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Die EU verschläft die Batteriezelle – ein schwedisches Startup legt vor

Northvolt ist für seine Batteriezellen bekannt. Der Erfolg des Unternehmens und die Partnerschaft mit VW bringen europäische Autohersteller zum Umdenken.

Nehmen wir mal an, dass ein Wirtschaftsraum seit knapp 100 Jahren in völliger Abhängigkeit von einer anderen Wirtschaftsmacht war, da diese einen exklusiven Zugriff auf ein Produkt hatte. Diese Abhängigkeit führte zu Streit, Kriegen und jeder Menge Elend. Sie führte dazu, dass das Leben von Menschen zerstört wurde und dazu, dass ganze Landstriche unbewohnbar wurden. Dann erfindet jemand eine Technologie, die diese Abhängigkeit verringert.

Die Rede ist von fossilen Brennstoffen und dem Wandel zur Elektromobilität. Letztere reduziert die Abhängigkeit von ölexportierenden Staaten um ein Vielfaches, da weniger vom schwarzen Gold importiert werden muss. Beziehungsweise, man wäre weniger abhängig, wenn sich die europäische Industrie dazu entschlossen hätte, eigene Batteriezellen herzustellen. Das hat sie aber nicht. Zuletzt hatte sogar Bosch seine Pläne für eine Zellproduktion verworfen.

Doch die Lage ändert sich nun. Vor allem dank eines vor drei Jahren gegründeten Startups aus Schweden. Northvolt ist bisher nur Insidern bekannt, aber die Skandinavier haben ihren ersten Coup schon gelandet.

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Volkswagen hatte im Mai bekanntgegeben, dass man den bisherigen Standort Salzgitter nach und nach zu einer Fabrik für Batteriezellen umbauen will. Dabei setzt das Unternehmen auf die Hilfe von Northvolt, das seine Zellen dort bauen soll. Das ausgerechnet ein so junges Unternehmen in der Liga der ganz großen Firmen spielt, ist kein Zufall. Der Gründer von Northvolt hat bis 2016 die Gigafabrik von Tesla geleitet. Sein Wissen ist den Investoren schon jetzt mehrere Milliarden US-Dollar wert.

Abhängigkeiten von ausländischen Zulieferern verringern 

16 Gigawattstunden will VW ab Mitte des kommenden Jahrzehnts in Salzgitter produzieren, was etwa die Hälfte der Menge ist, die VW für seine Elektroautos benötigt. Das verringert vor allem die Abhängigkeit von chinesischen Herstellern und damit auch von den Entwicklungen auf dem chinesischen Markt.

Während sich VW abgesichert hat, suchen andere Hersteller weiter auf dem Weltmarkt. Immerhin haben auch französische Unternehmen erkannt, dass sie etwas ändern müssen. Ein Joint Venture aus Peugeot, Opel und des französischen Batterieherstellers Saft hat sich zum Bau einer ersten Fabrik entschlossen. Angeblich wollen sich auch BASF und BMW beteiligen. Für Europa ist eine eigene Batteriezellenherstellung ein wichtiger Schritt, um künftig eine nachhaltige Elektromobilität anzubieten.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

Bild: Northvolt

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