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Elektrische Tretroller – in den USA gehypt, hierzulande verboten

Auch in Deutschland werden elektrische Tretroller immer beliebter. Erlaubt sind sie allerdings nicht. Was Unternehmer und Politiker davon halten.

Ein Tretroller mit elektrischem Antrieb – gut geeignet, um kurze Strecken zurückzulegen, wie wir bei einem Test festgestellt haben (siehe Video unten). In Kalifornien sind die sogenannten E-Floater der Mobility-Trend des Sommers. Das mit einer Milliarde US-Dollar bewertete Bird hat bereits Hunderte Fahrzeuge in US-Städten verteilt. Weitere Anbieter sind LimeBike und Spin.

In Deutschland sind die sogenannten E-Floater allerdings, bis auf wenige Ausnahmen, verboten. Wer sie im öffentlichen Straßenverkehr nutzt, macht sich strafbar und muss mit einem Bußgeld rechnen. 

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Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit eine Sonderrolle ein. Viele andere Länder wie Österreich, die Schweiz, Finnland, Norwegen, Belgien und Dänemark haben Elektro-Tretroller genehmigt – wenn auch teils mit Auflagen. Darunter fallen Geschwindigkeitsbegrenzungen, eine Vorderrad- und Hinterradbremse oder auch Front- und Rücklichter, über die der Roller verfügen muss. 

Weil ihnen der heimische Markt bislang weitgehend verschlossen bleibt, weichen einige deutsche E-Tretroller-Startups auf andere Länder aus: Walberg Urban Electrics arbeitet mit den Schweizerischen Bundesbahnen SBB zusammen. Ab Juli sollen die bis zu 20 km/h schnellen E-Floater als Sharing-Konzept angeboten werden. Ein anderes Startup, Floatility, ist in Singapur gestartet. Dort sind mehreren hundert Roller des Hamburger Unternehmens unterwegs, zunächst auf einem Firmengelände, wo sie die Mitarbeiter mieten können. In diesem Jahr will CEO Oliver Risse in Europa expandieren.

Hamburg drückt aufs Tempo

Doch den deutschen Markt hat Risse noch nicht aufgegeben. Er hofft, dass die drohenden Dieselfahrverbote den Druck auf die Kommunen erhöhen, emissionsarme Fahrzeuge in den Städten zuzulassen – für bessere Luft.

Hamburg haben die E-Floater-Startups bereits auf ihrer Seite: Die Hansestadt setze sich schon seit Langem gemeinsam mit anderen Bundesländern dafür ein, dass die Roller „eine ganz normale Straßenzulassung bekommen“, sagt Martin Huber, der das dortige Amt für Verkehr und Straßenwesen leitet, im Videointerview mit Gründerszene.

Passiert ist bisher allerdings noch nicht viel. Zwar erklärt das zuständige Bundesverkehrsministerium seit geraumer Zeit, den Betrieb elektrischer Kleinstfahrzeuge prüfen zu wollen. Doch dabei blieb es bislang. Vor Monaten hat das Ministerium bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) eine Studie in Auftrag gegeben. Mit ihr soll geprüft werden, welche Maßnahmen notwendig sind, um die straßenverkehrsrechtlichen Voraussetzungen für E-Floater im öffentlichen Verkehr zu schaffen. Die Ergebnisse werden allerdings bislang unter Verschluss gehalten.

In San Francisco ist die erste Euphorie über die elektrischen Flitzer derweil schon verflogen. Die Beschwerden wegen der überall herumliegenden Roller und über waghalsige Fahr-Manöver nehmen zu. Nachdem die Stadt bereits einige erfolglose Versuche zur Regulierung unternommen hat, gilt ab Anfang Juni eine neue Auflage, wie das US-Magazin Mashable berichtet: Die Betreiber müssen zunächst alle ihre Fahrzeuge einsammeln, andernfalls droht eine saftige Strafe in Höhe von 100 US-Dollar – pro Tag und Fahrzeug. Nur Unternehmen, die Ende Juni eine Genehmigung der Behörde erhalten, dürfen dann ihre Rolle wieder verteilen. Im Juni wird also auch in San Francisco der E-Floater-Boom vorbei sein. Zumindest vorerst.

Bild und Video: Marco Weimer

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