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So hat sich das Geschäft der Fluggastrechte-Startups entwickelt

Flightright war eines der ersten Startups, das seinen Kunden Entschädigungen für verspätete und annullierte Flüge verschafft. Wie hat sich der deutsche Markt entwickelt?

Startups wie Flightright und EUflight streiten sich für ihre Kunden. Die Verbraucherportale kämpfen dafür, dass ihre Nutzer Geld zurückbekommen, wenn in der Vergangenheit ihre Flüge gestrichen wurden, überbucht waren oder sich verspätet haben. Die Anbieter kaufen dafür den Anspruch der Kunden oder lassen sich eine Vollmacht ausstellen. Gewinnen die Startups, müssen die Airlines laut einer EU-Verordnung pro Passagier 250 bis 600 Euro Entschädigung zahlen. Bis es zu einem Urteil kommt, kann es aber Monate dauern. Fällt die Entscheidung positiv aus, behalten die Legaltechs zwischen 24 und 35 Prozent Provision ein, den Rest der Abfindung bekommen die Kunden.

Seitdem der Potsdamer Anbieter Flightright vor neun Jahren als einer der Vorreiter der deutschen Flugrecht-Unternehmen gestartet ist, sind immer mehr Wettbewerber am Markt aufgetaucht. Unternehmen wurden verkauft, Rechte von Reisenden gestärkt. Nun wurde Flightright verkauft. Unser Überblick zeigt, wie sich das Geschäft mit Fluggast-Entschädigungen in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

  • 2004 entscheidet der Europäische Gerichtshof, dass Passagiere einen Anspruch auf Ausgleichszahlung haben, sobald ihr Flug mindestens drei Stunden Verspätung hat. Die Fluggastrechteverordnung 261/2004 legt den Grundstein für Fluggastrechte-Startups.
  • Das Potsdamer Unternehmen Flightright wird im Frühjahr 2010 von Sven Bode und Philipp Kadelbach gegründet. Eineinhalb Jahre später bekommen sie 1,4 Millionen Euro vom Frühphasenfonds Brandenburg, der bayerischen Beteiligungsgesellschaft DG Holding und Camunda – für lange Zeit das einzige Funding. Ende 2012 erreicht das Legaltech nach eigenen Angaben die Gewinnschwelle.
  • Fairplane geht 2011 in Wien an den Start. Die Gründer, der ehemalige Unternehmensberater Andreas Sernetz und der Rechtsanwalt Michael Flandorfer, sitzen auch heute noch in der Geschäftsführung.
  • Ein Jahr später geht das Portal Refund.me der ehemaligen TV-Moderatorin Maren Eve Büchner online. Auch dieses Verbraucherportal hat seinen Sitz in Potsdam und ist mittlerweile in mehr als 150 Ländern aktiv.
  • Die IT-Beraterin Dana Oppermann gründet im Herbst 2014 die Plattform Flugrecht. Zu den Geldgebern des Startups gehört unter anderem die CAG Vermögensverwaltung.
  • Das Unternehmen EUflight von Lars Watermann ging im Sommer 2015 online. Anders als die Konkurrenz zahlt EUflight das Geld innerhalb von 24 Stunden aus, verlangt dafür aber höhere Gebühren.
  • Im Januar 2016 geht der Hamburger Sofortentschädiger Compensation2go an den Start. Bernhard Schulz zieht sein Unternehmen damals als 20-jähriger Jura-Student hoch. Ähnlich wie EUflight bietet Compensation2Go eine sofortige Entschädigung an.
  • Im Februar 2016 steigt auch Szenekopf Sebastian Diemer in den Markt ein und gründet das Startup Wir kaufen deinen Flug mit seinen Kreditech-Kollegen Konstantin Loebner und Mehdi Afridi. In die Firma sind zahlreiche Business Angels investiert, darunter der Immobilienmanager Markus Wiedenmann.
  • Anfang 2017 gründen Benedikt Quarch, Phillip Eischet und Torben Antretter in Wiesbaden Geld-für-Flug. Das Startup setzt mit seinem Modell auf Kunden, die ihre Reise stornieren und dafür Geld wiederbekommen wollen. 2018 zieht Geld-für-Flug nach Düsseldorf und sammelt 25 Millionen Euro ein, unter anderem von Carsten Maschmeyers Gesellschaft Seed and Speed.
  • Im November 2017 wird Refund.me für einen zweistelligen Millionenbetrag verkauft. Das Potsdamer Startup geht an eine Gruppe von US-Investoren, die aus dem Umfeld der Stanford-Universität kommen. „Pro Jahr kamen weltweit um die 30 Wettbewerber hinzu. Die margenknappen Fälle in einem nun überfüllten Markt teuer einzukaufen – das war nicht mehr meine Mission of Life“, sagt Gründerin Büchner im Interview mit Gründerszene und NGIN Mobility über den Verkauf.
  • Auch Dana Oppermann legt einen Exit hin. Sie gibt ihr Startup Flugrecht im Mai 2018 für eine nicht genannte Summe an den Marktführer Flightright weiter. Die Flugrecht-Gründerin wechselt daraufhin zum Konkurrenten EUFlight, um Lars Watermann in der Geschäftsführung zu unterstützen.
  • Ende Januar 2019 gelingt schließlich Flightright der Exit. Der Medienkonzern Intermedia will sämtliche Anteile an dem Potsdamer Unternehmen und damit auch die Marke Flugrecht übernehmen.

Exit für Flugrechte-Unternehmen Flightright

Flightright zählt zu den erfolgreichsten Legaltech-Firmen in Deutschland. Jetzt werden die Potsdamer an einen Medienkonzern verkauft.

Bild: Eye Candy Images / Getty IMages

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