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Das E-Cargobike mit „femininen Formen“

Ihr wollt Ono als Marke etablieren, vermietet die Fahrzeuge aber an Firmen, die ebenfalls ihre Marke nach außen tragen wollen. Wie passt das zusammen?

Das ist der Spagat, den wir erreichen wollen. Die Kunden werden ihr Firmenlogo anbringen oder das Fahrzeug in ihrer Farbe lackieren. Wir wollen uns trotzdem positionieren und sichtbar sein. Das Fahrzeug soll ja unsere Qualität ausdrücken. Das machen wir durch unsere Signatur.

Für wen soll sie sichtbar sein? Für Firmenkunden? Oder für Passanten?

Für beide! Normalerweise fühlen sich Fahrer von Paket-Transportern nicht wohl, da die Fahrzeuge in einem schlechten Zustand sind, sie den Verkehr behindern, die Autos stinken – die Fahrzeuge sind eigentlich eine Last. Wir wollen ein Produkt gestalten, das dem Fahrer eine Wertschätzung gibt. Passanten sollen ihn auf unser Fahrzeug ansprechen und darüber nachdenken, ob das nicht auch was für sie selbst wäre. Das Produkt soll eine Lebensauffassung verkörpern. Heute bekommt der Fahrer als Reaktion höchstens einen Stinkefinger.

Eine Lebensauffassung – verkörpert durch eine Spange?

Durch das ganze Fahrzeug, aber die Spange ist ganz entscheidend, ja. Sie erinnert an ein Motorrad. Das weckt Assoziationen, wissentlich oder unwissentlich. Alles andere haben wir diesem Element untergeordnet.

Und das Motorrad steht wahrscheinlich für Freiheit?

Ja, genau. Freiheit, Leidenschaft, Abenteuer, Flexibilität, Hobby.

Diesen Artikel lest ihr auch in unserem neuen Magazin, das am 25. September 2018 erschienen ist. Das Heft steht euch hier zum Download bereit.

Stand diese Produktwirkung von Anfang an so fest?

Wir hatten zuerst ein Fahrzeug mit einer flachen Sitzposition, das sah glatter aus. Durch Kundengespräche erfuhren wir, dass die Sitzhöhe für Fahrer relevant ist. Deshalb verwenden wir eine normale Sitzposition wie bei einem Fahrrad. Durch die enorme benötigte Höhe der Fahrerkabine von 2,10 Metern und der Schmale des Fahrzeugs von 80 Zentimetern vorne beziehungsweise 110 Zentimetern hinten hat uns das vor Herausforderungen gestellt, die wir zuvor nicht kannten.

Wir habt ihr die Probleme gelöst?

Bevor wir in die Details gegangen sind, haben wir das Fahrzeug in seinen Proportionen getestet, um zu schauen, wie es in der Realität wirkt. Dafür nutzten wir Tape-Zeichnungen, eine Technik aus der Automobilindustrie.

Ihr habt euch viel Zeit für das Grundgerüst gelassen. Wie viel Zeit nehmen jetzt Details wie etwa Scheinwerfer in Anspruch?

Die Details nehmen normalerweise 50 Prozent der Zeit in Anspruch, das ist viel Fleißarbeit und Liebe zum Detail.
Allerdings vertrete ich die Auffassung, dass die Details unwichtig sind, wenn nicht das große Ganze stimmt. Das zu finden, ist also das Allerwichtigste.

Zu welchem Zeitpunkt kommen die technischen Elemente zum Design hinzu?

Wir entwickeln das parallel, wir sind ja ein kleines Team. So sind Erscheinungsmerkmale entstanden, die es bei einer sequentiellen Arbeitsweise nicht gegeben hätte. Dann hätten wir beispielsweise versucht, den Rahmen zu verkleiden.

Es ist also mehr Kompromiss, als du es bisher gewohnt warst?

Vielleicht, aber auch weniger Kompromiss, weil wir uns schneller absprechen konnten.

Wie sehr unterscheidet sich deine erste Skizze von dem jetzigen Stand?

Wir haben im vergangenen Jahr in einem Fachmagazin das erste Mal ein Bild von Ono veröffentlicht. Es ist heute im Prinzip das gleiche Fahrzeug. Aber für mich ist das ein
Unterschied wie Tag und Nacht. Das Produkt entwickelt sich, es wird immer reifer.

Gibt es in einem jungen Unternehmen mehr oder weniger Zeit für den Designprozess?

Wir sind schnell voran gekommen, weil wir schnell entscheiden.

Schneller als in einem Konzern wie etwa Volkswagen meinst du?

Wenn dort ein wichtiges Projekt anfängt, wie der Golf-Nachfolger, dann arbeiten allein in Wolfsburg von Anfang an 100 Designer daran. Das ist ein riesiger Apparat. Wir sind ein ganz kleines Team. Und dann muss sich jeder auf die Erfahrung der anderen verlassen können. Bei dem Altersunterschied hier könnten das alles meine Kinder sein. Ich bringe meine Erfahrung ein und die anderen ihre frische Sichtweise – die ich vielleicht nicht mehr habe, weil ich nicht mehr in Clubs rumhänge.

Wie viel Club steckt in Ono?

Die Jungs stecken hinten auf das Fahrzeug immer so eine Discosounddingmaschine, und dann geht die Post ab. (lacht)

Wie viele Freiheiten hast du also beim Design von Ono?

Ich habe immer versucht, mir die Freiheiten zu nehmen. Ein Design zu machen ist so schwer. Es gibt keinen faktischen Grund, warum etwas so aussieht, wie es aussieht. Man muss es reifen lassen. Und wenn man für etwas gerade stehen soll, dann geht das nur, wie man es für richtig hält. Im Team arbeiten und als Diktator entscheiden – das ist die einzige Möglichkeit.

Ono kommt demnächst auf den Markt. Arbeitet ihr danach direkt an der nächsten Generation?

Zuerst arbeiten wir an weiteren Varianten für den schon entwickelten Container, etwa für Stückgut oder die Aufgaben der Stadtreinigung. Und dann wird es weitere Produkte geben, für weitere Zwecke. Wenn wir Rückmeldung vom Markt haben, wird es Facelifts geben.

Inwieweit geht dieses Feedback von Firmenkunden schon jetzt in das Produkt ein?

Wir entwickeln das Produkt zusammen mit den Fahrern und Flottenmanagern der Kunden. Wir sehen uns also nicht als Entwickler des ultimativen Fahrzeugs, vor denen alle niederknien müssen.

Bild: Ono; Mitarbeit und Video: Marco Weimer

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