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Der Ex-Uber-Manager mit dem Kick für die E-Mobilität

Sein Wechsel von Lyft zum Rivalen Uber sorgte seinerzeit für reichlich Ärger. Auch Travis VanderZandens neues Projekt ist umstritten.

Rot, gelb, grün und blau. Deutsche Großstädter haben sich an die an der Straße stehenden Leihräder gewöhnt. Auch die E-Scooter-Flotten von Anbietern wie Emmy und Coup gehören längst ins Bild. In Santa Monica, Kalifornien, gibt es jetzt eine weitere Art von Sharing-Fahrzeugen: Tretroller. Mit E-Motor.  

Verteilt wurden sie seit September 2017 von dem US-Startup Bird, hinter dem Travis VanderZanden steht. Der Gründer ist kein Unbekannter in der amerikanischen Mobility-Szene. Bis September 2016 war VanderZanden bei Uber für das internationale Wachstum zuständig, zuvor COO beim Rivalen Lyft, an den er 2013 sein Autowasch-Startup Cherry verkauft hatte. Der Wechsel zum größten Wettbewerber auf dem Ridesharing-Markt nahm Lyft damals nicht einfach hin. Das Unternehmen beschuldigte VanderZanden, damit gegen seine Vertraulichkeitspflichten verstoßen zu haben. Mittlerweile ist der Streit beigelegt, worauf sich die Parteien geeinigt haben, ist nicht bekannt.

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Trotz der turbulenten Jahre, die hinter ihm liegen: Die Frage, wie Menschen am effizientesten von A nach B kommen, hat VanderZanden nicht losgelassen, wie er gegenüber dem US-Magazin TechCrunch sagte. Über Monate habe er eine ganze Reihe an emissionsarmen Kleinfahrzeugen für die Stadt getestet und sich für die elektrischen Kickboards entschieden, die er selbst lieber „Mini-Tesla" nennt. Für sein Unternehmen hat er eine ganze Reihe weiterer Ex-Uber und Lyft-Mitarbeiter abgeworben.

Nicht überall kommen die E-Kickboards gut an

Innerhalb des vergangenen halben Jahres seien mehr als 1.000 „Birds“, wie die elektrischen Tretroller auch genannt werden, in Santa Monica westlich von Los Angeles verteilt worden. Die knapp 25 km/h schnellen Kickboards mit Elektromotor können Pendler per App aufschließen, eine halb Stunde Fahren kostet einen Dollar, jede weitere Minute 15 Cent. Feste Abholstationen oder Parkplätze gibt es nicht, die Nutzer können die Fahrzeuge direkt an ihrem Ziel abstellen. Voraussetzung für die Fahrt mit dem E-Scooter ist ein Führerschein, Helm könnten ausgeliehen werden, schreibt das Startup auf seiner Website. In Kalifornien ist das Pflicht.

Die flinken Zweiräder sind beliebt. In den ersten Monaten hätten 50.000 Menschen einen Bird-Roller ausgeliehen, heißt es in dem TechCrunch-Bericht. Insgesamt 250.000 Fahrten seien absolviert worden.

Allerdings: Nicht bei allen kommen die neuen Sharing-Fahrzeuge gut an. Der Bürgermeister von Santa Monica, Ted Winterer, beschwerte sich jüngst gegenüber der Washington Post: VanderZanden habe erst Kontakt zu ihm aufgenommen, als die Roller schon auf der Straße gewesen seien. Und das nicht etwa persönlich, sondern per LinkedIn. Er habe den Gründer darauf hingewiesen, dass noch eine ganze Reihe rechtlicher Fragen zu klären seien, so Winterer. Laut Bericht gibt nicht nur rechtliche Probleme mit den E-Kickboards, sie waren unter anderem auch in acht Unfällen verwickelt – allein im Januar und Februar. Außerdem sollen sich Anwohner über die im Weg stehenden Scooter beschwert haben.

Bird-Gründer Travis VanderZanden

VanderZanden reagiert auf die Vorwürfe gelassen. Seiner Darstellung nach hat er schon früh den direkten Kontakt mit den zuständigen Behörden gesucht. Wie bei jeder Innovation müsse man sich schließlich vor Markteintritt mit den Stadtvertretern treffen und gemeinsam besprechen, wie das Angebot in den bestehenden Rechtsrahmen integriert werden könne. Auch bestreitet er, dass die Stadt – entgegen ihrer eigenen Angaben – eine Klage gegen ihn eingereicht habe, heißt es. 

Investoren geben 15 Millionen

Ungeachtet aller Vorwürfe glauben die Investoren offenbar an das Geschäftsmodell von Bird. Kürzlich hat das Startup 15 Millionen Dollar eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von Craft Ventures, dem VC-Fonds des Seriengründers David Sacks. Der Kontakt zwischen Sacks und VanderZanden besteht schon lange. VanderZanden arbeitet vor der Gründung seines ersten Startups als Manager bei Yammer, einer Softwarefirma, deren CEO Sacks damals war.

Auch andere haben den Markt mit elektrischen Kleinfahrzeugen für sich entdeckt, die Konkurrenz auf dem Markt wächst. Vor wenigen Tagen erst hat der Bikesharing-Dienst Limebike angekündigt, in den USA und Europa elektrische Scooter auf die Straße bringen zu wollen. Floatility aus Hamburg ist bereits 2013 mit der Idee eines Sharing-Systems für elektrische Kickboards gestartet. Weil elektrische Kleinfahrzeuge allerdings in Deutschland verboten sind, ist das deutsche Startup bisher auf andere Märkte ausgewichen.

Die Stimmen, die sich für eine Lockerung des Gesetzes in Deutschland einsetzen, werden allerdings immer lauter. Es könnte also sein, dass die Sharing-E-Roller auch bald in Deutschland unterwegs sind. Sie lassen sich auf jeden Fall leichter auf dem Gehweg zur Seite rücken als ein Sharing-Fahrrad oder Motorroller.

Bild: Bird (beide)
 

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