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Daimler und BMW greifen mit Free Now Volkswagen und Uber an

Daimler und BMW wollen das Mobilitätsgeschäft nicht der Konkurrenz überlassen. Jetzt gibt es einen neuen Namen und mit Mietwagen ein neues Geschäftsfeld.

Der Moderator kündigte die Neuigkeiten aus dem Hause Mytaxi als eine „Disruption des Personenverkehrs“ an. Nun ja. Begriffe werden in der Mobilitätsbranche gerne inflationär verwendet. Am Ende war es die Nachricht über den neuen Namen des Taxidienstes und die Ankündigung eines neuen Mietwagenangebots. Disruptiv ist das nicht, interessant ist es trotzdem.

Daimler und BMW haben ihre Mobilitätsdienste bekanntlich in ihrem Joint Venture zusammengefügt: Car2go und Drivenow wurden zu Share Now fusioniert. Auch bei Daimlers 2009 gegründetem Taxi-Service Mytaxi soll künftig erkennbar sein, dass er zur Now-Familie gehört. Deshalb wurden die Fahrzeuge mit neuen Folien beklebt, auf denen nun der Markenname Free Now steht.

FreeNow bietet Mietwagen

Neu ist das Mietwagenangebot nach dem Vorbild von Uber, das Free Now in den kommenden Wochen auf den Markt bringen will. Zunächst geht das Unternehmen in Hamburg mit weniger als hundert Fahrzeugen an den Start, bis Ende August kommen Berlin mit 600 bis 700 Mietwagen sowie Frankfurt dazu. Bis Jahresende will das Unternehmen den Dienst in sechs deutschen Städten ausrollen.

Gemeinsame Mobilitäts-Angebote von Daimler und BMW starten Ende Januar

Mindestens zwei Jahre haben die Konzerne an ihrem Joint Venture gebastelt. Jetzt gibt es grünes Licht der Wettbewerbsbehörden und einen Starttermin.

Free Now drängt auf den vergleichsweise schwach regulierten Mietwagenmarkt, auf dem sich zunehmend Mitbewerber ausbreiten. „Wir beobachten seit zwei Jahren einen neuen Wettbewerb, dem wir uns stellen müssen. Fahrgäste wandern ab“, sagte Deutschlandchef Alexander Mönch.

10 Kontrolleure für 10.000 Autos

Mietwagenfirmen können Preise frei festlegen, was den Wettbewerb anheizt. Die zum Schutz des Taxigewerbes im Personenbeförderungsgesetz festgelegten Einschränkungen wie die Rückkehrpflicht zum Firmensitz nach einer Fahrt oder die Ortskundeprüfung des Fahrers werden nur lax kontrolliert oder von lokalen Behörden liberal ausgelegt. In Berlin gebe es für 8000 Taxen und 2000 Mietwagen gerade einmal zehn bis 15 amtliche Kontrolleure, schätzt Mönch. „Für Behörden ist die Kontrolle nicht mehr leistbar.“

Taxifahrer laufen seit Jahren gegen die Liberalisierung dieses Gesetzes Sturm und pochen auf ihren Status als Teil des öffentlichen Nahverkehrs mit Beförderungspflichten und Festpreisen. So musste Free Now bei seinen Taxifahrern viel Überzeugungsarbeit für die neue Konkurrenz aus dem eigenen Haus leisten. Auch hinter den Kulissen der politischen Bühne betreibt das Unternehmen Lobbyarbeit. Denn Verkehrsminister Andreas Scheuer will das Personenbeförderungsgesetz noch in dieser Wahlperiode ändern.

Der Taxi-Irrsinn muss ein Ende haben

Steuerbetrug und Abzocke bei Touristen – die Taxibranche nutzt ihren politischen Einfluss gegen die Konkurrenz von Startups, weil sie etwas zu verbergen hat.

Free Now setzt sich dabei für ein „reformiertes Gemeinschaftsgewerbe“ ein, wie Mönch es umschrieb. Es sollten gleiche Regeln und Standards für beide Mobilitätsformen gelten und faire Wettbewerbsbedingungen. Sonst seien die Mietwagen „der Anfang vom Ende des Taxigewerbes“.

Carpooling bei Kunden beliebt

Neben den Mietwagen will Free Now das Carpooling ausbauen, wie es bereits von Volkswagens Tochter Moia in Hamburg und Daimlers Viavan (Berlkönig) oder Clevershuttle unter anderem in Berlin angeboten wird. Beim Carpooling teilen sich mehrere Fahrgäste mit einem ähnlichen Ziel einen Wagen, wobei der Fahrpreis vor der Fahrt feststeht.

Dazu gab es unter der alten Marke Mytaxi Match bereits Pilotprojekte in Hamburg, Berlin und am Münchener Flughafen. Mit überaus positivem Ergebnis: Die Nachfrage nach Match-Fahrten stieg dort um den Faktor 2,5, die Zahl der Touren wuchs um 35 Prozent und ein Drittel der Nutzer waren Neukunden, wie Mönch sagt.

Die Resonanz bestärkt Free Now darin, diesen Dienst auszuweiten. Wann und wo das geschehen wird, ist noch offen, was wiederum am Personenbeförderungsgesetz liegt, das solche Angebote eigentlich verbietet und allenfalls als experimentelle Projekte oder als Ergänzung des öffentlichen Linienverkehrs zulässt. Städte reagieren auf diesem Gebiet höchst zurückhaltend, vor allem auch, weil sie dem Taxigewerbe nicht das Wasser abgraben wollen.

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FreeNow zögert bei Scooter-Start

Eine ähnliche Zurückhaltung übt Free Now auch beim Thema Scooter. Die elektrisch angetriebenen Tretroller werden bislang unter der Marke Hive in sieben europäischen Städten vermietet – unter anderem in Brüssel, Athen, Paris und Lissabon. Man wolle in Deutschland nicht zu den „First Movern“ gehören, sagte Mönch. „Unser Start in Deutschland ist in Planung. Es gibt aber noch kein Datum.“ Negative Erfahrungen von Städten vor allem in den USA und der komplizierte Abstimmungsprozess werden als Gründe für die Zurückhaltung genannt.

Weniger zurückhaltend ist das Unternehmen bei den Geschäftsprognosen für das laufende Jahr: 75 Prozent Umsatzplus, 70 Millionen Touren in Europa, 400 zusätzliche Arbeitsplätze und 20 neue Standorte sind der Plan.

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Bild: FreeNow

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