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Mit Ridetronic soll das E-Bike endlich sein langweiliges Image verlieren

Mit ihrem E-Antrieb fürs Fahrrad stehen die Ridetronic-Gründer im Finale von „Das Ding des Jahres“. Die Aufmerksamkeit durch die Show soll beim Produktlaunch helfen.

E-Bikes sind uncool. So die weitverbreitete Meinung. Startups wie Superpedastrian und Fazua versuchen bereits, mit diesem Klischee aufzuräumen, indem sie den E-Antrieb im Hinterrad unterbringen – oder möglichst unauffällig in den Rahmen integrieren. Auch die Münchner Paul Klarhöfer, Maximilian Gassner und Thomas Janowski, die am Samstag mit ihrem Startup Ridetronic in Stefan Raabs Erfindershow „Das Ding des Jahres“ zu sehen waren, wollen das Image von Fahrrädern mit E-Motor aufpolieren.

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Ihre Idee: Ein E-Antrieb, mit dem sich jedes x-beliebige Fahrrad zum E-Bike umrüsten lässt. Dazu verstecken sie einen Elektromotor in der Nabe des Hinterrads, den Akku in der Nabe des Vorderrads. Bei der Nabe handelt es sich um den Teil in der Mitte des Rades. Auf den ersten Blick ist kaum zu sehen, dass es sich um ein E-Bike handelt. Am Design des alten Fahrrads ändert sich durch den von den Münchnern selbst entwickelten Antrieb nämlich praktisch nichts. Mit 3,6 Kilogramm macht sich das Gewicht kaum bemerkbar. In vielen Fällen bedeutet diese Kombination bisher ein Zusatzgewicht von sechs bis zehn Kilogramm.

Gesteuert wird der Antrieb „Tronic Drive“ per App. Auf der höchsten Stufe reicht eine Akkuladung nach Angaben des Startups für eine Strecke von bis zu 60 Kilometern, im energiesparenden Modus sogar bis zu 80 Kilometer. Wer sich umentscheidet, und doch lieber selbst strampelt, kann das tun, ohne dass er einen zusätzlichen Tretwiderstand spürt. Das war Mitgründer Thomas Janowski, dem die Idee zu dem Produkt während der Heimfahrt von der Arbeit nach Hause kam, wichtig. Damals stand er wieder einmal mit dem Auto im Stau und dachte sich, dass für die rund 15 Kilometer lange Strecke ein Fahrrad viel besser geeignet sei. Er wünsche sich ein E-Bike, das ihn morgens, wenn er noch müde ist, beim Treten unterstützt. Und mit dem er sich auf dem Rückweg auspowern kann, indem er selbst in die Pedale tritt.

Hürden beim Markteintritt

Erhältlich ist das Upgrade-Kit in Deutschland voraussichtlich allerdings erst frühestens Ende des Jahres, sagt Mitgründer Maximilian Gassner im Gespräch mit NGIN Mobility und Gründerszene. Der Grund: „Ein Do-It-Yourself-Einbau ist in Deutschland aus haftungsrechtlichen Gründen leider nicht möglich“. Künftig sollen deshalb Händler den Einbau übernehmen, derzeit seien die Drei dabei, ein entsprechendes Händler-Netzwerk aufzubauen. Das treibt die ohnehin hohen Kosten für den Antrieb von 1.500 Euro allerdings nochmals um bis zu 200 Euro in die Höhe. Bei der Show mussten sie für den Preis Kritik einstecken, zu teuer, fand die Jury.

Beim E-Motor allein soll es aber nicht bleiben. Im Herbst wollen die drei Jungen ein selbst entwickeltes E-Bike, das insgesamt nur 13 Kilogramm wiegt, auf den Markt bringen. Zum Vergleich: Herkömmliche Modelle bringen derzeit mitunter 25 Kilogramm auf die Waage. Neben dem auf Vorder- und Hinterrad verteilten E-Antrieb und die Bedien-App soll das von Ridetronic entwickelte Rad auch über eine USB-Schnittstelle am Lenker verfügen, über die Licht und Smartphone mit Strom versorgt werden.

Laut Website können Interessenten die 3.000 Euro teuren E-Bikes ab März vorbestellen. Ihnen schwebe dabei das Tesla-Modell vor, so Gassner: „Wer früher bestellt und anzahlt, bekommt im Gegenzug Rabatt.“

Bisher haben sich die drei Gründer – ein Maschinenbauer, ein Innovationsmanager und ein Softwarespezialist – über Stipendien finanziert, knapp 150.000 Euro haben sie insgesamt bekommen, unter anderem das Exist-Stipendium vom Bundeswirtschaftsministerium.

Am 10. März stehen die drei Gründer im Finale der TV-Show „Das Ding des Jahres", die an dem Tag live ausgestrahlt wird. Zwar hat das Publikum in der letzten Sendung am Samstag nicht ihre Idee, sondern einen Faltanhänger in die Endrunde gewählt. Aber die Jury war begeistert, Joko Winterscheid betitelt die Erfindung sogar als „das geilste Ding, das bis jetzt in der Show war“. Nun hoffen die Gründer, dass sie von der Aufmerksamkeit durch die Show profitieren – und ab März möglichst viele Vorbestellungen eintrudeln.

Bild: Ridetronic
Update (26.02.2018): Bei der Pre-Order-Kampagne will Ridetronic nun doch auf eine Anzahlung durch die Kunden verzichten („Tesla-Modell“), wie die Gründer mitteilten. Wer ab März über die Website bestelle, erhalte aber nach wie vor einen Gutschein in Höhe von 250 Euro. 

 

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