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„Ich habe lieber Flixbus als einen Doktortitel“

Ihr habt euch gegen die Konkurrenz durchgesetzt, mehrere Wettbewerber übernommen. Das war sicherlich teuer. Wie viel Geld habt ihr von Investoren bislang eingesammelt?

Wir kommunizieren leider weder Bewertung noch Investitionssummen. Da sind wir auch eine Besonderheit, glaube ich (lacht).

Warum sprichst Du nicht darüber?

Das ist eine Überzeugungssache, dass es nicht darum geht, wie viel Geld ich einsammle oder was das Unternehmen auf dem Papier wert ist. Das ist kein Erfolg an sich. Ich bin stolz  darauf, dass wir jetzt schon 60 Millionen Menschen befördert haben und das ist ein wirklicher Wert. Es geht darum, was wir aufgebaut haben und darüber reden wir auch offen. Wir sind als Unternehmen nicht verschlossen, wir wollen nur über die richtigen Sachen diskutieren: Wo geht das Unternehmen hin, was sind die Pläne?

Wie sieht es mit einem möglichen Börsengang aus?

Es gibt keinerlei Ambitionen. Wir sind privat finanziert und zufrieden mit unseren Investoren und wie es gerade läuft. Wir haben jetzt weder Finanzierungsbedarf noch einen anderen Grund, an die Börse zu gehen.

Mittlerweile gilt Flixbus als Monopolist in der Branche. Wie siehst du das?

Klar, wir kennen die Diskussion, dass wir als neuer Monopolist gesehen werden. Aus meiner festen Überzeugung heraus sind wir das allerdings nicht. Die Kunden haben weiterhin eine große Auswahl bei den Verkehrsmitteln: Bahn, Flieger, Mitfahrgelegenheiten und Individualverkehr. Das ist ein super harter Wettbewerb für uns. Ich glaube, es ist eine natürliche Tendenz, dass der Markt für Fernbusse da einen starken Spieler hervorbringt. Ich bin froh, dass wir dieser Spieler sind. Gegenüber dem Wettbewerb anderer Mobilitätsanbietern lässt sich kein attraktives Angebot aufbauen, wenn es viele kleine Fernbusangebote gibt. Dann hast du kein großes, zusammenhängendes Netz.

Wann wird Flixbus profitabel?

Wir haben im deutschsprachigen Raum im vergangen Jahr profitabel gearbeitet. Im Gesamtunternehmen sind wir noch nicht profitabel, solange wir weiter in neue Märkte expandieren. Im deutschsprachigen DACH-Raum werden wir trotzdem weiter die Profitabilität halten.

Es gibt Kritik, dass die Preise seit der letzten Fusion bei Flixbus gestiegen sind. Auf der anderen Seite werden Bahnfahrten günstiger.

Seit der Fusion hat es keine signifikante Preissteigerungen gegeben. Da unsere Busse schneller ausgebucht sind als früher, sind einfach die günstigeren Tickets schneller vergriffen. Wenn du die Preise zwischen der Bahn und uns vergleichst, sind wir im Schnitt immer noch 30 bis 50 Prozent günstiger. Wir haben einen Wettbewerbsdruck auf andere Verkehrsanbieter ausgeübt – das ist definitiv so. Und die Bahn hat sich Gedanken gemacht, wie sie selbst mit ihren Sparangeboten attraktivere Preise anbieten kann. Für den Reisenden ist das aber insgesamt eine positive Entwicklung.

Wird es bald unterschiedliche Preisstufen bei Bussfahrten geben – so etwas wie eine Business-Class?

Es gibt Überlegungen, wie wir mehr Services im Bus anbieten können. Dazu gehört das Thema, wie ich meinen Sitzplatz wähle. Es gibt Leute, die wollen am Tisch sitzen und arbeiten, andere wollen zusammen sitzen. Und irgendwann differenzieren wir zwischen günstigen Tickets, die im voraus gebucht werden, und flexiblen Tickets mit Sitzplatzreservierung. Das wird nicht morgen kommen, aber daran arbeiten wir.

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Warum gab es die Umbenennung in die FlixMobility GmbH? Das klingt danach, als würde es bald mehr als nur Fernbusse geben.

Wir wollten uns von einem deutschen Startup zu einem europäischen Unternehmen entwickeln und das auch in der Gesellschaftstruktur wiederspiegeln. Wir haben uns entschieden, es in Mobility umzubenennen, um es ein Stück weit vom operativen Geschäft zu differenzieren. Wir können uns auch durchaus vorstellen, mal andere Verkehrsmittel anzubieten. Die meisten Menschen wollen von A nach B und sehen uns als einen Weg für dieses Mobilitätsbedürfnis. Wir arbeiten auch schon punktuell mit privaten österreichischen und tschechischen Bahnbetreibern sowie Fähranbietern zusammen.

Gibt es auch Kooperationen in Deutschland?

Aktuell noch nicht mit anderen Bahnbetreibern. Wir arbeiten aber mit ÖPNV-Anbietern zusammen, um Anschlusstickets gleich mit anzubieten, etwa bei den Kölner Verkehrsbetrieben.

Wenn man meinfernzug.de eingibt, landet man auf eurer Homepage. Wird ein zweites Locomore kommen?

(lacht) Sehr gut geschaut. Nein, wir wollen uns nur absichern. Wahrscheinlich haben wir schon einige andere Mobilitätsträger als Domain gesichert. Ich kann dazu aber nichts Genaues sagen.

Danke für das Interview, André!

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Bild: Flixbus

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