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Diese Gründer wollen das Rad neu erfinden

Ein Magdeburger Startup will im März ein Hightech-Fahrrad auf den Markt bringen – und Hipster vom Spaß am Strampeln überzeugen. Andere sind mit dieser Idee gescheitert.

73 Millionen – So viele Fahrräder gibt es laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in Deutschland. Statistisch gesehen besitzt also die Mehrheit der Deutschen bereits ein Rad. Das Magdeburger Startup Urwahn Engineering wagt sich trotzdem auf den schwierigen Markt.

Die drei Gründer Sebastian Meinecke, Konrad Joerss und Ramon Thomas haben ein neues Fahrrad für die Stadt entwickelt – und wollen damit auch Techies von der Zweirad-Mobilität überzeugen. Eine der Besonderheiten an dem Fahrzeug: ein im Rahmen integriertes LED-Licht- und GPS-Tracking-System. Letzteres soll das Rad auch vor Diebstahl schützen. Sobald das Bike von seinem Standort entfernt wird, schlägt eine auf dem Smartphone des Fahrradbesitzers installierte App Alarm. Anbauteile wie der Sattel und Lenker sind ebenfalls vor der Entwendung geschützt und speziell verplombt. 

Durch die neu konzipierte Baustruktur werden außerdem Instand- und Wartungsarbeiten auf ein Minimum reduziert, versprechen die Gründer. Ein Zahnriemen-System ersetze den traditionellen Kettenantrieb, lästige Knarzgeräusche und das stetige Ölen entfielen damit. Im Frühjahr soll die erste Serie mit bis zu 100 Stück an den Start gehen.

„Was unsere Modelle darüber hinaus von der Masse abhebt, sind die neuartige Baustruktur und der Wektstoff des Rahmens“, sagt Mitgründer Sebastian Meinecke im Gespräch mit NGIN Mobility. „Durch die elastische Aufhängung des Hinterrads können Fahrbahnstöße durch Ausnutzung der Geometrie und werkstoffseitig kompensiert werden.“ Entgegen der Massenindustrie werde jedes Rad regional produziert, wobei softwarebasiert die Positionsmaße des Fahrrads an die individuellen Körperbauproportionen des Besitzers angepasst werden könne.

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Das Hipster-Rad hat seinen Preis

Ein Wermutstropfen: der Preis. Das Basismodell ohne Licht, Gangschaltung und GPS-Tracking kostet 3.200 Euro. Mit allen Extras schlägt das Rad mit 4.200 Euro zu Buche.

Die drei Ingenieure, selbst absolute Fahrradfans, haben sich bisher über Förderungen des Landes Sachsen-Anhalt und der Europäischen Union finanziert. Vor Kurzem sammelte die Fahrradmanufaktur erstmals Wagniskapital ein. Der Berliner VC bmp schüttete 350.000 Euro an Urwahn aus. Mit dem Geld wollen die Gründer die erste Serie finanzieren und die Internationalisierung vorantreiben.

Zum Markteintritt im März planen die Drei eine Crowdfunding-Kampagne auf dem Portal Kickstarter. Die soll nicht nur weiteres Kapital in die Kassen spülen, sondern vor allem die Marke bekannter machen, heißt es von den Gründern.

Derzeit entdecken viele Startups die Fahrradbranche für sich – und wollen dabei insbesondere von dem E-Bike-Boom profitieren. Denn während der Absatz auf dem Markt insgesamt leicht zurückgeht, stieg die Zahl der E-Bike-Verkäufe im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 680.000 verkaufte E-Bikes an. Beispielsweise entwickelt das junge Münchner Unternehmen Fazua einen Elektromotor für Räder und hat dafür vor rund einem Jahr Millionen eingesammelt. Das Frankfurter Startup Cobi indes wurde im Herbst 2017 vom Elektronikriesen Bosch übernommen. Doch nicht alle haben Erfolg. Vor einem Jahr scheiterte das E-Bike-Startup Freygeist – und legte damit eine der bislang größten Crowdfunding-Pleiten in Deutschland hin: 2015 hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin 1,5 Millionen Euro über Companisto eingesammelt.

Bild: PC - Urwahn Engineering GmbH

 

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