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Bald zu verkaufen: Flugautos kurz vor dem Markteintritt

Bald werden die ersten Flugautos auf dem Massenmarkt verkauft. Auf der Elektronikmesse CES konnten Besucher schon mal im Simulator üben. Fazit: relativ leicht zu steuern.

Die Verwandlung dauert nur wenige Minuten. Zwei Rotorblätter entfalten sich, ein Leitwerk fährt aus dem Heck, ein Propeller klappt auf. Dann ist der Pal-V kein Auto mehr – sondern ein kleines Flugzeug. Die Ingenieure der gleichnamigen Firma aus den Niederlanden wollen die Ersten sein, die eine Vision wahr machen, die bisher nur in Science-Fiction-Filmen existiert: einen fliegenden Wagen für jedermann.

Noch wird der Pal-V nur von Testpiloten geflogen, aber die Besucher der Elektronikmesse CES in Las Vegas können sich zumindest in einen Simulator setzen. Es ist verhältnismäßig leicht, das Gerät zu steuern, man muss nicht Dutzende Einstellungen vornehmen wie in einem richtigen Flugzeug, zudem ist es den Ingenieuren zufolge fast unmöglich abzustürzen. Es bestehe etwa nicht die Gefahr, dass bei einem zu steilen Anstellwinkel die Strömung abreiße und das fliegende Auto unkontrolliert zu Boden taumele. In der Simulation lässt sich der Pal-V tatsächlich sanft über die Skyline von Las Vegas lenken und mitten auf der Vergnügungsmeile landen.

„In der Zukunft kostet ein Flug mit dem Volocopter so viel wie ein Taxi“

Schon in wenigen Jahren sollen die elektrischen Volocopter über Städten fliegen. Doch welches Problem lösen die Lufttaxis eigentlich? Ein Interview.

Mit Benzin, nicht mit Strom

Das fliegende Auto ist so etwas wie das ultimative Symbol der Zukunft. Aber die Zeit, in der wir nicht mehr durch unsere Städte fahren, sondern schweben, ist vielleicht näher als gedacht. Viele Firmen nehmen das Thema ernst. Pal-V, ElectraFly, das deutsche Start-up Volocopter, der Fahrdienst Uber, die Helikopter-Ikone Bell und die großen Jet-Hersteller Boeing und Airbus – sie alle arbeiten an dem Fliegen für alle. Die amerikanische Bank Morgan Stanley sieht einen Markt, der Hunderte Milliarden Dollar schwer ist.

Die Kreationen ähneln aber nicht dem DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“, sondern eher geschrumpften Hubschraubern oder aufgeblasenen Drohnen. Und die meisten können auch nur fliegen und nicht – wie der Pal-V – fahren. Einige besonders ambitionierte Projekte wie jenes von Uber sehen vor, dass die Geräte autonom starten und landen. Manche Experten halten das für einfacher als die Entwicklung selbstfahrender Autos – aus dem einfachen Grund, dass es in der Luft weniger Hindernisse als am Boden gibt, auf die der Computer reagieren muss.

Der Pal-V soll im kommenden Jahr in Amerika und Europa auf den Markt kommen, ab 300.000 Euro das Stück. Der Zweisitzer kann dem Unternehmen zufolge 400 bis 500 Kilometer weit fliegen oder 1300 Kilometer weit fahren. Übrigens mit Benzin, nicht mit Strom – in dieser Hinsicht wirkt das Vehikel auf der CES, wo sich so vieles um elektrisch fahrende Wagen dreht, fast ein wenig altmodisch.

Pilot braucht Helm und gepolsterte Kluft


Wer den Pal-V nutzen will, benötigt nicht nur einen Führerschein, sondern auch eine Privatpilotenlizenz. Das Start-up betreibt eigene Flugschulen, 30 bis 40 Stunden in der Luft sollen nötig sein, bis man die Maschine beherrscht. „Sie ist optimal für Reisen zwischen kleinen Städten, in denen es keine Flughäfen gibt“, sagt der Pal-V-Manager Carlo Maasbommel. Das Auto brauche 180 Meter, um zu starten, und 30 Meter, um zu landen. Wiesen, Feldwege, das eigene Grundstück – vieles könne spontan als Flugfeld genutzt werden. Von öffentlichen Straßen darf man aber nicht abheben.

Der Volocopter aus Deutschland benötigt keine Piste, er startet und landet senkrecht. Der elektrisch angetriebene Mini-Hubschrauber flog 2017 zum ersten Mal am Himmel über Dubai. Die US-Firma ElectraFly versucht es mit einem Hybrid-Gerät. Es handelt sich um einen Sitz mit vier Rotoren, die elektrisch betrieben und von einer kleinen Turbine unterstützt werden. Das Gerät sieht aus wie eine große Drohne. Der Pilot braucht einen Helm und eine gepolsterte Kluft, er wirkt wie ein Motorradfahrer der Lüfte. Die ersten ElectraFlyer sind für Katastrophenhelfer oder Soldaten gedacht, die in unwegsames Gelände vordringen müssen. Spätere Versionen sollen größer ausfallen und als Flugtaxis zum Einsatz kommen.

Die Zukunft kommt – allerdings später als erhofft

Unternehmer und Investoren träumen von Flugtaxis und anderen visionären Mobilitätslösungen. Vieles davon wird einfach nicht kommen – oder erst sehr viel später.

Sogar der amerikanische Konzern Bell, vor allem für seine Militärhubschrauber bekannt, ist auf der CES vertreten. Man zeigte den Nexus, der im kommenden Jahr zum ersten Mal abheben soll. Er bietet Platz für fünf Passagiere und kann wie der Volocopter und der ElectraFlyer senkrecht starten und landen. Der Fahrdienst Uber soll Interesse an solchen Fluggeräten haben und den Nexus in die engere Wahl für sein Konzept Uber Air nehmen. Dort, so die Idee, kann man dann einfach einsteigen und sich fliegen lassen – ohne Führerschein und ohne Pilotenlizenz.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Welt.de.

Bild: Pal-V

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