Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Alle 30 Tage ein anderer Wagen – diese Gründer vermitteln Autos im Abo

Fünf Würzburger Gründer wollen Autofahrern mit einem Abo-Modell für Fahrzeuge mehr Flexibilität bieten. Von diesem Konzept sollen auch die Händler profitieren.

Kaufen oder leasen ist out. Verbraucher wollen künftig ein Auto im Abo. Das zumindest glauben die Gründer von Faaren. Alle 30 Tage können Kunden des Würzburger Mobility-Startups das Fahrzeugmodell wechseln. „Die Kunden von Morgen fordern Einfachheit und Flexibilität in allen Lebensbereichen“, glaubt Daniel Garnitz, einer der fünf Faaren-Gründer. Bei Faaren sollen sie das für jede Situation passende Modell finden: einen Cabrio für warme Sommertage, eine Familienkutsche für den Sommerurlaub und einen Kleinwagen für den Alltag.

Mitte November ist das Angebot live gegangen, bisher ist das Auto-Abo nur in Würzburg verfügbar. Dort arbeitet das Startup mit einem Autohändler zusammen, der einen Teil seiner Fahrzeugflotte über die Faaren-Plattform anbietet. Dazu gehören Gebrauchtwagen der Marken Audi, Skoda und Volkswagen. Der Preis für das monatliche Abo-Angebot hängt vom jeweiligen Fahrzeugmodell, der gebuchten Kilometerzahl und der gewünschten Laufzeit ab.

Jahreswagen und Dieselfahrzeuge

Derzeit sind 23 Autos über die Plattform des Startups buchbar (Stand: 3. Dezember 2018), bezahlt wird per Kreditkarte oder Lastschrift. Für einen Volkswagen Up! fallen knapp 400 Euro monatlich an, ein VW Passat liegt bei etwa 900 Euro pro Monat. Im Preis für den Kunden sind 1.250 monatliche Freikilometer, außerdem Steuern, Zulassungsgebühren, Versicherung sowie Instandhaltungskosten enthalten. Sprit muss der Autofahrer selber zahlen. Zudem beträgt die Selbstbeteiligung im Schadensfall 1.000 Euro. Garnitz gibt an, dass sein Startup monatlich pro abgeschlossenem Auto-Abo eine Gebühr vom Händler erhalte. Deren Höhe variiere je nach Fahrzeugwert und Abo-Laufzeit, sagt er.

Kunden können das bestellte Fahrzeug bei dem Würzburger Autohaus abholen, auch eine Lieferung an den Arbeitsplatz oder nach Hause sei möglich, wirbt das Startup. Der Autohändler erhofft sich von der Zusammenarbeit mit dem Startup zusätzliche Einnahmen: „Damit wandeln wir schlafendes in fahrendes Kapital um“, sagt Verkaufsleiter Englert einem Branchenmagazin. Bei den Fahrzeugen handelt es sich demnach um Jahres- und Vorführwagen, Leasingrückläufer oder Dieselfahrzeuge. Sie lassen sich in der Debatte um Fahrverbote schwieriger vermarkten als früher. Neuwagen sollen im Laufe des kommenden Jahres über Faaren verfügbar sein, kündigt Garnitz an. 

Investment für den Marktstart

Gegründet wurde Faaren, das aus einem Uni-Projekt hervorgegangen ist, im Sommer 2018 von Daniel Garnitz, Maximilian Renoth, Konstantin Stenzel, Eike Ben Seifert und Fabian Hagen. Zunächst finanzierte sich das Team durch eigene Ersparnisse sowie aus dem Freundes- und Familienkreis. Jetzt haben die Gründer einen Investor an Bord geholt. Die Unternehmensberatung Enowa hat im Rahmen einer Pre-Seed-Runde in das junge Unternehmen investiert, über die genaue Höhe der Finanzierung schweigt das Startup.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Die Hersteller BMW, Mercedes und Porsche experimentieren ebenfalls mit Abo-Modellen, bei denen Kunden zwischen verschiedenen Fahrzeugmodellen wechseln können. In den USA verleast das mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertete Startup Fair des deutschen Ex-Automanagers Georg Bauer verschiedene Automodelle über eine App. Innerhalb von drei Tagen können die Kunden ihr Fahrzeug dort gegen ein anderes eintauschen. Das Münchner Startup Cluno lässt Autofahrer alle sechs Monate das Modell wechseln.

Wie die Faaren-Gründer glauben auch diese Anbieter: Die Kunden wollen mehr Flexibilität, der Besitz eines Fahrzeuges verliert zunehmend an Bedeutung. Ob sich diese Prognose bewahrheitet? In den ersten zehn Monaten dieses Jahres ist die Zahl der verkaufen Pkw laut Kraftfahrtbundesamt im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent gestiegen – trotz des Dieselskandals und strengeren Umweltauflagen.

Wie sich Menschen in den Metropolen der Zukunft bewegen

2050 werden 70 Prozent der Menschen in Mega-Citys leben. Das stellt die Mobilität vor neue Herausforderungen. Wie kann das funktionieren?

Bild: Faaren; Mitarbeit: Elisabeth Neuhaus

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain