Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Warum der Autoreparaturdienst Caroobi auf Elektromobilität setzt

Festpreise für Autoreparaturen – mit dieser Idee konnte das Startup bereits BMW iVentures überzeugen. Auch bei der Ferndiagnose von E-Autos sieht das Startup Potenzial.

Caroobi, der digitale Vermittler für Reparaturterminen in Autowerkstätten, sieht in der Elektromoblität ein großes Potenzial. „Das ist extrem spannend“, sagt Gründer Mark Michl. Der Markt sei derzeit noch überschaubar und die angemeldeten Elektro-Fahrzeuge seien noch jung. Aber in zwei bis fünf Jahren sei das anders, hofft der Unternehmer.

Die Elektromobilität gewinnt in Deutschland nur langsam an Bedeutung. 3400 neue Fahrzeuge wurden im Dezember 2017 zugelassen. Das sind 1,3 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland, so eine Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). Allerdings: Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 155 Prozent. Insgesamt wurden 2017 etwa 25.000 Elektrofahrzeuge angemeldet. Zusammen mit dem Bestand dürften auf deutschen Straßen damit knapp 60.000 reine Stromer unterwegs sein.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Elektrozukunft für jede zweite Werkstatt

Die Erwartungen der Werkstätten gegenüber der Elektromobilität sind eher verhalten. Nur jeder zweite Kfz-Unternehmer sieht die Zukunft in der reinen Elektromobilität. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Kfz-Gewerbe 2020plus“ des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). In jedem zweiten Betrieb wird der Elektromotor als eine Übergangstechnologie für andere Motorarten gesehen. Viele Betriebe bemühen sich trotzdem, Elektrokunden zu finden, etwa indem sie eigene Elektro-Ladestationen betreiben und sich als Fachbetrieb für Hybrid- und Elektroautos zertifizieren lassen.

Insbesondere freie Werkstätten (rund 80 Prozent) sehen das klassische Werkstattgeschäft aufgrund der Elektroautomobile im Wandel, auch weil diese Autos wartungsärmer sind, so die Studie. Caroobi sieht diesen Trend anders: „Die Fahrzeuge werden immer komplexer“, sagt Mitgründer Nico Weiler. Der Austausch einer Windschutzscheibe könne wegen der zahlreichen darin verbauten Sensoren mittlerweile bis zu 1500 Euro kosten.

400 Vertragswerkstätten in Deutschland

Caroobi hat sich vorgenommen, den intransparenter und fragmentierter Markt der Werkstätten in Deutschland zu lichten. Das Startup hat seit seiner Gründung 2015 ein Netzwerk von 400 Werkstätten in Deutschland aufgebaut, die alle führenden Automarken reparieren. Eine Smartphone-App informiert die Nutzer über fällige Reparaturen. Kunden können per Chatbot Festpreise anfragen und Termine reservieren. Das Unternehmen ist als Meisterbetrieb der Kfz-Innung registriert und hat seinem Umsatz im vergangenen Jahr verzehnfacht, wie die Gründer stolz betonen. 

Über die Zukunft der Schrauber

Wie steht es in Zeiten von E-Autos um die Zukunft der klassischen Autowerkstatt? Haben die KFZ-Mechaniker künftig überhaupt noch zu tun? Wir haben ein Berliner Original besucht.

Großes Investoreninteresse 

Investoren sehen in dem Geschäftsmodell ein großes Potenzial. BMW iVentures führte Mitte 2017 eine Finanzierungsrunde über zehn Millionen Euro an. BMW will insgesamt 500 Millionen Dollar in Startups investieren – immer stärker auch im Silicon Valley.  

Ende 2016 hatten bereits Axel Springer Digital Venture, der Frühphasenfonds Cavalry Ventures und TA Venture einen einstelligen Millionenbetrag in das Unternehmen Caroobi gesteckt. Wieder mit dabei waren auch die Altinvestoren Cherry Ventures und DN Capital. Sie hatten sich bereits im April 2016 mit einer ungenannten Summe an dem Unternehmen beteiligt.

Die Branche sieht ihre Lage „unverändert positiv“, so der Geschäftsklimaindex des ZDK. Im vierten Quartal 2017 vermelden lediglich 1,9 Prozent der Kfz-Betriebe eine schlechte Auslastung der Werkstätten. Vor einem Jahr lag dieser Wert mit 2,0 Prozent auf dem gleichen niedrigen Niveau.

Zahl der Autowerkstätten sinkt

Dazu mag die Marktbereinigung beigetragen haben: Denn die Zahl der Autowerkstätten in Deutschland sinkt: Verzeichnete die Statistik im Jahr 2001 noch jeweils 23.000 Marken- und Freie Werkstätten, waren es 2016 nur 21 Marken- und 17.000 Freie Werkstätten. Insgesamt hat sich das Werkstattgeschäft erholt, wie Zahlen aus dem Jahr 2015 zeigen. Die Umsätze stiegen laut ZDK um 1,2 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro (2014: 29,9 Milliarden Euro).

Hinweis: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH gibt es hier: www.vmpublishing.com

Bild: Caroobi

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain