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Bahnfahren in Europa? Dafür brauchen wir den Hyperloop!

Wer in Europa weniger fliegen und stattdessen den Zug nehmen möchte, steht vor einigen Hürden. Der Hyperloop wäre eine Alternative.

Dass man in Deutschland auf die meisten Kurzstreckenflüge verzichten kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Wer das auf Strecken in Europa machen will, benötigt Zeit und vor allem Nerven. Eine Flugbuchung zum Beispiel nach Nizza in Südfrankreich ist in wenigen Minuten erledigt. Ganz anders, wenn man für die gleiche Strecke ein Bahnticket haben möchte. In meinem Fall gab mir die internationale Buchungsseite der Bahn zwar einen Preis für den Hinweg aus, aber den Rückweg konnte ich weder berechnen noch buchen. Ein weiterer Versuch, ein Ticket von Frankfurt nach Barcelona zu buchen, scheiterte ebenfalls. Eine Preisauskunft war nicht möglich. Die Bahn-Website verwies auf das Servicecenter.

Umständlicher Buchungs-Marathon

Ich könnte natürlich die Tickets über die Webseiten der nationalen Bahnunternehmen buchen. Aber wer hat schon Lust, sich durch drei Buchungsprozesse zu quälen? Abhilfe schafft immerhin das Angebot eines Startups. Der britische Anbieter „TheTrainline“ vermittelt internationale Bahntickets. Die Preise scheinen in Ordnung zu sein. Aber auch da blieben einige Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel, wie das mit der Zugpreisbindung ist und was passiert, wenn ich einen Zug verpassen sollte. Am Ende des Versuches ergaben sich mehr Fragen als Antworten.

Warum muss das eigentlich so kompliziert sein? Wer Menschen dazu bringen will, auf das Flugzeug zu verzichten, muss das Angebot auf der Buchungsseite optimieren. Heute kann man mit zwei Klicks in China Waren bestellen und sie sind drei Tage später da, aber ein Online-Zugticket von Frankfurt nach Barcelona stellt für die Deutsche Bahn ein unüberwindbares Hindernis dar. Ein mehr als trauriger Zustand.

Kunde wird alleine gelassen

Es zeigt auch, wie wenig alle europäischen Bahnunternehmen sich in den letzten Jahren um das Thema Digitalisierung und Zusammenarbeit gekümmert haben. Wie bei den regionalen Angeboten des ÖPNV in Deutschland gibt es unzählige, nicht zueinander passende Tarifsysteme, die zusätzlich mit Sparangeboten verkompliziert werden. Der Kunde wird alleine gelassen im Dschungel der vielen Angebote und der Service ist miserabel. So wäre es doch schön, wenn ein Bahnkunde bei längeren Umsteigezeiten in den Bahnhöfen eine Lounge vorfinden würde.

Dazu kommt, dass es abgesehen von der Strecke Paris-London zwischen keiner europäischen Hauptstadt eine Schnellzugverbindung gibt, weil die Hochgeschwindigkeitstrassen fehlen. Es sind auch keine geplant. Die Vereinigung europäischer Bahnen (CER) verweist in einem Positionspapier auf einen EU-Beschluss von 2013, in dem zwar ein Ausbau der Trassen gewünscht wird, konkrete Vorhaben werden und wurden seitdem aber nicht benannt. Es scheint so, dass die Bahn auf EU-Ebene nur am Rande existiert.

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Vielleicht braucht es also doch den Einsatz privater Investoren. Auch wenn es angesichts der schon vorhandenen Infrastruktur der Bahn fast sinnlos erscheint, bietet der Hyperloop genau die heute vermissten Möglichkeiten: eine ultraschnelle, fast CO2-neutrale Verbindung über große Entfernungen. Der Hyperloop ist dazu in der Lage, die wichtigsten europäischen Hauptstädte so zu verbinden, dass sie ohne Flugzeug in wenigen Stunden erreichbar sind. Eine Fahrt von Berlin nach Barcelona würde ungefähr drei Stunden dauern.

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57 Milliarden Investitionsstau

Man muss deswegen nicht gleich ganz Europa untertunneln oder die, zugegeben sehr hässlichen, überirdischen Röhren gleich an jeder Ecke aufstellen. Aber wenn man bedenkt, dass allein in Deutschland der Investitionsstau bei der Bahn auf rund 57 Milliarden Euro geschätzt wird, frage ich mich, ob man mit dem Geld nicht vielleicht etwas Besseres anstellen kann. 

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Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

Bild: Hyperloop Transportation Technologies

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