Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Sie schicken euch mit dem Porsche durch Deutschland – für einen Euro

Das Startup Flipcar lässt Nutzer nahezu gratis durch Deutschland fahren. Obendrein will es ein Logistikproblem in der Autobranche lösen. Überzeugt das die DHDL-Löwen?

Fliegen innerhalb Deutschlands ist out – Stichwort Flugscham –, Bahnfahren oft zu teuer, der Fernbus unbequem. Okan Gürsel und Sven Gunkel aus Bremen wollen eine Alternative anbieten: Mit ihrem Startup Flipcar vermieten sie Autos zum Spottpreis. 

Die Firma der beiden 31-Jährigen ist erst wenige Monate alt, sie gründeten sie im Juni 2019. Bisher können Nutzer über Flipcar Autos von vier Autovermietungen in Deutschland mieten, darunter Europcar. Die einzige Voraussetzung: Sie müssen mindestens 21 Jahre alt sein. Acht Mitarbeiter sind für die Gründer tätig, bisher finanzieren sie sich über ein Investment von zwei Business Angels. In der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ wollen Gürsel und und Gunkel nun einen weiteren Investor für ihre Idee gewinnen. Von ihrem Pitch in der Show erhoffen sie sich eine halbe Million Euro, dafür würden sie zehn Prozent ihres Startups abgeben.

Okan, ihr vermietet Autos für einen Euro – inklusive Tankfüllung. Wie kann das funktionieren?

Die Kunden fragen auch meistens: Wo ist der Haken? Aber wir lösen ein klassisches Logistikproblem in der Autobranche. Autovermietungen müssen ihre Fahrzeuge ständig von A nach B überführen, um die Nachfrage zu regulieren. Gerade war ja zum Beispiel das Oktoberfest und viele Mietwagen mussten nach München. In der Regel übernehmen diese Fahrten Dienstleister, die die Wagen zum Zielort bringen und dann mit der Bahn wieder zurückfahren. Das Ganze ist total ineffizient. Wir vermitteln diese Überführungsfahrten jetzt an Personen, die sowieso an den gewünschten Zielort fahren wollen.

Einen ähnlichen Ansatz nutzt auch das Kasseler Unternehmen Freifahrt. Und ein Euro Umsatz pro Fahrt reicht euch?

Wir bekommen nicht nur einen Euro. Da es eine Logistikfahrt ist, erhalten wir für jede erfolgreiche Überführung eine Provision von der Autovermietung.

Wie viele Fahrten vermittelt ihr momentan?

Es sind täglich mehrere Fahrten.

Wie lange wird es dauern, bis ihr in allen Städten Deutschlands Mietwagen anbieten könnt?

Wir steigern das Angebot Schritt für Schritt. Natürlich können wir noch nicht in jede Ecke Deutschlands Fahrten anbieten. Aber ab nächstem Jahr wollen wir auch Überführungen für Autohäuser oder Privatpersonen anbieten, dann wird das Volumen deutlich höher sein. Mittelfristig ist sogar die Idee, die App europaweit auszurollen.

„Pay how you drive“ – dieses Startup will Raser zur Räson bringen

Drivo ermittelt per Smartphone-App das Fahrverhalten. Damit will das Startup nicht nur Sharing-Nutzer erziehen, sondern auch ein Management-Tool für Flotten bieten.

Findet ihr für jede angebotene Strecke einen Fahrer?

Momentan liegt die Buchungsquote bei 60 bis 70 Prozent. Das liegt daran, dass wir viele sehr kurzfristige Fahrten anbieten. Manchmal gibt es 20 Fahrten von München nach Hamburg, da kann es dann sein, dass wir nicht alle weg bekommen. Das wird sich ändern, wenn die Nutzerbasis wächst. Bisher haben 50.000 Leute die App genutzt.

Was ist, wenn Nutzer einen Unfall bauen?

Der Mietvertrag findet zwischen Nutzer und Autovermieter statt. Wir sind nur Vermittler, haben also mit der Versicherung nichts zu tun. Bei den meisten Vermietern ist ein Vollkasko-Versicherung inklusive, aber mit einem Selbstbehalt von bis zu 850 Euro.

Kann man weitere Leute im Mietwagen mitnehmen?

Sogar sehr gerne. Ursprung der Idee war ja unter anderem, Leerfahrten zu reduzieren. Also: Am liebsten jeden mitnehmen und das Auto voll machen. 

Flipcar ist das zweite Startup von dir und Sven Gunkel. Mit eurem ersten habt ihr die App Drivo angeboten, die analysiert hat, wie gut Nutzer Auto fahren. So sollten sie zu besseren Fahrern werden.

Wir wollten mit Drivo eigentlich Carsharing-Anbieter als Kunden gewinnen, das hat aber nicht geklappt. Die Technologie hinter der App ist heute Teil von Flipcar. Mit ihr berechnen wir das Fahrverhalten der Nutzer. Wer bei der Autoüberführung einen guten Fahrstil hat, sich an die Geschwindigkeit hält, keine großen Umwege fährt und pünktlich ist, bekommt einen „Flipcoin“. Wenn man eine gewisse Anzahl an Coins hat, kann man bei der nächsten Fahrt ein Premium-Fahrzeug fahren, zum Beispiel einen Porsche.

Was macht ihr mit den Daten über den Fahrstil der Nutzer?

Die genauen Bewertungsdaten werden nicht an den Vermieter oder an uns übermittelt, sondern direkt auf dem Smartphone in Punkte umgerechnet und dienen alleine als Feedback für den Nutzer.

Habt ihr Drivo eingestellt?

Nein, wir lassen die App auf dem Markt. Ein paar Leute haben da Spaß dran, das freut uns.

Wieso macht ihr jetzt bei DHDL mit?

Wir haben nach Investoren gesucht, um Flipcar größer zu machen. Speziell brauchten wir Kapital, um das Team auszubauen und für Marketing. Bei DHDL sind Investoren, die eine gewisse Reichweite haben, unser Produkt nach vorn zu bringen.

Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain