Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Die Herrin der Daten

Im Studium hat sie sich mit Programmieren über Wasser gehalten. Jetzt soll Daniela Gerd tom Markotten die Fusion der Mobilitätsdienste von Daimler und BMW organisieren.

Ihr ist anzumerken, dass sie gerne mehr erzählen würde, als sie darf. Solange das Bundeskartellamt noch darüber berät, ob die Mobilitätsmarken der Autokonzerne Daimler und BMW fusionieren können, bleibt es bei Andeutungen. „Wir ziehen auch um“, lässt Daniela Gerd tom Markotten, Chefin des Daimler-Mobilitätsdienstleisters Moovel, während des Gesprächs durchblicken. In Branchenkreisen wird sie bereits als Chefin der neuen Unternehmenseinheit in Berlin gehandelt.

Was in Berlin passieren soll, könnte das Kräfteverhältnis auf dem Mobilitätsmarkt verändern. Am neuen Firmensitz, der bisher unter dem Decknamen KITT geführt wird – benannt nach dem Computerauto der TV-Serie Knight Rider – sollen alle Mobilitätsdienste der beiden großen deutschen Autobauer zusammengefasst werden: Neben den Carsharing-Angeboten Car2Go und DriveNow betrifft das die Daimler-Dienste Moovel und Mytaxi sowie die BMW-Marken ChargeNow und ParkNow.

Mobilitäts-Allianz zwischen Daimler und BMW mit neuem Sitz in Berlin

Die Fusion von DriveNow und Car2go ist offenbar erst der Anfang. Ein gemeinsames Unternehmen der beiden Autobauer soll weitere Mobilitätsdienste mit einschließen.

Wenn die Zustimmung der Behörde vorliegt, werden sich die Mobilitätsanbieter in fünf „Verticals“ unterteilen: Carsharing, Ridehailing, multimodale Plattform, Parking und Charging, erklärt Daniela Gerd tom Markotten. Hierbei soll es sich zunächst um einzelne Joint Ventures handeln. Die Moovel-Chefin werde lediglich den multimodalen Bereich verantworten. Das ist die Abteilung, die neue Technologien für die Kombination mehrerer Verkehrsmittel entwickelt.

Sinn und Zweck des Unternehmens ist es, sich gemeinsam gegen den US-amerikanischen und chinesischen Wettbewerb zu positionieren. Es sei ganz klar der Anspruch, globaler Tech-Player zu werden, sagt die Moovel-Chefin. „Wir wollen uns auf gar keinen Fall von den üblichen Verdächtigen die Butter vom Brot nehmen lassen – gerade im Hinblick auf das autonome Zeitalter.“

Große Dimensionen, kleiner Maßstab

Tesla, Uber und das Google-Unternehmen Waymo sowie die chinesischen Tech-Riesen Baidu und Tencent haben den deutschen Markt seit Jahren im Visier und Milliarden in die Forschung fürs autonome Fahren investiert. Restriktionen wie das Personenbeförderungsgesetz machen es den ausländischen Anbietern noch immer schwer, auf dem hiesigen Markt ihre Taxi- oder Shuttle-Angebote zu platzieren, geschweige denn autonome Fahrzeuge zu testen. Dass der Bundestag das Gesetz in naher Zukunft ändern wird, wissen alle Beteiligten – und warten ab.

Diesen Artikel lest ihr auch in unserem neuen Magazin, das am 25. September 2018 erschienen ist. Das Heft steht euch hier zum Download bereit.

Die einzelnen Mobilitäts-Anbieter sträuben sich bisher dagegen, dass ihre eigenen Apps durch eine einzige Sammel-App wie Moovel übergangen werden. Doch die Zugeständnisse der einzelnen Player werden größer. Neben Carsharing sind in der Moovel-App unter anderem die Deutsche Bahn, Nahverkehrsanbieter und das Leipziger Bike-Sharing Nextbike vertreten. Als nächstes sollen Elektroroller hinzukommen, sagt Daniela Gerd tom Markotten. Man verhandle bereits darüber. Zudem sind E-Floater geplant, elektrisch betriebene Tretroller. „Das würde gut zu uns passen – hausintern haben wir da schon viele Fans. In Deutschland warten wir darauf, dass sich bei der Gesetzeslage etwas tut.“ Übrigens: Anders als beim Mutterkonzern Daimler hat bei Moovel kein Mitarbeiter einen Dienstwagen. Stattdessen gibt es ein Mobilitäts-Budget für die Mitarbeiter, die damit eine gewisse Anzahl an Mytaxi-, Car2Go- oder Bahn-Fahrten nutzen können. Ein weiteres Geschäftsmodell, mit dem Moovel an der Alternative zum privaten Autobesitz experimentiert. Hier zeigt sich: Die Mobilitätswende beginnt im Kleinen.

Bild: Marco Weimer für NGIN Mobility

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain