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Das E-Cargobike mit „femininen Formen“

Murat Günak war Chefdesigner bei Volkswagen und Mercedes. Jetzt hat er für das Startup Ono ein Lastenrad entwickelt, das emotional berühren soll.

Sie sollen für bessere Luft in unseren Städten sorgen und die Lieferkette bei der letzten Meile abdecken: elektrisch betriebene Lastenräder. Das Startup Ono, das sich früher „Tretbox“ nannte, hat nun sein erstes Lastenrad vorgestellt. Das Startup sieht sich dabei nicht nur als Hardware-Hersteller, sondern auch als Mobilitätsdienstleister, der das E-Cargo-Bike an Lieferdienste und späterhin auch Endkunden vermieten will (siehe Video). Es soll auf den Strecken zwischen Mikrodepots und den Endkunden eingesetzt werden. Mit dem Launch des Prototypen hat das 2016 gegründete Unternehmen auch eine Crowdfunding-Kampagne aufgesetzt.

Wir haben uns schon vor dem Launch des ersten Protoptyen mit Chefdesigner Murat Günak über das neuartige Fahrzeug unterhalten.

Murat, du hast ein Fahrzeug designt, das auf einer Seite offen ist. Warum diese Asymmetrie?

Die rechte Seite ist offen, weil der Fahrer bis zu 100 Mal am Tag aussteigt. Da ist eine Tür nicht hilfreich. Wegen der Sicherheit und als Spritzschutz ist die der Straße zugewandte Seite halb geschlossen. Auf dieser Seite befindet sich auch die Grundsignatur des Fahrzeugs, weil sie vom Bürgersteig und der Straße aus gesehen wird.

Was ist die Grundsignatur?

Das ist das Element, das das Fahrzeug charakterisiert.Das ist bei Ono die Spange.

Und was sagt sie aus?

Sie sagt aus, dass dieses Fahrzeug eine schöne Form hat. (lacht) Sie ist ein Wiedererkennungswert für unsere Marke.

Du hast einmal gesagt, dass Designer keine Künstler sind. Ono empfindest du als ein schönes Objekt. Ist das also doch Kunst?

Ein Künstler malt ein Bild, und es ist dem Betrachter überlassen, ob es ihm gefällt. Aber ein Fahrzeug ist ein Massenprodukt. Der Besitzer kann sich damit nicht verstecken, es ist für jeden sichtbar, er wird immer damit in Verbindung gebracht. Fahrzeuge müssen so viele Menschen wie möglich berühren.

Das heißt, Fahrzeuge müssen immer möglichst durchschnittlich aussehen?

Ich hoffe nicht, auch wenn man diese Schlussfolgerung ziehen könnte. Ich glaube, dass eine Form immer eine bestimmte emotionale Magie hat.

Das klingt nach einem Künstler.

Vielleicht ist es romantisch.

Gibt es in deinen bisherigen Design-Werken ein wiederkehrendes Merkmal? Eine Signatur?

Das gibt es. Und das ist auch sehr romantisch: Ich versuche immer, sehr weiche, feminine Formen zu finden.

Warum?

Weil sie länger Bestand haben. Ich bin geprägt von den Designs von Sergio Pininfarina, er hat die Ur-Ferraris gestaltet. Die sind alle extrem weich, fast niedlich. Sie haben freundliche Gesichter mit runden Augen. Es gibt keine Aggressivität. Die Autos von Lamborghini aus derselben Epoche waren alle sehr kantig und hart. Aber das Freundliche hat viel mehr Bestand und erreicht die Menschen. Der Porsche 911 ist übrigens das einzige Auto auf der Welt, das keine aggressive Linienführung und kein aggressives Gesicht hat. Aber niemand zweifelt daran, dass es ein Sportwagen ist.

Ihr wollt Ono als Marke etablieren, vermietet die Fahrzeuge aber an Firmen, die ebenfalls ihre Marke nach außen tragen wollen. Wie passt das zusammen?

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