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Warum frischer Fisch vielleicht bald per Hyperloop geliefert wird

Für Elon Musks Hyperloop-Idee sieht es in Europa nicht rosig aus – außer für Spezialanwendungen. Über eine ganz besondere Nische wird gerade in Norwegen nachgedacht.

NGIN-Mobility-Kolumnist Don Dahlmann hat es gerade erst klargemacht: Der Hyperloop hat in Europa keine Zukunft. Weil neben den zu geringen Distanzen auch Vogelnester, Kosten und andere Hindernisse im Weg stehen, wird es eher bei Nischenlösungen bleiben. Wie nischig? Dazu haben die Kollegen von Technology Review gerade eine interessante Geschichte ausgegraben.

Sie spielt im Norden Europas, genauer: in Norwegen. Dort ist die Beförderung von Personen und Waren über lange Strecken alles andere als einfach: Das Bahnnetz ist sehr lückenhaft, Busse oder LKW müssen im Verlauf eines Tages oft stundenlang auf Fähren warten, das stetig ansteigende Verkehrsvolumen verstärkt die Probleme. Obendrein ist die Wartung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur teuer, was in hohen Mautgebühren resultiert. Die schlagen wiederum auf die Gewinne und Margen der Fischzuchtbetriebe drauf. Deren Bedeutung für die Wirtschaft muss man sich annähernd so vorstellen wie die des Mittelstands in Deutschland: Sie sind enorm wichtig.

Will heißen: Die schwierige Verkehrsinfrastruktur stellt das Land vor Probleme. Und genau deshalb wird nun an der größten Forschungseinrichtung des Landes, dem SINTEF in Trondheim, über eine Lösung nachgedacht. Hier kommt auch der Hyperloop ins Spiel: Bei einem möglichen Pilotprojekt sollen Lachs & Co. durch die Muskschen Vakuumröhren nach der Schlachtung bis an die Absatzmärkte oder zumindest bis zum Osloer Flughafen gelangen. Dass die vielen Berge und Fjorde im Land dabei durchaus Herausforderungen mit sich bringen, ist den Forschern bewusst.

20 Millionen Euro würden die Forscher gerne in die Hand nehmen, um eine Prototypenanlage aufzubauen. 2020 schon könnte die ihren Testbetrieb starten. Das soll natürlich nur der Anfang sein: Eine 1.400 Kilometer lange Hyperloop-Verbindung zwischen Trondheim und Paris, davon träumen die Forscher. Bei einer Geschwindigkeit von 1.200 km/h, so die einfache Mathematik, wäre der fangfrische Fisch in gut einer Stunde am Ziel.

Mit dem Pipelinebauen kennen sich die Norweger bekanntlich aus. Und auf der Hälfte der Strecke könnten Solaranlagen an der Röhre angebracht werden, womit das Projekt sogar noch einen ökologischen Anstrich bekäme. Ein Lachs-Öko-Hyperloop? Nein, viel nischiger dürfte es kaum werden.

Bild:Monty Rakusen/ Gettyimages

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