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Was im Winter mit den E-Tretrollern passiert

Die kalte Jahreszeit ist für Scooter-Startups eine Herausforderung. Dennoch wollen die meisten Anbieter ihre Fahrzeuge auf der Straße lassen.

Die ersten 100 Tage auf deutschen Straßen haben die großen E-Scooter-Verleiher Lime, Tier, Circ und Co. hinter sich. Ob ihr Geschäftsmodell auch die Wintermonate überdauern kann, müssen sie allerdings noch beweisen. Mikromobilität gilt als saisonales Geschäft: Mit den Temperaturen sinkt gewöhnlich die Nachfrage. Hinzu kommen zusätzliche Kosten aufgrund des erhöhten Unfallrisikos bei Nässe und Glätte. Einige Verleiher, etwa das Roller-Startup Coup oder der Fahrraddienst Byke, nehmen ihre Fahrzeuge daher im Winter von der Straße.

Die Mehrheit der E-Scooter-Verleiher will aber offenbar keine Winterpause einlegen, wie eine Umfrage von Business Insider bei allen sechs in Deutschland aktiven Startups zeigt.

Mindestens vier Anbieter wollen E-Scooter auf der Straße lassen

Das deutsche Startup Tier sieht E-Scooter-Sharing ebenfalls als Ganzjahresgeschäft. „Wir stellen uns darauf ein, dass es im Winter weniger Nutzer werden, aber immer noch so viele, dass wir den Betrieb regulär aufrechterhalten“, sagt Tier-Sprecher Bodo Braunmühl zu Business Insider.

Bei extremen Witterungsbedingungen, etwa Eis und Schnee, behalte man sich allerdings die Sperrung der E-Scooter vor, sodass man sie über die App nicht mehr ausleihen kann. In Wien, wo Tier schon seit Oktober 2018 aktiv ist, sei das im vergangenen Winter an fünf Tagen vorgekommen. Zudem will das Startup die Scooter auch technisch für die Winterverhältnisse aufrüsten — Details dazu nannte Braunmühl aber nicht.

Konkurrent Circ äußerte sich ähnlich zum Winterbetrieb. Die E-Scooter seien prinzipiell so konzipiert, dass man sie das ganze Jahr fahren könne. Je nach Wetter passe man die Flottengröße an, vermutlich werde es sogar aufgrund von Eis und Glätte „einige Tage in den Wintermonaten geben, an denen in einzelnen Städten unsere Roller nicht ausgeliehen werden können“.

In den USA und Skandinavien machen die E-Scooter-Startups keine Winterpause

Genauso will es auch der US-amerikanische Anbieter Bird handhaben, der sich erst im August auf den deutschen Markt wagte. Lime und die Uber-Tochter Jump, die ebenfalls aus den USA kommen, ließen die Anfrage von Business Insider unbeantwortet.

Limes Kälte-Strategie in den US-Städten, wo der Anbieter schon einen Winter erlebt hat, deuten allerdings darauf hin, dass er wohl auch in Deutschland den Betrieb aufrecht erhalten wird. Wie die Zeitung Financial Times berichtet, hat Lime im vergangenen Jahr die Flotten in kälteren Regionen reduziert und die E-Scooter teilweise in den wärmeren Süden umverteilt.

Was sich bei den E-Scootern dringend ändern muss

E-Scooter sind beliebt, sorgen aber auch weiter für Ärger in den Städten. Mit wenigen Änderungen ließe sich das Problem lösen.

Der schwedische Anbieter Voi verwies darauf, dass man das Wintergeschäft schon erfolgreich in Skandinavien getestet habe. „Was wir gesehen haben ist, dass die Menschen auch im Winter nachhaltig und elektrisch unterwegs sein wollen“, sagte Voi-Sprecher Mar Brüggemann zu Business Insider. In Deutschland erwarte man eine ähnliche Nachfrage. Das Startup empfiehlt, dabei einen Helm zu tragen.

Zumindest rein technisch scheinen die meisten E-Scooter den harschen Witterungsbedingungen standzuhalten. „Dass es klappt, sehen wir am Beispiel Wien, wo bereits die erste Wintersaison 2018/2019 gut gemeistert wurde“, sagt Lars Zemke, Vorsitzender des Bundesverbands Elektrokleinstfahrzeuge, zu Business Insider. Wasserkontakt sowie Salz und Granulat seien aufgrund der robusten Bauweise der Tretroller in der Regel kein Problem. Heutige Lithium-Ionen Akkus würden sogar Temperaturen bis -15 Grad aushalten.

Auch aus Fahrersicht hält Zemke den Winterbetrieb grundsätzlich für unbedenklich, sofern man zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen treffe und die Straßenbedingungen prüfe. „Speziell im Bereichen mit Kopfsteinpflaster ist mit einem erhöhten Risiko bei Reif, Glätte und Schnee zu rechnen. Neben der Witterung ist es auch wichtig gut sichtbar in dieser dunklen Jahreszeit im Straßenverkehr zu sein.“

Bild: Getty Images/ BRENDAN SMIALOWSKI / Kontributor

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.
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