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Zwei Gründer schicken 20-Tonnen-Maschinen um die Welt

Der Gebrauchtmaschinen-Markt hat einen neuen Player: Das Startup Gindumac hilft, Großgeräte über Kontinente hinweg zu verkaufen – sogar in den indischen Dschungel.

Die gebrauchte Waschmaschine oder den Kühlschrank online verkaufen ist heutzutage einfach, Plattformen wie Ebay Kleinanzeigen sei dank. Bei Industriemaschinen ist die Sache komplizierter – im Kofferraum lässt sich eine 23 Tonnen schwere Stanzmaschine schließlich schlecht befördern.

Benedikt Ruf und Janek Andre haben sich dieser Nische mit ihrer An- und Verkaufsplattform Gindumac angenommen. Gegründet haben sie ihr Startup 2016, die Plattform launchte im April 2017. Innerhalb eines Jahres wurde Gindumac zu einer Firma mit 40 Mitarbeitern und Standorten in drei Ländern: Das Team sitzt in Deutschland (Kaiserslautern und Ludwigsburg), Spanien (Barcelona) und Indien (Mumbai und Vadodara). 

Die deutsche GmbH dient als Holding der Ländergesellschaften. Hauptsitz ist die Niederlassung in Spanien, hier arbeitet mehr als die Hälfte des Teams. „Barcelona ist ein idealer Standort für Recruiting, es gibt Talente aus aller Welt. Wir konnten sehr schnell gute Tech- und Sales-Teams zusammenstellen“ sagt Ruf über die Standortwahl. Gindumac ist das zweite gemeinsame Startup der Gründer, 2014 bauten sie die Marketingagentur Red Nugget auf – ebenfalls mit Hauptsitz in Barcelona.

Maschinen werden teurer verkauft als eingekauft

Der Markt für Gebrauchtmaschinen ist 380 Milliarden Euro schwer – Tendenz steigend. Mehrere Player wollen ihn digitalisieren, neben Gindumac sind das etwa Maschinensucher, Trademachines und die US-amerikanische Firma Machinio

Das Konzept hinter Gindumac ähnelt dem der Gebrauchtwagen-Plattform Auto1. Der Verkäufer bekommt zunächst eine professionelle Bewertung seiner Maschine. Anschließend kommt ein Gindumac-Mitarbeiter vorbei, um das Gerät auf Funktionalität zu überprüfen und Fotos und Videos aufzunehmen. Mit diesem Material wird die Maschine auf der Plattform inseriert. Gibt es einen Interessenten, muss er eine Anzahlung an den Verkäufer tätigen. „Im selben Schritt kaufen wir die Maschine vom Verkäufer“, erklärt Andre. Geld verdient Gindumac, indem es die Maschinen teurer ver- als einkauft. Zur Höhe der Marge äußern sich die Gründer nicht.

Von Schweden in den indischen Dschungel

Für den Transport arbeitet das Startup mit Partnern zusammen, die auf das Ab- und Aufbauen, Verpacken, Verladen und Transportieren von Maschinen spezialisiert sind. Der Käufer zahlt den Preis für die Logistik an Gindumac, das Startup wiederum bezahlt die Partner und behält auch dabei eine Marge.

Über Wasserwege verschickt Gindumac Maschinen auch auf andere Kontinente. Der bisher weiteste Transport? „Von Deutschland nach Australien“, sagt Andre. Der spektakulärste aber sei ein anderer gewesen: „Wir haben zum Beispiel eine Maschine von Schweden nach Indien geschickt. Sie wurde letztlich in einer Dschungelumgebung abgeladen und kommt dort auch zum Einsatz“, so Ruf.

Abladeort Dschungel: Diese Maschine transportierte Gindumac von Schweden nach Indien.

Abladeort Dschungel: Diese Maschine transportierte Gindumac von Schweden nach Indien.

In Indien verzeichnet das Startup 25 Prozent seines Absatzes. Das südasiatische Land hätten sie mehr oder weniger zufällig als Markt entdeckt, sagt Ruf. „Wir sind mit einer englischsprachigen Version unserer Plattform gestartet und haben dann analysiert, aus welchem Land die meisten Anfragen kamen. Indien ist dabei stark herausgestochen, sodass wir unsere Marketingaktivitäten intensiviert haben.“ Für Indien gibt es inzwischen eine eigene Website, außerdem für neun weitere Länder, darunter Finnland, Italien und Polen.

Münchner Maschinenkonzern beteiligte sich

Auf die Frage nach der Anzahl bisher verkaufter Maschinen geben die Gründer keine konkrete Antwort. Es seien „weit über 100“. Profitabel sei das Geschäft noch nicht. Wachstumskapital gab es zuletzt im Februar: Der Münchner Maschinenhersteller Kraussmaffei beteiligte sich in einer Seed-Runde an Gindumac. Die Höhe des Investments wollen die Gründer nicht nennen. Man sei bereits dabei, die nächste Runde vorzubereiten, sagt Ruf.

Einsatzmöglichkeiten für das Geld wissen die Gründer genügend. Gindumac solle bald am besten weltweit agieren – zunächst stünden die USA, Mexiko, China, Kolumbien, Malaysia, Japan und Südkorea auf dem Expansionsplan, sagt Ruf.

Bild: Gindumac 

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