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Stromkonzern E.on erklärt, wie er Elektroautos versorgen will

Keine Angst vor dem Blackout: Der Netzbetreiber E.on hat ausgerechnet, wie stark E-Fahrzeuge das Stromnetz belasten und welche Investitionen das erfordert.

Die Elektromobilität kann kommen, findet der Stromnetzbetreiber E.on, der zehn Millionen Kunden mit elektrischer Energie beliefert. „Wir haben die Grenzen für unsere Netze ausgelotet“, sagt Vorstand Thomas König. Blackout-Ängste hält er für verfehlt.

Das Unternehmen hat in einem Stresstest das Szenario durchgerechnet, dass im Jahr 2045 alle 6,5 Millionen Privatfahrzeuge im Geschäftsgebiet des Konzerns elektrifiziert sind. Knapp die Hälfte der Autos zöge dann den Strom aus Ladestationen auf Privatgrundstücken. Hinzu kämen 200.000 Ladepunkte mit 50 kW im öffentlichen Raum und 25.000 Schnelladestationen mit 150 kW an Fernstraßen.

Allerdings hat E.on gegenüber anderen Netzbetreibern einen großen Vorteil: Sein Geschäftsgebiet liegt überwiegend im ländlichen Raum. Dort gibt es einen hohen Anteil von Einfamilienhäusern, was ein dezentrales Laden von Elektroautos ermöglicht. In Städten und erst recht in Metropolen sieht das anders aus.

2,5 Milliarden Euro Investitionen

Der Energiebedarf – und damit auch die zu erwartenden Investitionen in die Infrastruktur – werden sich nach Königs Prognosen in Grenzen handeln. „Denn private Pkw legen pro Tag im Durchschnitt nur 40 Kilometer zurück.“ Das Unternehmen setzt zudem auf ein intelligentes Lademanagement, das Spitzen im Lastprofil privater Haushalte abfedert, indem das Laden in die Nacht verschoben wird und nicht in den ohnehin verbrauchsintensiven Abendstunden stattfindet.

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Der Netzbetreiber rechnet mit Investitionen von 2,5 Milliarden Euro für Elektromobilität, wobei zwei Drittel in neue Trafo-Stationen und ein Drittel in stärkere Leitungen fließen werden. Intelligentes Laden könnte nach Berechnungen der E.on den Investitionsbedarf in die Netzinfrastruktur deutlich senken: von 400 auf 180 Euro pro Fahrzeug und Jahr – immer unter der theoretischen Voraussetzung, dass alle Fahrzeug elektrisch angetrieben werden. Zudem wären Anreize für Kunden denkbar, die das Laden einem Algorithmus überlassen und dadurch das Netz schonen.

Überschaubarer Energiebedarf

Auch gesamtwirtschaftlich gesehen ist der Energiehunger der Elektroautos überschaubar: „Legt man eine Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometer pro Auto sowie einen Energieverbrauch von 20 Kilowattstunden pro hundert Kilometer zugrunde, sind 3000 Kilowattstunden pro Jahr erforderlich“, sagt König. Pro Million Elektro-Pkw in Deutschland bräuchte man rechnerisch also 3 Terawattstunden (TWh). Zum Vergleich: In Deutschland werden jährlich mehr als 200 TWh Grünstrom in Netze eingespeist – also ein Vielfaches dessen, was für Elektromobilität im privaten Sektor erforderlich wäre.

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Wie schnell Autofahrer in Deutschland auf Elektrofahrzeuge umsteigen werden, weiß niemand. „Es gibt mehr Skepsis als in Skandinavien, aber werden hier in den nächsten fünf Jahren erhebliche Fortschritte sehen“, zeigt sich König zuversichtlich. Er rechnet mit einer Vorbildfunktion elektrifizierte Fahrzeugflotten – also im Sharing oder in der Warenlogistik. „Da wird es einen Ansteckungseffekt geben“, sagt König.

Ein Problem für den Erfolg der Elektromobilität könnten dagegen die Strompreise werden: In das E.ON-Netz werden 20 Prozent mehr Grünstrom eingespeist als Energie insgesamt verbraucht wird, sagt Thomas König. Das treibt durch die EEG-Umlage, die der Netzmanager gerne abgeschafft sähe, den Strompreis in die Höhe. „Wir müssen Grünstrom günstiger machen“, sagt König. „Das Gesamtsystem der Strompreise müssen wir komplett reformieren.“

Energiewende ist ins Stocken geraten

Wie umweltverträglich derUmstieg auf die Elektromobilität vonstatten geht, ist indes fraglich. „Wir werden die Klimazeile nur erreichen, wenn wir die Produktion von Grünstrom ausbauen“, sagt König. Das gehe nicht ohne neue Flächen für Windkraft und Photovoltaik. Kohlekraftwerke abzuschalten und die dadurch entstehende Deckungslücke im Ausland einzukaufen, könne nicht die Lösung sein. Sein Fazit: „Die Energiewende ist ins Stocken geraten. Sie bedarf der Wiederbelebung, wenn wir die gesetzten Klimaziele ernst nehmen.“

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Bild: E.on

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