzangebote für eine neue urbane Mobilität nur schwer durchsetzen.

Die Preisfindung sei in diesem Umfeld für neue Player ein schmaler Grat, so Jung. Erhöhen die Anbieter sie zu sehr, verlieren sie die Akzeptanz der Kunden. Halten sie die Preise konkurrenzfähig zum öffentlichen Nahverkehr, schlägt das langfristig auf den wirtschaftlichen Erfolg – so wie es jetzt bei Coup der Fall ist.

Wettbewerb mit öffentlichem Nahverkehr ist extrem hart

Eine Analyse von Business Insider von Ende Juni zeigt, wie hart der Preiskampf ist. Selbst auf kurzen Wegen sind viele Angebote demnach teurer als ein Nahverkehrsticket. Inzwischen haben viele Anbieter die Preise sogar noch einmal erhöht.

Ein Beispiel: Der 2,8 Kilometer lange Weg vom Hackeschen Markt bis Checkpoint Charlie in Berlin kostete mit Coup rund 2,10 Euro, mit E-Scooter-Anbietern sogar 2,35. Zum Vergleich: Ein Kurzstreckenticket für die Bahn gibt es ab 1,70 Euro. Auf längeren Strecken ist man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nahezu immer günstiger unterwegs.

Bitteres Signal für Städte

Für die von Abgasen geplagten Großstädte ist das Aus von Coup ein bitteres Signal, schließlich gelten emissionsfreie Mikromobilitätsdienste wie E-Roller, E-Scooter oder Leihräder als wichtiger Baustein im Kampf gegen die Luftverschmutzung.

Schaffen die Startups es nicht aus eigener Kraft, müssen die Kommunen unter Umständen selbst in die Tasche greifen und ihnen unter die Arme greifen. Beispiele für gelungene Partnerschaften gibt es bereits, etwa die Kooperation zwischen dem Land Berlin und dem Leihradanbieter Nextbike. „Solche Konstrukte wird es wahrscheinlich häufiger geben müssen, um die Angebote im Markt zu halten“, so Jung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.
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Bild: PHILIPPE LOPEZ/Getty Images

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