Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Ohne Startups gibt es keinen kostenlosen Nahverkehr

Warum sollte man 20 Milliarden Euro in ein staatliches Monopol stecken, wenn Startups das Problem besser lösen können?

„Und wie viel kostet das Gratiswochenende?“, fragt Homer Simpson in Episode 13 der neunten Staffel der „Simpsons“ und hat damit das Problem mit dem kostenlosen ÖPNV perfekt zusammengefasst. Natürlich gibt es keinen kostenlosen Nahverkehr. Aber es klingt gut, wenn eine Regierung ihn in Aussicht stellt. Das Problem lässt sich mit dem hübschen deutschen Wort „Kostendeckungsgrad“ beschreiben. Das bezeichnet die Summe, die ein ÖPNV mit seinen Fahrscheinpreisen abdeckt. So erreichte die BVG im Jahr 2016 einen Kostendeckungsgrad von 56 Prozent nur durch den Verkauf von Tickets und Jahreskarten. Was insgesamt 656 Millionen Euro ausmachte.

Diese Summe müsste man also irgendwie anders finanzieren, nur weiß leider niemand wie das funktionieren soll. Würde man den ÖPNV bundesweit kostenlos gestalten, ergäbe sich laut des Verkehrsclub Deutschland eine Finanzierungslücke von rund 12 Milliarden Euro. Einen Teil, rund sieben Milliarden Euro, könnte man finanzieren, wenn man dem Diesel das Steuerprivileg kappen würde. Die Einführung einer Besteuerung für Flugbenzin könnte den Rest stemmen. Doch selbst das reicht am Ende nicht, denn es geht nicht nur um die Einnahmen des ÖPNV.

Ein kostenloser ÖPNV zieht mehr Fahrgäste an. In Berlin braucht man zu Stoßzeiten schon heute manchmal viel Geduld, bis man sich in eine U-Bahn quetschen kann. Die Nahverkehrsbetriebe und die Kommunen müssten also massiv in neue Busse und Bahnen investieren. Bundesweit entstünde ein Finanzierungsbedarf von rund 20 Milliarden Euro. Die analoge wie digitale Infrastruktur müsste zunächst ausgebaut werden, damit die Massen an Fahrgästen überhaupt transportiert werden könnten.

Die weltweit laufenden Versuche mit einem kostenlosen ÖPNV, haben unterschiedliche Ergebnisse erbracht. In Städten wie Lübben und Templin scheiterte der Versuch ebenso, wie in der belgischen Stadt Hasselt. Dort lief der Versuch immerhin knapp 15 Jahre. Am Ende scheiterten diese Städte an einem fehlenden Gesamtkonzept. Es reicht nicht, Busse und Bahnen kostenlos zu machen. Wenn man Privat-PKW wirklich aus der Stadt verbannen will, dann muss man sie rigoros und ohne Ausnahmen in der Stadt verbieten. Das traut sich aber niemand.

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Zweistellige Milliardensummen in ein träges System zu stopfen, dass nicht mal in der Lage ist, ein vernünftiges, bundesweites E-Ticket System zu entwicklen, vollkommen sinnlos. Besonders, wenn man kein Gesamtkonzept aufbaut, um die privaten PKW aus den Städten fern zu halten. Deutlich vielversprechender ist es, wenn man private Ridesharing-Angebote mit einbindet. Anbieter wie Moia oder Allygator zeigen schon jetzt, wie es gehen könnte. Während der ÖPNV weiter sein Kerngebiet abdeckt, übernehmen private Anbieter die strukturschwächeren Gegenden.

Wenn man schon viel Geld in die Hand nimmt, dann ist es zielführender dieses Geld in die hiesige Wirtschaft- und Startupszene zu investieren. Denn im Gegensatz zur Mehrzahl der kommunalen Verkehrsbetrieben haben Startups schon jetzt intelligente Lösungsansätze gefunden und setzen diese erfolgreich ein. Es gilt hier, ein Zusammenspiel zwischen den privaten und kommunalen Anbietern zu finden. Zusammen mit einem intelligenten Gesamtkonzept, zum Beispiel für E-Autos und Carsharing-Anbietern, ließen sich die Metropolen in kurzer Zeit von einer Mehrzahl der privaten PKW befreien. Und das ohne eine staatlich gefördertes Monopol der ÖPNV-Anbieter zu schaffen.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobil-Branche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

Bild: Door2Door

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