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Warum der Qype-Gründer seine Flughafen-App verkauft

Dreimal haben die Flio-Macher das Produkt stark überarbeitet. Der Durchbruch kam nie. Jetzt übernimmt ein italienischer Reise-App-Anbieter das Startup.

Die Pläne sind groß gewesen. 2015 zeigte sich Stephan Uhrenbacher noch überzeugt davon, dass seine Flughafen-App Flio größer werden könne als Qype. Uhrenbacher hatte die Bewertungsplattform 2005 gegründet und später für 50 Millionen US-Dollar an den US-Konkurrenten Yelp verkauft. Spätestens jetzt steht fest, dass der Seriengründer dieses Wachstumsziel verfehlt hat. In einem Blogbeitrag hat Uhrenbacher erklärt, dass Flio an das italienische, börsennotierte Unternehmen Sostravel.com S.p.A. verkauft werde. Sostravel hatte die Übernahme letzte Woche bekanntgegeben.

Demnach zahlt der neue Eigentümer für den Deal 300.000 Euro plus eine variable, umsatzbasierte Komponente bis Ende 2021. Die Übernahme bedeute für Flio-Nutzer, dass sie die App weiter verwenden können, so Uhrenbacher in dem Blogpost. Darin beschreibt er, wie die App von einer Wlan-Login-Hilfe an Flughäfen erst zu einem Rabatt-Dienst, dann zu einem Flugtracker und anschließend zu einem Assistenten wurde, der die Abflugzeit sowie Wartezeiten am Flughafen vorhersagen soll.

Durch die vielen strategischen Richtungswechsel, sogenannte Pivots, habe Flio aber zu viel Zeit verloren, so Uhrenbacher. Gleichzeitig verloren Investoren, die ohnehin nie in Massen zu dem Startup geströmt waren, das Interesse. Die Kosten, Nutzer in die App zu bekommen, seien zwar „super niedrig“ gewesen, diese Nutzer seien dann aber nicht dabei geblieben. In der Sostravel-Mitteilung heißt es, Flio zähle 140.000 monatlich aktive User.

Im Juni sei klar gewesen, dass das Unternehmen nicht so schnell an frisches Geld kommen würde. Die britische Flio Ltd. befinde sich deshalb jetzt „in administration“, so Uhrenbacher. Sie wird also liquidiert. Während Sostravel von dort nur einzelne Assets wie die Webseite und die Marke übernimmt, wird die deutsche Tochter Flio Germany GmbH komplett gekauft. Im Gespräch mit Gründerszene kündigt Ex-Flio-CMO Roman Bach eine neue Version der App für Ende Juli an. Bach ist über seinen VC Brook an Flio beteiligt. Uhrenbacher verweist bei Fragen zu Flio auf seinen ehemaligen Marketingchef. 

Alles wird digital – nur die etablierte Luftfahrt nicht

Überall wird eine Innovation nach der anderen vorgestellt. Nur die Airlines scheinen am digitalen Kundenservice kein Interesse zu haben. Das muss sich ändern.

In seinem Blogpost schreibt der Gründer, dass er nun Zeit habe, sich als Mentor und Investor auf Startups aus dem Bereich Deep Tech zu konzentrieren, wofür er sich „massiv begeistere.“ Flio, 2014 gegründet, sei das erste Startup seiner Karriere, mit dem er – ebenso wie seine Investoren – Geld verloren hätte. Insgesamt habe Flio circa 4,5 Millionen Euro sowie Wandeldarlehen in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro erhalten, sagt Investor Bach.

In sechs Punkten fasst Uhrenbacher am Ende seines Beitrags zusammen, welche Lehren er aus Flio zieht und was er anderen Gründern rät. Ein Tipp: „Wenn all deine Venture-Capital-Freunde Nein sagen, könnten sie dafür einen anderen Grund haben, als es ‚nicht zu kapieren‘?“

Bild: Stephan Uhrenbacher

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