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Milliarden-Umsatz mit Fahrerassistenz-Systemen

26 Jahre brauchte das ABS von der Markteinführung bis zum Serieneinsatz. Moderne Fahrassistenten könnten sich schneller durchsetzen. Nur so wird autonomes Fahren Realität.

Elektronische Helfer sind aus dem Auto nicht mehr wegzudenken. ABS, ESP und Tempomat sind für Autofahrer inzwischen selbstverständlich geworden. Auch Parkassistenten, die bei zu geringem Abstand piepsen, gehören weitgehend selbst in Kleinwagen zur Serienausstattung. Auch kompliziertere Assistenten sind stark auf dem Vormarsch. Der Zulieferer Bosch hat sich die Neuzulassungsstatistik 2016 des Kraftfahrt-Bundesamtes angesehen. Neuere Daten hat die Behörde bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht vorgelegt.

So sind 62 Prozent der in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge mit Parkassistenten ausgestattet. Notbremssysteme, die den Fahrer warnen oder das Auto bei Gefahr gar zum Stillstand bringen, rangieren mit 38 Prozent auf dem zweiten Platz. Bei einem Viertel der neuen Autos ist dieser Assistent serienmäßig.

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Abstandstempomaten sind beliebt

Den größten Zuwachs erzielten Spurhalte-Assistenten. Sie waren 2016 in doppelt so vielen Neuwagen eingebaut wie ein Jahr zuvor. Einen ähnlichen Boom erleben die Abstandstempomaten (ACC), die 2013 gerade einmal in vier Prozent der Fahrzeuge eingebaut waren und 2016 in jedem fünften Neuwagen.

Relativ neu auf dem Markt sind Stauassistenten, die als erste teilautomatisiertes Fahren erlauben. Ungefähr jeder zweite der mit ACC ausgestatteten Neuwagen hat diese Funktion integriert (neun Prozent).

Interessant ist auch der Europa-Vergleich: In Belgien und den Niederlanden sind Notbremssysteme stärker verbreitet als in anderen EU-Ländern (39 Prozent). In Italien und Russland sind Assistenten am seltensten eingebaut. Bei den Parkassistenten erreicht Frankreich den Spitzenplatz (67 Prozent).

Wie langwierig die Einführung von Fahrassistenten sein kann, lässt sich anhand des Antiblockiersystems zeigen. 26 Jahre vergingen zwischen dem ersten Einsatz in Flugzeugen in den USA und der Markteinführung durch Bosch 1978 in Deutschland. Weitere 26 Jahre vergingen, bis sich die Autoindustrie selbst verpflichtete, das ABS serienmäßig bei Neuwagen einzuführen. Zwischenzeitlich mussten Autofahrer vierstellige Aufpreise für das Extra ABS zahlen. Anfangs war die Technologie nur für die Oberklasse verfügbar.

Fahrerassistenz-Systeme bringen zwei Milliarden Umsatz

Assistenzsysteme sind für Unternehmen wie Bosch ein wichtiger Umsatzbringer: Für 2019 wir ein Überschreiten der Schwelle von zwei Milliarden Euro erwartet. 2016 betrug der Umsatz eine Milliarde Euro.

 

Umstritten ist, wie sich die Assistenten auf die Unfallzahlen auswirken. Eine Studie des Gesamtverbandes der Autoversicherer erwartet, dass bis 2035 Entschädigungsleistungen der Kfz-Versicherung um 6,2 bis 15,9 Prozent sinken werden, in der Kfz-Haftpflicht um 9,3 bis 20 Prozent und in der Kaskoversicherung um 2,8 bis 7,3 Prozent. Eine Vielzahl der Schäden können durch Assistenzsysteme nicht beeinflusst werden, heißt es dort. Bosch hat dagegen errechnet, dass Notbremssysteme bis zu 72 Prozent aller Auffahrunfälle mit Personenschaden in Deutschland vermeiden könnten.

Grafik: Michel Penke
Bild: Bosch 

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