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Deutsche Bahn übernimmt Mehrheit an Clevershuttle

Mit der Übernahme baut der Konzern seine Stellung auf dem hart umkämpften Fahrdienst-Markt weiter aus. Die Gründer des Berliner Startups bleiben weiter an Bord.

Es waren harte Verhandlungen für die Clevershuttle-Gründer. Seit Herbst vergangenen Jahres haben Bruno Ginnuth, Jan Hofmann und Slava Tschurilin mit möglichen Investoren gesprochen und verschiedene Optionen durchgespielt. Jetzt ist der Deal fix: Die Deutsche Bahn wird die Mehrheit an der 2014 gegründeten GHT Mobility GmbH, die hinter dem Elektro-Fahrdienst steht, übernehmen. Wie viel Geld geflossen ist, will das Startup nicht verraten. Nur so viel: Es sei „deutlich mehr“ als in den vergangenen Runden. Zuletzt hatte Clevershuttle eine Finanzierung mit über drei Millionen Euro abgeschlossen.

Die Bahn, die bisher rund 20 Prozent an dem Startup hielt, erhöht ihre Anteile laut Handelsregister auf knapp 79 Prozent. Die Gründer, die schon vor der Übernahme insgesamt weniger als 50 Prozent Anteile am Startup hatten, halten demnach jeweils rund sieben Prozent. Die früheren Investoren, darunter Daimler, haben ihre Anteile verkauft. Damit ist Clevershuttle neben Qixxit das zweite Startup, an dem die DB mehrheitlich beteiligt ist. Allerdings ist das Reiseportal ein Spin-off des Konzerns und gehörte von 2012 bis 2017 zur Abteilung der DB Vertrieb, bevor es ausgegründet wurde.

Die Gründer bleiben an Bord

Um in Deutschland als Unternehmen groß zu werden – insbesondere im hart umkämpften Markt mit digitalen Fahrdiensten – benötigte das Unternehmen viel Kapital, sagt Clevershuttle-CEO Bruno Ginnuth im Gespräch mit NGIN Mobility und Gründerszene. „Deshalb haben wir uns für einen finanzstarken Investor entschieden, mit dem wir in den letzten 1,5 Jahren bereits gute Erfahrungen gemacht haben.“

Damit spielt der CEO auf die starke Konkurrenz im Markt mit digitalen Fahrdiensten an: In den nächsten Jahren will die von Volkswagen mit reichlich Kapital ausgestattete Tochter Moia mit mehreren Hundert Fahrzeugen einen digitalen Shuttle-Dienst in Hamburg starten. Clevershuttle ist derzeit mit 50 Fahrzeugen in der Hansestadt unterwegs. In Berlin, wo der Fuhrpark des Startups 30 Fahrzeuge umfasst, hat die BVG angekündigt, ab Freitag gemeinsam mit dem Via einen Service mit Shuttle-Bussen auf die Straße zu schicken.

Trotz der Mehrheitsübernahme wollen die Gründer weiter mit vollem Einsatz an Bord bleiben, betont Ginnuth. Es handle sich nicht um einen Exit. Im Alltag solle sich nichts ändern. Dem CEO ist es wichtig, weiter unabhängig und eigenständig Entscheidungen treffen zu können.

Neue Städte, neue Fahrzeuge

Ausgestattet mit neuem Kapital will das Unternehmen, dessen Service monatlich von 70.000 Fahrgästen genutzt wird, innerhalb des nächsten Jahres weiter wachsen. Geht es nach den Plänen der Gründer, soll sich die Anzahl der Teammitglieder am Hauptsitz in Berlin von derzeit 65 Mitarbeitenden bis Ende 2019 auf das Doppelte erhöhen. Parallel will das Startup weiter expandieren. Derzeit sind die weiß-grünen Autos in Berlin, Hamburg,
München und Stuttgart unterwegs, bis Jahresende sollen Dresden und Frankfurt am Main hinzukommen. Ende nächsten Jahres werden man in insgesamt 15 deutschen Städten unterwegs sein, kündigt der CEO an. Darunter sollen nicht nur Großstädte sein, man wolle den Service auch in ländlichen Gegenden testen.

Ob das Unternehmen den Dienst an den jeweiligen Standorten selbst betreibe oder ein Joint-Venture mit lokalen Unternehmen eingehe, werde von Stadt zu Stadt entschieden, heißt es. Neben den bisher eingesetzten Elektro-Pkw werden künftig auch größere Fahrzeuge eingesetzt. Beispielsweise das elektrische Londoner Taxi des Herstellers LEVC, das die Deutsche-Bahn-Tochter Ioki bereits für ihren Shuttle-Service in zwei Hamburger Stadtteilen nutzt.

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Parallel zu der Übernahme bauen die Bahn und Clevershuttle in Leipzig ihre Partnerschaft aus: Ab sofort stehen am dortigen Hauptbahnhof 45 Elektrofahrzeuge für die Reisenden bereit.

Bild: Clevershuttle

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